Fristen und Pflichten:Erbe: Was bei Erbschaftssteuer, Erbschein und Co. gilt
von Ida Meyer
Mit dem Tod eines Angehörigen beginnt nicht nur die Zeit der Trauer. Auch rechtliche und finanzielle Angelegenheiten müssen geregelt werden. Welche Schritte jetzt wichtig sind.
Ein Erbfall bringt oft nicht nur Trauer, sondern auch viele rechtliche und finanzielle Fragen mit sich. Wer die wichtigsten Regeln kennt, kann Fehler vermeiden und den Nachlass sicher regeln.
04.11.2026 | 1:03 minStirbt ein Angehöriger, steht an erster Stelle die Trauer. Daneben müssen die Erben aber auch schnell wichtige rechtliche und finanzielle Fragen klären. Denn mit dem Erbfall laufen automatisch Fristen. Wer diese verpasst, kann später vor unangenehmen Situationen stehen. Was ist also zu tun? Ein Überblick.
Sterbeurkunde und Bestattung organisieren
Der Tod ist unverzüglich, spätestens am dritten Werktag danach, beim Standesamt des Sterbeortes anzuzeigen - meist übernimmt dies das Krankenhaus, Pflegeheim oder Bestattungsunternehmen. Das Standesamt stellt dann die Sterbeurkunde aus, die für fast alle weiteren Schritte benötigt wird.
Eine Beerdigung ist ein trauriger Anlass - dennoch ist die Planung der Trauerfeier wichtig. Bestatterin Juliane Frankenheim erklärt, worauf man achten sollte.
21.11.2025 | 6:03 minDie Kosten für die Beerdigung trägt grundsätzlich der Erbe. Sollte der Nachlass nicht ausreichen, springen unter Umständen unterhaltspflichtige Angehörige oder das Sozialamt ein.
Erbe ausschlagen oder annehmen?
Wer erbt, wird nicht automatisch reich. Zum Nachlass gehören auch Schulden, für die man als Erbe in der Regel persönlich haftet. Erben haben ab der Kenntnis des Erbfalls sechs Wochen Zeit, um das Erbe gegebenenfalls auszuschlagen.
Wer nichts unternimmt, gilt danach automatisch als Erbe mit allen damit verbundenen Rechten und Pflichten. Daher lohnt sich ein genauer Überblick über das Vermögen und die Verbindlichkeiten.
Wer das Erbe nicht ausschlagen, die Haftung aber begrenzen will, kann eine Nachlassverwaltung oder - bei überschuldetem Nachlass - eine Nachlassinsolvenz beantragen.
Wann ein Erbschein erforderlich ist
Für viele Behördengänge, etwa bei Banken oder beim Grundbuchamt, wird ein Nachweis der Erbenstellung verlangt. Dies kann der Erbschein sein, der beim Nachlassgericht beantragt wird und für den Gebühren anfallen. Das Nachlassgericht ist üblicherweise das Amtsgericht des Ortes, in dem der Verstorbene zuletzt gelebt hat.
Nicht notwendig ist der Erbschein, wenn ein notarielles Testament oder ein Erbvertrag vorliegen.
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10.08.2026 | 1:59 minWas bei einer Erbengemeinschaft zu beachten ist
Wenn mehrere Personen erben, entsteht automatisch eine sogenannte Erbengemeinschaft. In einer Erbengemeinschaft müssen Entscheidungen über den Nachlass gemeinsam getroffen werden.
In der Praxis führt das häufig zu Streit, etwa bei geerbten Immobilien. Daher ist eine einvernehmliche Auseinandersetzung, gegebenenfalls auch mit rechtlicher Unterstützung, hilfreich und ratsam, um Streit zwischen den Erben zu vermeiden.
Es ist denkbar, dass nahe Angehörige, etwa Kinder oder Ehepartner, in einem Testament nicht bedacht werden. In einem solchen Fall können sie aber den sogenannten Pflichtteil verlangen. Er besteht in der Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils. Der Pflichtteil wird nicht automatisch ausgezahlt, die Anspruchsberechtigten müssen ihn aktiv einfordern.
Erbschaftssteuer und Freibetrag
Der Erwerb des Erbes muss innerhalb von drei Monaten dem Finanzamt angezeigt werden. Ob und in welcher Höhe Erbschaftsteuer anfällt, hängt vom Verwandtschaftsgrad und den damit verbundenen Freibeträgen ab. Ehepartner und Kinder haben deutlich höhere Freibeträge als zum Beispiel Geschwister.
Auch innerhalb des Freibetrags sollte man den Erwerb dem Finanzamt melden, da es eigenständig prüft, ob und wie viel Erbschaftsteuer gezahlt werden muss.
Die Erbschaft- und Schenkungsteuer erreichte 2025 mit 21,4 Milliarden Euro einen neuen Rekordwert. Das waren 60,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Grund waren vor allem große Vermögensübertragungen.
26.08.2026 | 0:29 minErbrecht: Wann anwaltliche Hilfe sinnvoll ist
Bei einfachen Nachlässen ist oft der Gang zum Nachlassgericht ausreichend. Wird es komplizierter, lohnt sich oft ein Fachanwalt oder eine Fachanwältin für Erbrecht - beispielsweise, wenn es eine Erbengemeinschaft gibt oder bei großen Vermögen mit verschiedenen Bestandteilen, etwa Immobilien und Aktien.
Anwaltliche Hilfe kann vor allem auch in internationalen Konstellationen sinnvoll sein: Wenn der Verstorbene zum Beispiel im Ausland gelebt hat, ist es gut möglich, dass das Erbrecht des entsprechenden Staates zur Anwendung kommt.
In jedem Fall gilt: Wer die notwendigen Schritte kennt, kann leichter auch in dieser emotional schwierigen Phase den Überblick behalten.
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