Social Media für Kinder und Jugendliche:TikTok & Co.: Warum Medienkompetenz mehr bringt als Verbote
von Cornelia Petereit
Zwischen Challenges, Likes und Algorithmen: Medienpädagogin Kristin Langer erklärt, warum Kompetenzen und klare Regeln für Kinder und Jugendliche wichtiger sein können als Verbote.
Stundenlanger Social‑Media‑Konsum und gefährliche Challenges: Jugendliche stoßen online auf viele Risiken. Medienpädagogin Kristin Langer erklärt, wie man den Online‑Alltag sinnvoll begrenzt.
15.09.2026 | 6:41 minSoziale Medien wie TikTok bieten Unterhaltung und Austausch, bergen für Kinder und Jugendliche aber auch Risiken durch gefährliche Challenges oder manipulative Inhalte, erklärt Medienpädagogin Kristin Langer von der Medieninitiative "SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht."
Warum Verbote sozialer Medien nicht helfen
Kinder und Jugendliche müssten Selbstregulierung erlernen und Medienkompetenz erwerben, erklärt Langer.
Rigide Verbote von Handys und sozialen Medien bringen uns in der Familie nicht weiter.
Kristin Langer, Mediencoachin bei "SCHAU HIN!"
Zwar sei es vor allem für Jüngere schwer zu verstehen, dass Algorithmen oder Kaufanreize im Hintergrund von Apps das User-Verhalten steuern. Doch Kinder und Jugendliche müssten herausfinden, wie sie dem Automatismus widerstehen können, so Langer.
Diese Fähigkeit könne in unterschiedlichen Bereichen trainiert werden, damit "Heranwachsende sie schließlich auch im Umgang mit sozialen Medien anwenden können".
TikTok nutzt einen Algorithmus, der sich stark am Nutzerverhalten orientiert. Das kann vor allem bei jungen Menschen mit psychischen Erkrankungen Risiken bergen.
25.06.2025 | 5:41 minHandyregeln an Schulen statt pauschaler Verbote
Schulen seien ein idealer Raum, klare und altersgerechte Regeln gemeinsam zu erarbeiten, betont Langer: "Wann, wo und wofür dürfen Smartphones benutzt werden?"
In den Klassen fünf und sechs sei eine grundlegende Wissensvermittlung nötig, beispielsweise zum Umgang mit persönlichen Daten.
Außerdem sollte festgelegt werden, was in einen Klassenchat gehöre, welches Verhalten bei Konflikten erforderlich sei und welche Risiken es beim Posten von persönlichen Daten oder Bildern gebe.
Bundesbildungsministerin Prien will auch Messenger regulieren. Der Deutsche Lehrerverband hält ein Verbot für unrealistisch. Anlass der Debatte sind Probleme wie Mobbing-Fälle in Klassenchats.
20.03.2026 | 0:31 minWarum soziale Medien für Jugendliche wichtig sind
Soziale Medien erfüllen für Kinder und Jugendliche wichtige Bedürfnisse, meint Langer: "Sie können dort kreativ sein und erleben, dass sie wahrgenommen werden." Hinzu komme der Austausch mit Gleichaltrigen in einer Community.
Menschen wollen einfach zu einer Gruppe dazugehören und mitreden können.
Kristin Langer, Medienpädagogin
Zugleich müssten Kinder und Jugendliche wissen, dass hinter vielen Angeboten wirtschaftliche Interessen und inszenierte Scheinwelten stünden. Gerade Jüngere könnten noch nicht einordnen, dass ihre Helden in den sozialen Medien mit Likes und Followern Geld verdienen, erklärt Langer.
Außerdem sei es für Eltern wichtig, sich zu informieren, welche Inhalte ihre Kinder nutzen und was sie daran reize. Nur wer in der Lage sei, Inhalte auf digitalen Plattformen zu hinterfragen, könne eigenverantwortlich entscheiden, wie die Inhalte der sozialen Medien zu den eigenen Werten passen.
Viele 14- bis 17-Jährige wünschen sich, ohne Social Media aufgewachsen zu sein. Zwischen Spaß und Stress wächst die Kritik der jungen Menschen. Ebenso der Wunsch, in Debatten gehört zu werden.
15.07.2026 | 2:21 minWas Challenges auf TikTok für Jugendliche reizvoll macht
Die Neugier an Challenges sei altersbedingt, erklärt Langer. Der Reiz bestehe für manche Jugendliche darin, "sich selber einem Thrill auszusetzen und Verbotenes auszuprobieren". Manche seien gefestigt genug, gefährliche Aktionen abzulehnen, andere gerieten stärker unter den Druck des Wettbewerbs.
Erwachsene sollten Challenges trotzdem nicht pauschal verteufeln, sondern mit Jugendlichen darüber sprechen, "welche Challenges okay sind, welche nicht - und warum nicht".
Was oft harmlos beginnt, kann schnell kippen. Eine Studie zeigt, dass etwa ein Drittel der TikTok-Challenges als riskant gilt, einige sind gar lebensgefährlich.
15.09.2026 | 28:32 minZwischen Likes und Verantwortung
Allerdings räumt Langer ein, "dass die digitale Welt sowie die Bilderwelt insgesamt extremer in Darstellung und Kommentierung geworden ist". Ziel in der Medienerziehung sei es deshalb, dass Heranwachsende lernen, Inhalte zu filtern und sich fragen: "Wenn ich das jetzt poste, welche Wirkung hat das auf andere?" Diese Verantwortung müsse jeder User übernehmen.
Medienexperten wie Kristin Langer von "SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht" befürchten, dass Künstliche Intelligenz die Wirkung problematischer Inhalte noch verstärken kann. Bilder und Videos würden mitunter immer stärker darauf getrimmt, Aufmerksamkeit zu erzeugen.
Häufig lasse sich für einen Laien kaum noch erkennen, ob sie bearbeitet wurden. Dadurch könnten täuschend echt aussehende Personen oder Situationen kreiert werden, die es in der Realität gar nicht gebe.
Langer sieht auch eine wachsende Gefahr darin, unrealistischen Vorbildern oder Challenges zu folgen. So könnten Jugendliche sich minderwertig oder als Verlierer fühlen, wenn sie einen Lebensstil nicht erreichen oder eine vermeintliche Herausforderung nicht meistern.
Kinder stoßen in sozialen Medien früh auf Pornografie - oft unbeabsichtigt. Was macht das mit ihnen und wie können Familien damit umgehen?
02.06.2026 | 43:36 minWie Kinder Medienkompetenz lernen können
Als wichtigsten Baustein nennt Medienpädagogin Kristin Langer: "Wissen aneignen." Hilfreich sei es, wenn Eltern ihren Kindern erklären könnten, dass soziale Medien mit Algorithmen arbeiten - und warum.
Als nächsten Schritt empfiehlt Langer, mit den Heranwachsenden herauszuarbeiten: "Wie kann ich diesen Mechanismus für mich stoppen? Was muss ich dafür tun?"
- Smartphonefreie Zeit am Esstisch, bei Hausaufgaben, vor dem Einschlafen
- Möglichst keine Bildschirmzeit für Kinder unter drei Jahren
- Medienzeit für Vier- bis Fünfjährige höchstens 30 Minuten am Tag
- Jugendschutzoptionen an Smartphones, Spielkonsole oder PC aktivieren
- App-Store vor der Nutzung mit Passwort sichern
- Altersbegrenzungen bei sozialen Medien, Spielen und Filmen (USK oder FSK) beachten
- Smartphone oder Computer gemeinsam mit den Kindern einrichten
Quelle: "SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht"
Der Algorithmus entscheidet, was Nutzern auf Social Media angezeigt wird - und was nicht. Wie Algorithmen funktionieren.
18.02.2026 | 1:31 minAußerdem empfiehlt Mediencoachin Kristin Langer, dass Eltern gemeinsam mit ihren Kindern altersgerechte Handy-Regeln erarbeiten.
Schließlich legt sie Eltern ans Herz, ihre Vorbildfunktion wahrzunehmen: "Kinder ahmen nach, wie Erwachsene im Alltag mit dem Smartphone umgehen."
Cornelia Petereit ist Redakteurin der ZDF-Sendung "Volle Kanne - Service täglich".
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