Glasklarer Favorit bei der WM:Das Erfolgsgeheimnis der US-Basketballerinnen
von Pauline Herrle
Elfmal Weltmeister, zehnmal Olympia-Gold, mehrere MVPs und jetzt auch Caitlin Clark: Die US-Basketballerinnen sind eine Macht. Wie sich der jahrzehntelange Erfolg erklären lässt.
Sie ist das Sinnbild für eine neue Ära des Erfolgs: Die 24-jährige Caitlin Clark hat die Popularität von Frauen-Basketball in den USA auf ein neues Level gehoben.
Quelle: IMAGO / Icon SportswireNeun Weltmeistertitel bei den vergangenen zwölf ausgetragenen Weltmeisterschaften. Zehnmal olympisches Gold bei 13 Turnieren. Seit zwei Jahrzehnten hat keine Mannschaft bei einer Weltmeisterschaft gegen die USA-Basketballerinnen gewonnen. Die Zahlen sind fast unwirklich. Jetzt kommen die Amerikanerinnen als Titelverteidigerinnen zur WM nach Berlin - als haushoher Favorit mit internationalen Superstars, Olympiasiegerinnen, WNBA-MVPs - und mit Caitlin Clark.
Erfolg ist über Jahrzehnte gewachsen
Doch diese Dominanz ist nicht über Nacht entstanden. Ihre Wurzeln reichen mehr als 50 Jahre zurück. 1972 unterschreibt US-Präsident Richard Nixon "Title IX". Das Gesetz verbietet Diskriminierung aufgrund des Geschlechts in Bildungseinrichtungen, die staatliche Unterstützung erhalten.
Für den Sport hat das weitreichende Folgen: Schulen und Universitäten müssen Mädchen und Frauen deutlich mehr Möglichkeiten eröffnen. Sportangebote wachsen, Stipendien entstehen, immer mehr Mädchen spielen organisiert Basketball. So entsteht eine Talentfabrik - und diese produziert nicht nur einzelne Stars, sondern Kadertiefe.
Deutschlands Basketballerinnen wollen bei der Heim-WM 2026 in Berlin um Medaillen kämpfen und den Frauenbasketball in Deutschland nachhaltig verändern.
28.08.2026 | 58:32 minDie Namen wechseln, die Qualität bleibt
Eine der ersten großen Figuren dieser Entwicklung ist Cheryl Miller. In den 1980er-Jahren wird sie an der University of Southern California zum nationalen Superstar und führt die USA 1984 zu Olympia-Gold. Eine professionelle Liga gibt es damals noch nicht. Doch Miller zeigt, welches Publikum US-Frauenbasketball erreichen kann.
Mit Lisa Leslie, Sheryl Swoopes, Rebecca Lobo und Dawn Staley gewinnt die US-Auswahl 1996 in Atlanta olympisches Gold. Noch im selben Jahr wird die WNBA gegründet, 1997 geht sie an den Start. Damit gibt es erstmals eine professionelle Bühne für die besten amerikanischen Spielerinnen. Heute heißen diese Stars unter anderem Breanna Stewart, Napheesa Collier, Chelsea Gray und Paige Bueckers. Nicht eine Generation ist außergewöhnlich - fast jede.
Marie Gülich ist die Kapitänin des deutschen Basketball-Nationalteams der Frauen. Kurz vor dem Start der WM in Deutschland spricht sie mit Jochen Breyer über die Entwicklung ihres Sports.
29.08.2026 | 11:46 minSuperstar Caitlin Clark erstmals bei WM dabei
Und dann kommt Caitlin Clark. 2024 wird sie als Nummer-eins-Pick von den Indiana Fever gedraftet. Mit spektakulären Würfen, Pässen und ihrer Spielübersicht wird sie innerhalb kürzester Zeit zum Superstar - und löst einen Hype aus, der die WNBA nachhaltig verändert.
Die Zuschauerzahlen steigen von rund 6.000 pro Spiel 2023 auf etwa 11.000 in der vergangenen Saison. Der "Caitlin-Clark-Effekt" ist geboren. Und er verändert die Liga auch finanziell mit einem neuen Tarifvertrag: Seit Mai 2026 liegt der durchschnittliche Jahreslohn bei rund 583.000 Dollar - fast das Fünffache des bisherigen Durchschnitts.
Caitlin Clark füllt Stadien, bricht Rekorde - und verdient in der WNBA weniger als NBA-Maskottchen. Doch sie verändert den Basketball und wird zum Gesicht des Umbruchs.
23.05.2025 | 10:56 minUSA als haushoher Favorit auf WM-Titel
Clark selbst war bereits Millionärin, bevor sie Profi wurde. Und so könnte sie am Ende nicht nur als Basketballerin in die Geschichte eingehen, sondern als die Spielerin, die der WNBA den größten Schub ihrer Geschichte verliehen hat. Jetzt steht sie erstmals bei einer Weltmeisterschaft für die USA auf dem Feld.
Trotzdem wäre es ein Fehler, Team USA auf einzelne Superstars zu reduzieren. Genau das unterscheidet die US-Amerikanerinnen von vielen Konkurrenten: Sie müssen nicht darauf hoffen, dass eine Spielerin ein Spiel entscheidet. Selbst der Ausfall von A'ja Wilson, eine der dominantesten Spielerinnen ihrer Generation, macht die USA nicht zum Außenseiter. Das ist die eigentliche Macht dieses Systems: Es produziert nicht einen Superstar. Es produziert Supermannschaften.
Knapp zwei Wochen vor dem Beginn der Basketball-WM spricht DBB-Spielerin Luisa Geiselsöder im ZDF-Interview über die Ausfälle im deutschen Team.
26.08.2026 | 3:36 minAbstand zu anderen Nationen wird kleiner
Wer kann die US-Amerikanerinnen also stoppen? Frankreich war 2024 ganz nah dran. Im olympischen Finale von Paris gewannen die USA nur 67:66. Auch Australien, Belgien und Japan gehören zur internationalen Spitze. Und Deutschland will bei der Heim-WM mit einer neuen Generation an "Macherinnen" (ZDF-Doku jetzt streamen) angreifen.
Doch die Ausgangslage bleibt eindeutig: Die USA haben seit 2006 kein WM-Spiel verloren und die vergangenen vier Weltmeisterschaften gewonnen. Vielleicht ist deshalb die spannendste Frage dieser Weltmeisterschaft nicht, wer Weltmeister wird, sondern: Wer schafft es, zur Erfolgsmacht USA aufzuschließen?