15. Medaille nur Nebensache:Para-Alpin-Legende Rothfuss: Raus aus den Depressionen
von Lars Becker
Mit 14 Medaillen bei fünf Paralympics ist Andrea Rothfuss eine Para-Alpin-Legende. Doch diesmal ist nach einer Lebenskrise alles anders.
Andrea Rothfuss: Schon 14 Medaillen bei den Paralympics.
Quelle: action pressAndrea Rothfuss ist erst 36, aber eine echte Legende im deutschen Para-Sport. Vor 20 Jahren ging die Alpin-Spezialistin, der seit der Geburt die linke Hand fehlt, erstmals bei den Winter-Paralympics an den Start. Im zarten Alter von 16 holte sie gleich Silber im Riesenslalom.
Medaille ist diesmal zweitrangig
Seitdem hat die Schwarzwälderin an vier weiteren Para-Winterspielen teilgenommen und dabei 13 weitere Medaillen, davon 2014 eine in Gold, gewonnen. Noch nie ist die deutsche Winter-Rekordteilnehmerin ohne Edelmetall von den Paralympics heimgekehrt. Trotzdem ist es ihr nach einem erfolgreichen Kampf gegen Depressionen ziemlich egal, ob diese Medaillen-Serie auch in diesen Tagen von Cortina hält.
Andrea Rothfuss spricht über ihre Leistungen nach einer gesundheiltlich schweren Zeit. Es werden ihre letzten Paralympics sein.
11.03.2026 | 3:03 min"Alleine nur dabei zu sein, fühlt sich für mich schon an wie ein Medaillengewinn", hat die in Freudenstadt geborene Rothfuss am Montag gesagt. Sie hatte gerade Platz vier im Super-G belegt, den eigentlich undankbarsten Platz neben dem Podium. Trotzdem war Andrea Rothfuss überglücklich: "Als ich die Vier aufleuchten gesehen habe, dachte ich: Wahnsinn, Wahnsinn!" Erst vor zwei Wochen hatte sie die langen Ski für die Speed-Disziplinen nach langer Pause zum ersten Mal wieder angezogen und "die ersten richtig guten Schwünge in den Schnee gezaubert".
Klappt es am Donnerstag doch mit der Medaille?
Sie entschloss sich, den Start im Super-G bei den Paralympics als Vorbereitung mitzunehmen - genau wie am Dienstag den in der Super-Kombination (Platz sechs). In ihren Spezial-Disziplinen Riesenslalom (Donnerstag) und Slalom (Samstag) gehört sie mit den kürzeren Ski zu den Medaillenanwärterinnen: "Das schien so lange so weit weg und ist mir so viel wert. Es war alles andere als leicht in den vergangenen zwei Jahren."
Und noch vor einem halben Jahr hätte ich nie gedacht, dass ich es schaffen könnte.
Andrea Rothfuss
Alles begann mit psychischen Problemen, die Andrea Rothfuss zu Trainingspausen zwangen. Sie fühlte sich früh müde und schnell erschöpft, ausgebrannt und wie "aus dem Leben geschossen". Die ehrgeizige Athletin intensivierte ihr geliebtes Sporttraining daraufhin noch, doch das führte endgültig zum Zusammenbruch.
Therapie als entscheidender Schritt aus der Krise
Nach einiger Zeit entschied sich Rothfuss für eine professionelle Therapie. "Diese Erkenntnis war ein entscheidender Schritt, um den Genesungsweg zu gehen, damit es besser wird. Du musst es selbst erkennen, damit du bereit bist, Hilfe anzunehmen", sagt Rothfuss im Rückblick.
Anna-Lena Forster fährt den Super-G mit etwas zu viel Risiko. Als Mitfavoritin geht sie ins Rennen und scheidet nach einem Fahrfehler früh aus.
09.03.2026 | 1:19 minIhr großes Ziel war die Rückkehr auf die Ski-Piste, ihre Ungeduld war die größte Gegnerin. "Ich wollte bei einem Ski-Wettkampf nochmal oben am Start stehen, mich da richtig fühlen und merken, ich habe das im Griff, habe Spaß und Freude dabei. Ich hatte schließlich absolut keinen Zugriff auf mein Können mehr." Schritt für Schritt kämpfte sich die in den Ergänzungskader des deutschen Para-Ski-Teams abgerutschte Legende zurück zur Topform.
Comeback erst im Dezember
Im Dezember 2025 feierte Andrea Rothfuss beim Weltcup in St. Moritz nach fast zwei Jahren als Siebte ein gelungenes Comeback in der Ski-Rennszene. Im Januar und Februar fuhr sie dann insgesamt viermal aufs Podest und löste das Ticket für ihre sechsten Winter-Paralympics. "Das ist schon jetzt Gold wert, ich lebe jetzt wirklich meinen Traum. Das ist wie so ein Stück Kuchen mit Sahne und Kirsche obendrauf und Zuckerstreuseln", hat sie in diesen Tagen in einem Interview erklärt.
Oksana Masters wurde im Schatten von Tschernobyl geboren, misshandelt und ist nun der vielleicht größte Star der Para-Sport-Szene. Das ist ihre außergewöhnliche Geschichte.
10.03.2026 | 2:00 minSie hat sich eigenständig entschieden, die Geschichte ihrer Depressionen öffentlich zu machen. "Vor einem halben Jahr hätte ich nicht so offen darüber reden können. Ich bin stabiler geworden und der Sport hat mir viel Selbstvertrauen zurückgegeben", sagt sie. Sie möchte anderen Menschen mit ihrer Geschichte Mut machen - und vielleicht klappt es am Ende ja doch mit ihrer 15. Medaille bei den Paralympics.