Die Alleskönnerin vor der Tour de France:Pauline Ferrand-Prévôt: "Ich bin wirklich extrem"
Die Französin Pauline Ferrand-Prévôt gewann 2025 die Frauen-Tour. Für die am Samstag beginnende neue Auflage hat sie sich akribisch vorbereitet, auch in Bezug auf ihr Gewicht.
Geht bei der Tour de France als Titelverteidigerin an den Start: Pauline Ferrand-Prevot, hier bei der Tour 2025 auf dem Weg zum Col de la Madeleine.
Quelle: Witters | Bernard PaponZDFheute: Sie sind eine vielseitige Radsportlerin, erfolgreich nicht nur auf der Straße, sondern auch mit dem Mountainbike, im Cyclocross und im Gravel-Bereich. Hätten Sie gedacht, dass Sie eines Tages die Tour de France gewinnen könnten?
Pauline Ferrand-Prévôt, geboren am 10. Februar 1992 in Reims, ist die vielseitigste professionelle Radfahrerin der Welt. Sie ist Olympiasiegerin im Mountainbiken (2024), dazu war sie mehrfach Weltmeisterin in dieser Disziplin (2015 und 2019 bis 2023), Weltmeisterin im Cyclo-Cross (2015), im Gravel (2022) und im Straßenrennen (2014), wohin sie nun wieder zurückgekehrt ist und auf das sie sich ausschließlich konzentriert.
Auf der Straße ist sie aktuelle Siegerin der Tour de France, sie gewann zudem unter anderem den Flèche Wallonne (2014) und Paris-Roubaix (2025). Bei der am Samstag in Lausanne beginnenden Frankreich-Rundfahrt gilt Ferrand-Prévôt neben der Niederländerin Demi Vollering als Topfavoritin. Ferrand-Prévôt ist mit dem niederländischen Radprofi Dylan van Baarle verlobt.
Pauline Ferrand-Prévôt: Nein. Niemals. Davon habe ich zwar geträumt. Aber ich hätte nicht erwartet, dass dieser Traum wahr werden könnte. Mir geht es für mich persönlich vor allem darum, wirklich 100 Prozent aus mir herauszuholen. Wenn ich dann am Start stehe, kann ich gelassen sein. Ich kann mir sagen, dass ich in der Vorbereitung alles gegeben habe. So war es im Vorjahr bei der Tour.
Eine verkürzte Etappe, Waldbrandgefahr: Die Frankreich-Rundfahrt der Männer kämpfte über mehrere Tage mit der extremen Hitze. Im Fahrerfeld fallen die Meinungen unterschiedlich aus.
24.07.2026 | 2:05 minZDFheute: Bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris gewannen Sie Ihr Heimspiel in der Mountainbike-Konkurrenz. Das war für Sie die Erfüllung einer großen Sehnsucht. Für den Tour-Sieg gilt das ebenfalls. Wie gewichten Sie diese beiden Erfolge?
Ferrand-Prévôt: Der Sieg bei den Spielen von Paris war sehr wichtig für mich, denn ich hatte zuvor ein paar Mal vergeblich versucht, bei Olympia ganz vorne zu landen. Hinzu kam, dass es ein Heimspiel für mich war:
Letztlich hatte ich angesichts der Erwartungen der Leute gar keine andere Wahl, als zu gewinnen. Der Druck war riesig.
Pauline Ferrand-Prévôt
Bei der Tour im Vorjahr, es war ja meine erste, wusste ich nicht so recht, wozu ich imstande sein würde. Ich war bereit und bestens vorbereitet. Aber der Druck war deutlich geringer. Ich hatte mir gesagt: Gehe es entspannt an. Wenn du nicht gewinnst, ist es überhaupt nicht schlimm. Hätte ich aber bei den Spielen in Paris nicht gewonnen, wäre es schlimm gewesen. Da war ein Sieg für mich Pflicht.
"Sieg war Pflicht", sagt Pauline Ferrand-Prevot über ihre Mountainbike-Goldmedaille 2024 in Paris.
Quelle: Imago / frontalvision.comZDFheute: Nach Ihrem Tour-Sieg wurden Sie in französischen Medien als Erlöserin von einem Fluch gefeiert. Bernard Hinault gewann als letzter Franzose 1985 das Rennen, Jeannie Longo 1989 die finale Version der Vorgängerveranstaltung Tour de France féminin. Dann kamen Sie, nach Jahrzehnten des Wartens für die Radsportnation Frankreich. Wie haben Sie diese Lobeshymnen aufgenommen?
Ferrand-Prévôt: Sie ehren und berühren mich. Es ist großartig, Frankreich mit Stolz zu erfüllen. Mein gestiegener Stellenwert ist eine großartige Sache, aber so etwas lenkt auch ab. Ich werde beim Training angesprochen, um Fotos mit Fans zu machen oder Autogramme zu geben. Aber ich spüre auch, dass die Leute mir gegenüber sehr freundlich und hilfsbereit auftreten. Ich genieße das.
Beim Giro d'Italia war sie Gesamtzweite, bei der Tour de France Femmes ist Antonia Niedermaier als Helferin eingeplant. Dennoch fährt die Rosenheimerin voller Vorfreude zu ihrer ersten Tour.
30.07.2026 | 2:21 minZDFheute: Die deutsche Profifahrerin Liane Lippert sagt, dass Sie alles dafür geben, ein Ziel zu erreichen, wenn Sie sich eines gesetzt haben. Hat sie recht?
Ferrand-Prévôt: Hat sie. Ich bin wirklich extrem. Ich kann nicht die Saison hinter mich bringen und sagen: Das ist ein Hobby. Ich kann nicht damit leben, nicht zu gewinnen. Für mich steht der Erfolg über allem. Das gilt auch für die kommende Tour.
- Wann? Vom 1. August bis 9. August - ohne Ruhetag
- Das Pensum: 1.175 Kilometer mit 18.795 Höhenmetern
- Die Königsetappe: Etappe 7 mit dem Mont Ventoux (1.910 Meter)
- Die Schlussetappe: Hier darf im Gegensatz zu den Männern angegriffen werden. Zwischen Nizza und Monaco überqueren die Fahrerinnen viermal den steilen Col d'Eze.
ZDFheute: Vor einem Jahr hatten Sie sich bei der Tour enorm schlank präsentiert, woraufhin eine Gewichtsdebatte im Frauen-Radsport begann. Wie haben Sie darauf reagiert?
Die 113. Tour de France ist fast Geschichte. ZDF-Radsport-Experte Simon Geschke über das immer schnellere Tempo, Dominator Tadej Pogacar und den deutschen Hoffnungsträger Florian Lipowitz.
25.07.2026 | 11:05 minFerrand-Prévôt: Vorab möchte ich betonen, dass ich intensiv mit Ernährungsberatern des Teams zusammenarbeite und stets engen Kontakt und Austausch mit dem Staff pflege. Ansonsten möchte ich zu dem Thema sagen, dass jeder und jede seine Meinung sagen darf. Die Kommentare haben mich persönlich nicht getroffen oder verletzt. Aber es hat mich dann doch wiederum in Bezug auf meine Familie berührt. Vor allem wegen meiner Eltern. Es ist nicht besonders angenehm, all diese Kommentare bezüglich des Gewichts der eigenen Tochter lesen und hören zu müssen.
ZDFheute: Sie werden also wieder sehr gewichtsbewusst am Samstag in Lausanne in die Tour starten?
Ferrand-Prévôt: Ich habe inzwischen Routine und weiß, was ich investieren muss, um Leistung zu bringen. Diese Methode passt für mich, aber nicht unbedingt für jede meiner Kolleginnen. Ich weiß, was ich mache. Und ich weiß, wie weit ich gehen kann.
Das Interview führte Stephan Klemm.
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