Altwerden in Deutschland:Warum Einsamkeit im Alter krank macht und was dagegen hilft
von Christina-Maria Pfersdorf
Einsamkeit zählt zu den unterschätzten Gesundheitsrisiken im Alter. Wie sie entsteht, welche Folgen sie haben kann und welche Hilfsangebote es gibt, um Isolation zu durchbrechen.
20 Prozent der Deutschen geben an, sich sehr einsam zu fühlen. Gerade im Alter kann Einsamkeit zum Gesundheitsrisiko werden. Professor Dietrich Grönemeyer zeigt auf, was dagegen helfen kann.
18.08.2026 | 5:47 minMenschen im hohen Alter sind vermehrt von Einsamkeit betroffen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Partnerinnen und Partner oder enge Freundschaften gehen durch Krankheit und Tod verloren, Familien leben häufig weit entfernt und körperliche Einschränkungen machen es schwieriger, aktiv zu bleiben und soziale Kontakte zu pflegen. Auch finanzielle Probleme können eine Rolle spielen.
"Wir wissen aus zahlreichen Studien, dass Armut einer der wichtigsten Risikofaktoren für Einsamkeit ist", sagt Maike Luhmann, die als Psychologin an der Ruhr-Universität Bochum zum Thema Einsamkeit forscht.
… forscht und lehrt an der Ruhr-Universität Bochum (RUB). Die Psychologin und Professorin für psychologische Methodenlehre hat sich dabei auf das Thema Einsamkeit spezialisiert und gilt als eine der führenden Expertinnen auf diesem Gebiet.
Wie die Gesundheit unter Einsamkeit leidet
Soziale Beziehungen gehören nach Einschätzung von Fachleuten zu den wichtigsten Voraussetzungen für gesundes Altern. Sie spielen neben Bewegung, ausgewogener Ernährung, ausreichend Schlaf und einem guten Stressmanagement eine entscheidende Rolle.
Neben den Genen fördern Bewegung, guter Schlaf, Ernährung und soziale Kontakte die Lebensqualität. Professor Dietrich Grönemeyer zeigt, wie gesundes Altern funktioniert und was man selbst dafür tun kann.
17.08.2026 | 5:51 min"Es gibt mittlerweile hunderte Studien, die zeigen, dass einsame Menschen eher psychisch krank werden, zum Beispiel Depressionen oder Angststörungen entwickeln. Oder auch, dass sie eher körperliche Erkrankungen bekommen", sagt Luhmann.
Es gibt einen ganz starken Zusammenhang zwischen Einsamkeit und Gesundheit.
Prof. Dr. Maike Luhmann, Psychologin, Ruhr-Universität Bochum
Die gesundheitlichen Folgen reichen von einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfällen und Diabetes bis hin zu Demenz. Auch die Lebenserwartung könne sinken.
Was Betroffene selbst gegen Einsamkeit tun können
Der wichtigste Schritt gegen Einsamkeit sei zunächst, soziale Kontakte wieder aufzubauen oder bestehende Beziehungen zu stärken. Das klinge einfach, sei aber gerade im Alter oft besonders schwierig, so Luhmann.
In vielen Städten kennt man sich kaum noch im Haus. Doch eine vernetzte Nachbarschaft kann im Alltag helfen - vom Blumengießen bis zum Werkzeugverleih. Und sie kann Einsamkeit spürbar lindern.
20.05.2026 | 3:04 minDie Psychologin empfiehlt deshalb, kleine und realistische Schritte zu gehen. Dazu gehören etwa regelmäßige Telefonate mit Familie oder Freunden, die Teilnahme an Freizeitgruppen, Senioren- oder Vereinstreffen sowie der Besuch von Kultur- und Bildungsangeboten. Auch digitale Kommunikationsangebote könnten helfen, Kontakte zu pflegen.
Zu den besonders gefährdeten Gruppen zählen auch pflegende Angehörige. Sie hätten oft kaum Zeit, soziale Beziehungen außerhalb der Pflegesituation aufrechtzuerhalten, sagt Maike Luhmann, Psychologin an der Ruhr-Universität Bochum. Ihnen rät sie, nach Möglichkeit gezielt Entlastungsangebote zu nutzen, um Zeit für eigene soziale Kontakte zu gewinnen. Viele Kommunen und Wohlfahrtsverbände bieten hierfür Unterstützung an.
Hilfe durch Ärzte, Kommunen und Ehrenamtliche
Aus Sicht von Maike Luhmann darf die Verantwortung jedoch nicht allein bei den Betroffenen liegen. "Einsamkeit ist auch eine politische Herausforderung", sagt die Forscherin. Politik könne Rahmenbedingungen verbessern, beispielsweise durch Maßnahmen gegen Altersarmut oder durch eine bessere Unterstützung pflegender Angehöriger.
Professor Dietrich Grönemeyer begleitet ein innovatives Pflegeprojekt im Westerwald. Statt starrer Vorgaben stehen Lebensqualität, Aktivierung und Selbstständigkeit bis ins hohe Alter im Mittelpunkt.
17.08.2026 | 5:26 minEine wichtige Rolle sieht sie im Gesundheitssystem. Manche älteren Menschen seien inzwischen so isoliert, dass Hausärztinnen und Hausärzte oft die einzigen regelmäßigen Ansprechpartner seien. Deshalb könnten sie Einsamkeit erkennen und Betroffene an passende Hilfsangebote vermitteln.
Als Vorbild nennt Luhmann Großbritannien. Dort gibt es das sogenannte "Social Prescribing". Ärztinnen und Ärzte können neben medizinischen Behandlungen auch soziale Aktivitäten empfehlen. Speziell geschulte Fachkräfte helfen anschließend dabei, passende Angebote zu finden.
Das Altern bringt viele Herausforderungen mit sich. In einer Senioren-WG kann man diese gemeinsam angehen. Professor Dietrich Grönemeyer hat ein besonderes Wohnprojekt besucht und mit den Menschen gesprochen.
14.08.2026 | 5:14 minWas Städte und Gemeinden gegen soziale Isolation tun können
Auch Kommunen können einen wichtigen Beitrag leisten. Sie schaffen Begegnungsorte, fördern Vereine und vernetzen soziale Initiativen.
Laut Luhmann entstehen in Deutschland zunehmend kommunale Strategien gegen Einsamkeit. So verfügt etwa Dortmund über eine Einsamkeitsbeauftragte, genauso wie der Berliner Bezirk Reinickendorf und die Gemeinde Mühlenbecker Land. Die Stadt Willich hat 2026 sogar ein "Jahr der Einsamkeit" ausgerufen und verschiedene Projekte gestartet.
Viele Menschen sind von Einsamkeit betroffen. In Hamburg bietet ein kostenloses Café gegen Einsamkeit Austausch und Gemeinschaft.
25.06.2026 | 2:41 minDarüber hinaus bieten viele Seniorenbüros, Wohlfahrtsverbände und Kirchengemeinden Besuchsdienste, Telefonangebote oder Nachbarschaftshilfen an, insbesondere für ältere Menschen mit eingeschränkter Mobilität.
Ich sehe Einsamkeit als gesamtgesellschaftliche Herausforderung.
Maike Luhmann, Psychologin
Ehrenamtliches Engagement spiele deshalb eine zentrale Rolle, um Isolation im Alter entgegenzuwirken.
- Silbernetz - Telefon: 0800 - 4708090
- Telefon-Engel - Retla e.V.
- Malteser Besuchsdienst
- BAGSO - Angebote für ältere Menschen
Christina-Maria Pfersdorf ist Redakteurin der ZDF-Sendung "Volle Kanne - Service täglich".
In Deutschland gibt es immer mehr Single-Haushalte. Außerdem nimmt das Gefühl von Einsamkeit mit steigendem Alter zu. Mit besonderen Maßnahmen soll dem entgegengewirkt werden.
18.12.2025 | 2:52 minMehr zum Thema Altern und Einsamkeit
WG mit der eigenen Oma:"Es hat ihr gutgetan und hat für mich auch funktioniert"
von Liza Fresnaymit Video27:04Altwerden in Deutschland:Gesund bleiben bis ins hohe Alter
von Christina-Maria Pfersdorfmit Video5:51Altwerden in Deutschland:Neue Lebensformen und Wege in der Pflege
von Christina-Maria Pfersdorfmit Video5:14Angaben der WHO:Einsamkeit macht viele Menschen krank
Weitere Gesundheits-Themen
Tanzen im Alter:Wie Bewegung zur Musik die Gesundheit fördern kann
von Valentina Kurscheidmit Video3:19Schlafstörung in der Lebensmitte:Midlife-Sleep-Crisis erkennen und bewältigen
von Julia Zipfelmit Video4:28