Forschung zur Darm-Hirn-Achse:Wie Bauch und Psyche zusammenhängen
von Anni Brück
Darm und Gehirn sind eng miteinander verbunden. Wie beide Organe kommunizieren, welchen Einfluss das auf die psychische Gesundheit hat und welche Rolle das Mikrobiom dabei spielt.
Kann der Darm die Psyche beeinflussen und umgekehrt? Was die Forschung zur Darm-Hirn-Achse weiß und welche Fragen noch offen sind.
31.07.2026 | 5:11 minLange galt der Darm nur als Verdauungsorgan. Doch längst wird er auch als "zweites Gehirn" bezeichnet, denn er besitzt ein eigenes Nervensystem, das viele Verdauungsprozesse selbstständig steuert.
Zudem wissen Forscher heute: Über die Darm-Hirn-Achse steht der Darm in ständigem Austausch mit dem Gehirn. Beide Organe kommunizieren über den zehnten Gehirnnerv, den Vagusnerv miteinander sowie über Hormone und Botenstoffe.
Der Darm ist ein echtes Multitalent. Wie er funktioniert und warum er für die Gesundheit so wichtig ist.
30.12.2025 | 5:15 minDie Rolle des Mikrobioms im Darm
Das Mikrobiom ist ein wichtiger Vermittler zwischen Darm und Gehirn. Es besteht aus bis zu 100 Billionen Mikroorganismen, die die Verdauung unterstützen, Krankheitserreger abwehren und Stoffe bilden, die die Kommunikation zwischen Darm und Gehirn beeinflussen können.
Faktoren wie Ernährung, Rauchen oder Stress können das Mikrobiom verändern. Welche Auswirkungen das auf den Körper hat, beschäftigt Forschende. Einige Erkrankungen werden mit Veränderungen im Mikrobiom in Zusammenhang gebracht, erklärt Internistin Anne Thomann von der Universitätsmedizin Mannheim.
Bei Menschen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen und psychischen Erkrankungen zum Beispiel wurden Veränderungen des Mikrobioms beobachtet.
Priv. Doz. Dr. Anne Thomann, Internistin mit Schwerpunkt Gastroenterologie
Ob das veränderte Mikrobiom die Ursache oder aber die Folge dieser Erkrankungen ist, wird weiter erforscht.
Der Darm produziert den größten Teil des körpereigenen Serotonins. Der Stoff ist mehr als nur das weithin bekannte "Glückshormon". Wissenschaftlich betrachtet ist Serotonin vor allem ein Botenstoff und Gewebshormon, das im Körper unterschiedliche Aufgaben erfüllt. Im Darm reguliert es unter anderem die Darmbewegung und ist an der Steuerung von Immunprozessen beteiligt.
Das im Darm gebildete Serotonin gelangt jedoch nicht in das Gehirn, da es die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden kann. Für die Bildung von Serotonin im Gehirn ist die Aminosäure Tryptophan entscheidend. Sie wird über die Nahrung aufgenommen und gelangt über den Darm ins Blut und weiter in das Gehirn. Dort dient sie als Ausgangsstoff für die Serotoninproduktion.
Ein verändertes Mikrobiom kann den Tryptophan-Stoffwechsel beeinflussen. Dadurch könnte weniger Tryptophan für die Serotoninbildung im Gehirn zur Verfügung stehen. Ob und in welchem Ausmaß dies zu psychischen Beschwerden beiträgt, ist noch Gegenstand der Forschung.
Gesundes Mikrobiom entsteht in der Kindheit
Ein vielfältiges und ausgewogenes Mikrobiom ist wichtig für die Gesundheit. Es beeinflusst die Entwicklung und Regulation des Immunsystems, indem Mikroorganismen mit Immunzellen im Darm interagieren. Dadurch lernt die körpereigene Abwehr, zwischen harmlosen Stoffen und Krankheitserregern zu unterscheiden.
Der Grundstein für ein gesundes Mikrobiom wird in der Kindheit gelegt. Die häufige Einnahme von Antibiotika oder eine unausgewogene Ernährung können diese Entwicklung stören. Dadurch kann sich die Zusammensetzung des Mikrobioms verändern, was Auswirkungen auf die Darm-Hirn-Achse haben kann.
Experten gehen der Frage nach, welchen Einfluss das Mikrobiom auf Darmkrebs hat und welche Rolle das Mikrobiom bei der Therapie von Darmkrebspatienten spielt.
04.03.2026 | 5:03 minWie Stress den Darm beeinflusst
Dass Stress den Darm beeinflusst, zeigt die enge Verbindung zwischen Darm und Gehirn. Bei Stress schüttet der Körper Stresshormone wie Cortisol aus. Gleichzeitig aktiviert das Gehirn einen Teil des Nervensystems, das den Körper in Alarmbereitschaft bringt. Dadurch kann sich die Darmbewegung verändern: Manche Menschen bekommen Durchfall, andere haben Verstopfung.
Im Tiermodell wurde bereits nachgewiesen, dass chronischer Stress die Darmfunktion langfristig stören kann.
Chronischer Stress bei Mäusen führt dazu, dass sich das Mikrobiom verändert und die Darmbarriere geschwächt wird.
Priv. Doz. Dr. Anne Thomann, Internistin
In der Folge können Stoffe aus dem Darm leichter in den Körper gelangen und Immunreaktionen auslösen, was Entzündungsprozesse begünstigen kann. Diese Zusammenhänge werden auch beim Menschen erforscht.
Darm und Psyche: Ein wechselseitiges Zusammenspiel
Menschen mit Depressionen weisen häufig Veränderungen im Mikrobiom des Darms auf. Dazu gehören eine geringere Vielfalt bestimmter nützlicher Bakterien, aber auch Veränderungen bei Bakterien, die entzündungsrelevante Stoffwechselprodukte bilden.
Depressionen sind oft nur schwer zu behandeln. Forschende suchen daher nach neuen individuellen Möglichkeiten zu Diagnose und Therapie.
21.10.2025 | 5:33 minUm den Zusammenhang zwischen Darm und Psyche besser zu verstehen, untersuchen Forschende auch das Mikrobiom von Menschen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Auch hier finden sich veränderte Muster im Mikrobiom. Zudem ist bei Betroffenen das Risiko für psychische Beschwerden erhöht, sagt Anne Thomann.
Menschen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen leiden etwa zwei- bis dreimal häufiger an Angststörungen und Depressionen.
Priv. Doz. Dr. Anne Thomann, Universitätsmedizin Mannheim
In Studien durchgeführte Untersuchungen zeigen zudem Veränderungen im Gehirn von Menschen mit CED. Die Befunde bestätigen die Zusammenhänge zwischen Darm und Gehirn. Doch welche Prozesse Ursache und welche Folge sind, ist noch unklar. Forschende versuchen, diese Mechanismen zu verstehen, um neue Behandlungsmöglichkeiten zu entwickeln.
Morbus Crohn ist eine chronisch entzündliche Darmerkrankung. Die Symptome können das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen. Was ihnen helfen kann.
19.05.2026 | 3:50 minWichtiger Hinweis in eigener Sache
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