FAQ
Streit um Infantinos Investoren-Deal:Europa droht mit Boykott: Was heißt das nun für die FIFA?
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FIFA-Chef Gianni Infantino will die Fußball-WM an Investoren verkaufen. Die UEFA droht mit Boykott. Und bekommt unerwartete Unterstützung.
Die UEFA-Mitgliedsländer haben einstimmig für einen möglichen WM-Boykott gestimmt. Hintergrund ist ein geplanter Investorendeal, den die FIFA vor wenigen Tagen verkündet hatte.
30.07.2026 | 2:10 minGewaltige Empörung, Widerworte aus der Politik und ein klares Veto aus Europa: FIFA-Boss Gianni Infantino hat mit seinen Investoren-Plänen für große Kritik gesorgt. Der Fußball-Weltverband will mit dem Verkauf eines Teils seiner kommerziellen Rechte etwa an der WM eine Milliardensumme einspielen.
Die UEFA-Mitgliedsländer zeigen sich in ihrem Statement geschlossen, sagt ZDF-Sportreporter Nils Kaben. Dieses Zeichen würde nicht spurlos an anderen Verbänden vorbeigehen.
30.07.2026 | 5:52 minPrivate Geldgeber sollen rund 20 Prozent der Anteile an dem zu gründenden Tochterunternehmen FFE erwerben können, dessen Wert zunächst auf insgesamt 20 Milliarden Dollar festgelegt ist. Im FFE werden die kommerziellen Rechte an den FIFA-Wettbewerben gebündelt.
UEFA und CONCACAF leisten Widerstand
Die europäische UEFA ist strikt dagegen und droht mit einem Boykott sämtlicher FIFA-Wettbewerbe einschließlich der WM. Auch der für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik zuständige Kontinentalverband CONCACAF lehnt die Investorenpläne geschlossen ab, wie der Verband nach einer gemeinsamen Sitzung am Donnerstagabend mitteilte.
Welche FIFA-Turniere träfe ein Boykott als Erstes?
Zeitlich am nächsten betroffen wäre die U-20-Weltmeisterschaft der Frauen, die vom 5. bis 27. September in Polen stattfindet. Auch die U-17-Weltmeisterschaft der Frauen vom 17. Oktober bis 07. November in Marokko könnte als weiteres FIFA-Turnier in diesem Jahr die Auswirkungen des Boykotts zu spüren bekommen.
Mit den 55 Stimmen der Europäer und den 35 Stimmen aus Nord- und Mittelamerika dürfte es für den FIFA-Boss schwierig werden, überhaupt eine einfache Mehrheit zu erreichen. Insgesamt gibt es derzeit 211 Mitgliedsverbände. Nord-/Mittelamerika hat 41 Verbände, aber sechs davon gehören nicht zur FIFA und sind somit nicht stimmberechtigt.
FIFA-Präsident Gianni Infantino verteidigt seinen Plan zur Öffnung der Fußball-WM für Investoren. Es sei ein Angebot, ein "Teil eines Beratungsprozesses". UEFA und DFB sind strikt gegen den Plan.
30.07.2026 | 2:25 minUEFA geschlossen gegen Infantinos Pläne
Die UEFA hat ihre Ablehnung schnell kommuniziert: "Damit wird eine Grenze überschritten, die die für den Fußball verantwortlichen Institutionen niemals überschreiten dürften", teilte der Dachverband schon am Mitwoch mit.
Am Donnerstag legte die UEFA nach. Auf der Dringlichkeitssitzung aller Nationalverbände wurde ein Boykott aller FIFA-Turniere für den Fall beschlossen, dass Infantino seinen Investoren-Deal durchdrückt. Es werden "keine Nationalmannschaften aus der UEFA an einem FIFA-Wettbewerb teilnehmen, solange diese Vorschläge bestehen bleibe", hieß es in einem Statement.
Ohne die europäischen Teams sei die WM bloß ein internationales Turnier, sagt Sportökonom Deutscher. Eine konkurrierende Weltmeisterschaft eines anderen Veranstalters sei unwahrscheinlich.
30.07.2026 | 11:17 minWie viel Macht hat die UEFA in dem Konflikt?
Die UEFA stellt 55 der 211 FIFA-Verbände - im internationalen Vergleich also ein gutes Viertel aller Mitglieder. Dass eine Fußball-WM ohne Europa kaum vorstellbar ist, beweist die gerade erst beendete Fußball-WM in Mexiko, Kanada und den USA: Sechs von acht Viertelfinalisten und drei von vier Halbfinalisten kamen aus Europa, der amtierende Weltmeister heißt Spanien. Insgesamt stellte die UEFA 16 Teilnehmer bei der WM - mehr als jeder andere Verband.
Zur sportlichen Bedeutung von Europas Fußball-Nationen kommt die individuelle Strahlkraft von Weltstars wie Frankreichs Kylian Mbappé, Englands Jude Bellingham oder Norwegens Erling Haaland hinzu.
Auch im Fraußenfußball ist die UEFA sportlich stark vertreten. Bei der Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Brasilien mit 32 Teilnehmern kommt mehr als jede dritte Nation aus Europa. Die UEFA hat elf direkte Startplätze plus einen Platz im interkontinentalen Play-off; damit könnten zwölf europäische Teams teilnehmen.
Bei der letzten WM 2023 kamen fünf der acht Viertelfinalisten aus Europa, das rein europäische Finale entschieden die Spanierinnen gegen die Engländerinnen für sich.
Was sagen Stimmen aus Deutschland?
Einen WM-Boykott hatte auch Bernd Neuendorf bereits ins Spiel gebracht. Der DFB-Präsident ist entrüstet. "Wir dürfen ihn [den Fußball] nicht zum Spielball von Investoren machen. Die Akzeptanz der Fans dürfen wir nicht verlieren, aber wir sind auf dem besten Wege, diese Akzeptanz zunichte zu machen. Das halte ich für überaus problematisch und nicht zustimmungsfähig", sagte er am Mittwoch dem ZDF. Würden sich die Fronten verhärten, wäre ein WM-Boykott der UEFA-Verbände "aus meiner Sicht durchaus eine Option".
DFB-Präsident Neuendorf nennt den geplanten FIFA-Investoren-Deal ein "fatales Zeichen". Das FIFA-Council habe aus der Presse davon erfahren. Er bringt einen WM-Boykott ins Spiel.
29.07.2026 | 8:52 minSein Vizepräsident Hans-Joachim Watzke betont die große Macht der Europäer. "Bei der WM standen sechs europäische Teams im Viertelfinale und drei im Halbfinale. Wenn sich der europäische Fußball geschlossen gegen die Pläne wehrt, hat das sehr viel Gewicht", so Watzke, der auch UEFA-Vizepräsident ist.
FIFA-Präsident Infantino versuche, die Mitgliedsverbände mit Geld zu locken, so ZDF-Sportreporter Nils Kaben. Damit wolle Infantino den FIFA-Gewinn nach dem letzten Rekord noch weiter maximieren.
29.07.2026 | 10:25 minBayerns Sportvorstand Max Eberl zeigt sich schockiert: "Ich finde es beschämend. Ich schäme mich dafür, dass wir im Fußball über solche Gedanken reden." Er stellt offen einen Boykott Europas in Aussicht, um der FIFA Kontra zu geben.
Wie sind vergangene Konflikte zwischen FIFA und UEFA ausgegangen?
Die UEFA präsentiert sich nicht zum ersten Mal als Bollwerk im Weltfußball. Auch bei Infantinos Milliarden-Plänen 2018 ging der europäische Dachverband mit Präsident Aleksander Ceferin in Frontalopposition zum Weltverband - und setzte sich am Ende durch.
Die Zahl der kleinen Verbände in der FIFA ist massiv gestiegen. Die Gewichtung der UEFA reicht bei einer Abstimmung bei Weitem nicht für eine Mehrheit, sagt Sportökonom Deutscher.
29.07.2026 | 16:06 minCeferin war auch bei den Super-League-Plänen europäischer Klubs im Jahr 2021 einer der lautesten und prominentesten Gegner. Er kündigte unter anderem an, Profis könnten nicht mehr bei WM und EM spielen, wenn sie Teil dieser Super League würden.
Diesmal wird sich die Opposition komplizierter gestalten, denn Infantinos FIFA will die Fußball-Welt und vor allem die kleinen Verbände mit zusätzlichem Geld überschütten.
Wie sind die Reaktionen aus anderen Verbänden?
UEFA und CONCACAF haben sich schon positioniert. Während sich Südamerika bedeckt hält, signalisierte Afrikas Fußballverband (CAF) als erste Dachorganisation Unterstützung. Die Mitgliedsverbände wurden aufgefordert, den Vorschlag zu prüfen und sich am Konsultationsprozess zu beteiligen.
Dies ist insofern bedeutsam, als die afrikanischen Nationen innerhalb des Weltverbandes 54 Stimmen besitzen und damit für die Entscheidung eine große Rolle spielen.
Für Fans würde sich zunächst wenig Sichtbares ändern. Der geplante Verkauf betrifft nicht die sportlichen Regeln, sondern die kommerziellen Rechte der FIFA - also die Vermarktung ihrer Wettbewerbe. Die Sorge der UEFA und vieler europäischer Verbände ist, dass ein externer Investor künftig auf höhere Einnahmen drängt und dadurch mehr Einfluss auf den Fußball nimmt.
Die höheren Einnahmen würden vermutlich durch mehr Werbung und Sponsoring, teurere TV-Rechte sowie höhere Ticketpreise zustande gebracht werden. Kritiker befürchten, dass zur Umsatzsteigerung zusätzliche Turniere oder größere Teilnehmerfelder geschaffen werden - ähnlich wie bei der auf 48 Teams erweiterten WM oder der vergrößerten Klub-WM.
Ist der geplante Deal mehrheitsfähig?
Davon war bis zur Drohung der UEFA auszugehen. Denn abseits der Ablehnung aus Europa dürfte es gerade bei kleineren Mitgliedsstaaten eine Zustimmung für die Idee geben, weil sie schlicht für einen deutlichen Anstieg der Einnahmen sorgen. Nun erhalten die Europäer aber auch noch unerwartete Unterstützung durch den Kontinentalverband CONCACAF.
ZDF-Reporter Nils Kaben ist diesbezüglich optimistisch. "Ich bin ziemlich sicher, dass sein Kalkül war, dass die 55 Europäer nicht alle an einem Strang ziehen würden", sagte Kaben bei ZDFheute live. Infantino müsse nun überlegen, wie es weitergehe. Das Dokument der UEFA sei von "beeindruckender Klarheit":
Da ist kein Lavieren, da ist kein "man ist irritiert und man müsse darüber reden". Da wird klipp und klar gesagt: "Mit uns nicht!"
ZDF-Reporter Nils Kaben
FIFA-Präsident Gianni Infantino – mutiger Erneuerer oder selbstherrlicher Machtmensch? Valerie Niehaus nimmt den mächtigsten Mann im Weltfußball unter die "heute-show"-Lupe.
17.07.2026 | 33:27 minQuelle: dpa
Über dieses Thema berichtete das ZDF am 30.07.2026 in der heute-Sendung um 19:00 Uhr.
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