Freundlichkeit im Alltag: Kleine Gesten mit großer Wirkung

Kleine Gesten für ein nettes Miteinander:Wie wir mehr Freundlichkeit in den Alltag bringen

von Victor Scholz

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"Der Ton wird rauer", das hört man immer öfter. Es scheint, als würden wir an Freundlichkeit im Umgang verlieren. Wie man dem entgegenwirkt und auch selbst davon profitiert.

Ein Reporter überreicht einem älteren Ehepaar eine Rose.

Sind Freundlichkeit und Aufmerksamkeit im Alltag seltener geworden? Komplimente, Blumen oder kleine Geschenke können den Tag verschönern. Doch wie kommen solche Gesten bei Fremden an?

15.10.2026 | 3:15 min

Jemand drängelt, ein anderer schimpft: Solche Begegnungen können den Alltag negativ prägen. Umso wohltuender ist es, wenn jemand freundlich grüßt oder eine Tür aufhält. Dafür braucht es weder einen besonderen Anlass noch eine aufwendige Idee.

Ein Kompliment im Vorbeigehen oder Hilfe im Alltag: Doch wie schenkt man Aufmerksamkeit, ohne Grenzen zu überschreiten? Entscheidend sei, aufmerksam hinzusehen, erklärt Linda Kaiser, stellvertretende Vorsitzende der Deutschen-Knigge-Gesellschaft. Was braucht mein Gegenüber gerade? Und welche Geste würde ich selbst in dieser Situation schätzen?

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Kleine Gesten, die in den Alltag passen

Wer anderen eine Freude machen möchte, müsse nicht viel Zeit investieren, so Kaiser. Schon ein Tagesgruß im Vorbeigehen oder der Vortritt an der Supermarktkasse könne etwas bewirken. Es tue uns gut, wenn wir uns wahrgenommen fühlen, vor allem mitten in anonymen Menschenmassen.

Wir können anderen Menschen auch Aufmerksamkeit schenken, indem wir zuhören. Es gehe um kleine Momente, die sich ohne Vorbereitung ergeben. Dabei sollte die Freundlichkeit aufrichtig sein. Ein Lächeln unterstreiche die Geste, erklärt die Expertin. Da jede positive Interaktion unser Belohnungssystem aktiviert, kann man so nicht nur für andere, sondern auch für sich selbst kleine Glücksmomente kreieren.

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Erst fragen, dann Hilfe anbieten

Gut gemeinte Hilfe passt nicht automatisch zu dem, was jemand benötigt. Hat eine Person etwa Schwierigkeiten, in Bus oder Bahn einzusteigen, solle man zunächst fragen, ob Unterstützung erwünscht sei, rät Kaiser, auch um zu klären, wie diese aussehen könne.

Kaiser betont, dass man andere auch bei einer freundlichen Geste nicht ungefragt berühren sollte. Das heißt: kein Griff an die Schulter oder das Handgelenk ohne Einverständnis. Ebenso sollte man nicht ungefragt Tasche oder Koffer der Person berühren.

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14.10.2026 | 3:18 min

Aus der Gefälligkeit darf sich kein Anspruch ableiten

Auch nach einer Gefälligkeit bleibt es dem Gegenüber überlassen, seiner Wege zu gehen. Wer beispielsweise jemanden an der Kasse vorlasse, dürfe daraus keinen Anspruch auf ein Gespräch ableiten. Ein Dank oder längerer Austausch sollte nicht das Ziel einer freundlichen Geste sein.

Zwischen Fremden sollte niemals die Forderung nach einer Gegenleistung im Raum stehen.

Linda Kaiser, stellvertretende Vorsitzende der Deutschen-Knigge-Gesellschaft

Komplimente kurz und unverfänglich halten

Eine schöne Jacke oder eine gelungene Frisur: Solche kleinen, unverbindlichen Komplimente könnten einen Smalltalk eröffnen, sagt Kaiser. Wichtig sei, es bei der Bemerkung zu belassen. Die Frisur ausführlich zu analysieren oder gleich das gesamte Outfit zu kommentieren, gehe deutlich zu weit.

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Die Expertin empfiehlt, zunächst Blickkontakt aufzunehmen und dann zu sprechen. Dabei solle man Abstand halten; sie nennt zwei Armlängen als Orientierung. Nach der ersten Reaktion könne man sich wieder den eigenen Angelegenheiten zuwenden. Entwickle sich ein Gespräch, sollte es höflich und unverbindlich bleiben. Gerade Männern rät Kaiser, Frauen gegenüber besonders sensibel vorzugehen und gegebenenfalls vorher zu fragen, ob ein Kompliment willkommen sei.

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Ein Nein akzeptieren, Rückzug zulassen

Weicht jemand zurück oder reagiert abweisend, sei das ein Signal, die Annäherung sofort zu beenden und sich zu entschuldigen, so Kaiser. Mit "Ich habe es nur gut gemeint" nachzusetzen, helfe nicht. Auch eine deutliche Absage gelte es gelassen anzunehmen.

Freundlichkeit bedeutet damit auch, Zurückhaltung zu üben. Nach Kaisers Einschätzung sind wir etwas aus der Übung, höfliche Gesten ohne Misstrauen anzunehmen. Ihr Rat: selbst mit gutem Beispiel vorangehen. Eine offene Tür, ein Gruß, ein freundlicher Moment können ein Anfang sein.

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20.05.2026 | 3:04 min

Über dieses Thema berichtete das ZDF in der Sendung "Volle Kanne" am 15.10.2026, ab 09:05 Uhr.

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