Kurze Hosen, schmelzender Schnee:Winter-Paralympics mit Sommer-Feeling
von Lars Becker
Skiläufer in kurzen Hosen und T-Shirt: Frühsommerliche Temperaturen sorgen für ungewohnte Bilder bei den Winter-Paralympics. Was muss sich in Zeiten des Klimawandels ändern?
Wintersport in kurzen Hosen: Marco Maier in Aktion beim Biathlon-Sprint der Paralympics 2026.
Quelle: dpaEigentlich sind die Orthopädie-Experten von Ottobock vor allem für Hilfe bei Prothesen oder anderen Hilfsmitteln bei diesen Paralympics in Italien vor Ort. In den vergangenen Tagen hatten sie jedoch vor allem Stress an der Nähmaschine: Wegen der fast sommerlich warmen Temperaturen gab es vor allem im Lager der LangläuferInnen und BiathletInnen viele Wünsche nach Rennanzügen mit kurzen Beinen und Armen.
Die Para Biathleten Leonie Walter und Marco Maier gewinnen zum Auftakt der Paralympics in Italien Bronze. Maier verrät im Interview, was eine Nähmaschine mit dem Erfolg zu tun hat.
07.03.2026 | 1:40 minRennanzüge werden "sommertauglich" gemacht
Also wurde kräftig abgeschnitten und umgenäht. Was nicht nur modische Glanzpunkte im Feld setzte: Marco Maier oder Leonie Walter gewannen auch Medaillen in ihrem kurzen Outfit. "Wir haben kurzfristig angefragt, ob sie den Rennanzug sommertauglich machen können. Es ist schließlich Wintersport, der sollte sich ein bisschen kühl anfühlen", erzählte die sehbeeinträchtigte Leonie Walter nach ihrem Bronzegewinn und fügte hinzu: "Es war trotzdem sehr heiß." Maier schüttete sich während der Biathlon-Rennen immer wieder Wasser zur Kühlung über den Kopf.
Die am Dienstag mit Silber im kurzen Look belohnte Langläuferin Linn Kazmaier meinte, dass die Hitze für die an sehr frostige Temperaturen gewöhnten Wintersportler ein echtes Problem sei: "Wärme und nicht überhitzen ist ein großes Thema."
Strahlender Sonnenschein und mindestens zwölf Grad im Schatten herrschten in den vergangenen Tagen im Langlauf-Stadion in Lago di Tesero - in der Sonne waren es deutlich über 20 Grad. In Cortina wurden an einem Tag 17 Grad auf dem Berg gemessen.
Stürze im weichen Schneematsch
"Mit Winterspielen hat das nicht mehr viel zu tun. Früh ist es noch hart, aber dann wird der Schnee extrem weich. Da rutscht man natürlich viel mehr weg", schimpfte Deutschlands einziger Para-Snowboarder bei den Paralympics, Christian Schmiedt. Auf der Tofane-Piste gab es auch deshalb viele Stürze.
Und in Lago di Tesero mussten die LangläuferInnen ihre Wettbewerbe teilweise im knöcheltiefen Schneematsch absolvieren - und neben der dick mit Kunstschnee belegten Loipe taucht wegen des dahinschmelzenden Weiß längst vielerorts die braungrüne Wiese darunter auf.
Bei Olympia startete sie im Ruderboot, bei den Winter-Paralympics steht sie auf Skiern: Kathrin Marchand liefert eine unglaubliche Geschichte - und plant noch mehr.
09.03.2026Der Beginn der paralympischen Alpin-Wettbewerbe wurde an einigen Tagen wegen der frühlingshaften Temperaturen extra eine halbe Stunde vorverlegt. Doch das bringt kaum etwas, zumal die Wettbewerbe in den unterschiedlichen Kategorien meistens bis in die Mittagsstunden dauern.
Mögliche Änderungen bei Olympia und Paralympics
"Wie wäre es denn, wenn man die Winter-Paralympics in Zeiten des Klimawandels vor Olympia stattfinden lässt oder vielleicht drei Wochen zeitiger?", fragt sich deshalb nicht nur die routinierte Andrea Eskau bei ihrer insgesamt neunten Teilnahme bei Winter- und Sommer-Paralympics. Schließlich war es auch vor vier Jahren in Peking schon sehr warm, nachdem die Olympioniken zuvor mit Eiseskälte zu kämpfen gehabt hatten.
Übersicht der Wettkämpfe:Zeitplan, Ergebnisse und Medaillenspiegel
Tatsächlich hat sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) schon vor einiger Zeit Gedanken über die Zukunft der Winterspiele gemacht. Die Vergabe des nächsten Winter-Megaevents in vier Jahren nach Frankreich wurde extra um ein Jahr nach hinten verlegt, um Daten über die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wintersport noch besser analysieren zu können. "Bis 2050 werden zwischen 50 und 60 Prozent der einstigen Wintersportgebiete in Europa, die als schneesicher gegolten haben und für Olympische Spiele geeignet sind, nicht mehr existieren", erklärte der ehemalige IOC-Präsident Thomas Bach.
Bleiben nur noch wenige mögliche Ausrichter übrig?
Künftig sollen Bewerber über einen Zeitraum von zehn Jahren nachweisen, dass es im klassischen Olympiamonat Februar Temperaturen unter dem Gefrierpunkt gibt. Viele potenzielle Orte werden dann künftig nicht mehr übrig bleiben - es wird über ein Rotationsprinzip von perfekten Ausrichtern diskutiert.
Zudem denkt das IOC darüber nach, bislang klassische Sommersportarten wie Handball bei Winterspielen stattfinden zu lassen. Das könnte auch für die Paralympics mit dem bisher eher dünnen Programm interessant sein.
Eine Woche nach dem Ende der Olympischen Spiele rücken die Paralympics in den Fokus - doch die Frage bleibt, wie groß ihre tatsächliche Strahlkraft in Deutschland ist.
01.03.2026 | 15:02 minEine kleine Verlegung des Termins nach vorn wird es jedenfalls geben: Die Olympischen Winterspiele und die Paralympics 2030 in Frankreich beginnen am 1. Februar und 1. März. Also fünf Tage früher als in diesem Jahr. Ob das wohl den Sommer im Winter aufhält?