Defensive im Fußball: Warum der Trend zum "tiefen Block" geht

Neue Defensivordnung im Fußball:Warum der Trend zum "Verteidigen im tiefen Block" geht

von Frank Hellmann

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Bei der WM wurde vermehrt im tiefen Block verteidigt. Jürgen Klinsmann glaubt, dass die Entwicklung auch den Fußball in Europa und die Klubwettbewerbe stärker prägen wird.

WM 2026: Spanien verteidigt mit drei Mann gegen Kylian Mbappé. Bild aus der Vogelperspektive.

Mit einer starken Defensive zum WM-Titel: Spanien bezwingt im Halbfinale Frankreich.

Quelle: imago

Als das DFB-Präsidium Anfang November vergangenen Jahres den Rahmenterminkalender für die Saison 2026/27 abnickte, konnte niemand ahnen, dass das Flaggschiff mal wieder auf Grund laufen würde. In der Bundesliga sollte erst am 28. August wieder der Ball rollen, um gerade deutschen Nationalspielern ausreichend Zeit für Urlaub und Vorbereitung einzuräumen.

Nun wirken die 60 Tage zwischen der WM-Blamage der DFB-Auswahl gegen Paraguay und dem Bundesliga-Eröffnungsspiel FC Bayern gegen VfB Stuttgart fast zu lang. Die Premier League in England mit den meisten WM-Abstellungen beginnt eine Woche früher, La Liga in Spanien mit seinen Weltmeistern startet sogar zwei Wochen eher.

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Das Zentrum wird verbarrikadiert

Die Topligen werden erste Erkenntnisse liefern, ob eine taktische Entwicklung des WM-Turniers nun noch stärker das Spiel prägt: das Verteidigen im tiefen Block. Als die Technische Studiengruppe der FIFA ihre Ergebnisse vorstellte, sagte deren Mitglied Jürgen Klinsmann:

Wir sehen einen Trend, dass die Kompaktheit aller Mannschaften im Defensivblock so stark auf den zentralen Bereich fokussiert ist, dass es wirklich, wirklich schwierig geworden ist, durch die Mitte zu spielen oder aus 20 bis 25 Metern zum Abschluss zu kommen.

Jürgen Klinsmann, Mitglied der Technischen Studiengruppe der FIFA

Beim tiefen Block würden "acht, neun Spieler in der Box verteidigen", erklärte der Weltmeister von 1990. In dieser Häufung habe es das noch bei keiner Weltmeisterschaft gegeben: 25 Prozent der Spielzeit gegen den Ball seiEN in dieser Abwehrhaltung verbracht worden. Die kompakten Defensivblöcke seien schon bei der WM 2022 in Katar aufgefallen. Der 61-Jährige glaubt, dass sich der Trend auf Vereinsebene und auf die Klubwettbewerbe ausweiten wird.

England stand am Ende viel zu tief

Vorbei die Zeiten, in denen darauf nur Außenseiter zurückgreifen. Klinsmann: "Auch Marokko hat das im Viertelfinale gegen Frankreich gemacht. England, Frankreich, Argentinien nutzten das zwischenzeitlich, um daraus dann selbst wieder zu attackieren."

Wobei die Engländer im Halbfinale gegen Argentinien (1:2) vorführten, wie ein zu tief aufgestellter Block zum Rohrkrepierer wird. Mit der Umstellung auf eine Fünferkette und dem fast völligen Verzicht auf Entlastung sendete Teamchef Thomas Tuchel in Atlanta ein fatales Signal, das ihn fast den Job gekostet hätte.

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Was sind die Vorteile, sich am eigenen Strafraum zu verbarrikadieren? Alles in allem ist es eine recht simple Strategie: Die Abstände sind gering, Stellungsfehler fallen kaum ins Gewicht, der läuferische Aufwand hält sich in Grenzen. Für Klinsmann erklärt das auch, warum sich der Anteil der Weitschusstore gegenüber der WM 2022 auf 16 Prozent nahezu verdoppelt hat.

Wer solche kompakten Defensiven knacken will, "braucht Breite, Tempo über die Flügel, präzise Flanken sowie intelligente Laufwege und ein exzellentes Timing im Strafraum". Das können nur Teams mit außergewöhnlichen Individualisten aufbringen.

Auch der FC Arsenal bevorzugt dieses Stilmittel

Den tiefen Block bevorzugt beispielsweise der Champions-League-Finalist FC Arsenal, der sich mit seinem pragmatischen Defensivstil in England die Meisterschaft sicherte. Im Weltmeisterland Spanien holte sich hingegen der FC Barcelona unter Hansi Flick mit einer risikobehafteten Offensivphilosophie den Titel.

Als Gegenentwurf wirkte auch das Champions-League-Halbfinalhinspiel zwischen Paris St. Germain und Bayern München (5:4), als beide Teams im Prinzenpark extrem hoch verteidigten, sodass daraus pures Spektakel entstand.

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Bei der WM stellte Spanien die beste Defensive. Die Gegner verloren im iberischen Spinnennetz früh wieder den Ball, weil der Weltmeister kompakt und intensiv im Kollektiv verteidigte. Den tiefen Block wählte so mancher WM-Teilnehmer ja auch deshalb, weil die Vorbereitungszeit recht kurz war. Darüber können die Bundesligisten jetzt nicht klagen. Zeit genug wäre, sich kreatives Verteidigen für die Saison 2026/27 zu überlegen - und einzuüben.

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Quelle: Reuters

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Über dieses Thema berichtete das ZDF in dem Beitrag "Was bleibt hängen von der Fußball-WM 2026?" am 19.07.2026.

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