Die Kunst des Pilzesammelns:Wo man essbare Pilze findet und wie man sie erkennt
von Burkart Jope
Im Wald warten Steinpilze, Maronen, Pfifferlinge und andere Pilze, die weniger bekannt, aber sehr schmackhaft sind. Worauf es beim Sammeln ankommt, weiß Pilz-Coach Moritz Schmid.
"Pilzfluencer" Moritz Schmid hat sein Glück im Wald gefunden. Ursprünglich hat er Models fotografiert, jetzt fotografiert er Pilze. Schmid erklärt, was die Faszination für Pilze ausmacht.
21.09.2026 | 3:04 minDie Blätter sind bunt und kleine, runde Hüte sprießen aus dem Boden: Es ist Pilzsaison. Moritz Schmid, Pilz-Coach der deutschen Gesellschaft für Mykologie, versteht sich als Botschafter der für ihn "wichtigsten Organismen auf der Welt".
Pilze erst verstehen, dann sammeln
Weltweit gibt es unglaubliche 3,8 Millionen Pilzarten. Allein für Deutschland zählt man über 14.000 bekannte Sorten. Aber nur etwa 200 Arten gelten als gute Speisepilze. Will man diese Sorten wie Steinpilze, Maronen, Pfifferlinge oder Espenrotkappen erfolgreich suchen, dann müsse man sie und die Natur begreifen, so der Pilz-Coach. "Ahnung vom Wald, von Bäumen und von Pflanzen zu haben, das ist definitiv ein Gamechanger", sagt Schmid.
Wie erkennt man bei Pilzesammeln, welche Pilze essbar sind und was gibt es zu beachten? Pilzexperte Moritz Schmid ordnet ein.
21.09.2026 | 10:32 minPilze sind Symbiose-Künstler. Sie leben wie in einer Ehe mit bestimmten Pflanzen und profitieren voneinander. Wer Fichten, Kiefern, Eichen, Buchen, Birken oder Espen voneinander unterscheiden kann, wird schneller Pilze finden. Viele Pilzarten sind nämlich eng an bestimmte Baumarten gebunden. In nitratreichen Böden dagegen, wo etwa Brennnesseln oder Springkräuter wachsen, wird man keine Pilze finden.
Gefährliche Mythen über Pilze
Pilz-Coach Moritz Schmid widerlegt: Von wegen, tödliche Pilze wie der Knollenblätterpilz schmecken oft mild und angenehm.
Moritz Schmid widerspricht: Auf keinen Fall, Schnecken, Insekten oder andere Tiere vertragen Gifte, die für Menschen tödlich sind.
Laut Moritz Schmid ist dies frei erfunden. Giftige Pilze verfärben Silber im Topf nicht.
Schnell wachsend, aber beständig in der Platzwahl
Nicht umsonst heißt es: "Wie die Pilze aus dem Boden schießen". Das Wachstum der Pilze ist enorm. Nach einem Regen drängen sie oft innerhalb weniger Stunden an die Oberfläche. Deshalb lohnt es sich, beim Sammeln erfolgversprechende Stellen mehrfach anzulaufen.
Biologe Dr. Schädler untersucht das, was unter unseren Füßen so los ist. Er sagt: Die höchstmögliche Biodiversität auf der Erde findet man im Boden. Es dominieren vor allem Pilze.
23.05.2026 | 2:38 minHat man einen Platz mit Pilzen gefunden, sollte man sich diesen merken. Da Pilze in Symbiose mit Pflanzen leben, wachsen sie fast immer an der gleichen Stelle und das Jahr für Jahr am gleichen Platz im gleichen Wald, erklärt der Pilz-Coach.
Es ist immer gut, in den Wald zu gehen, da findet man nicht nur Pilze, sondern auch Glück.
Moritz Schmid, Pilz-Coach der deutschen Gesellschaft für Mykologie
Goldene Regeln beim Pilzesammeln
Es ist nicht nur wichtig, welche Pilze man sammelt, sondern auch wie. Pilze sollten immer mit einem Messer abgeschnitten und nicht herausgerissen werden, um das Myzel im Boden nicht zu beschädigen.
Pilze niemals in Plastiktüten sammeln, da sich unter Luftabschluss die Eiweißzersetzung beschleunigt. In Tüten oder Rucksäcken zerquetschen die Pilze sehr schnell. Stattdessen lieber ein klassisches Pilzkörbchen mitnehmen.
Rund 14.000 Pilzarten gibt es in Deutschland - doch nur etwa 5.000 davon sind sichtbar. Und nicht alle gehören in den Kochtopf. Zwischen Steinpilz und Gifttrichterling liegen oft nur kleine Unterschiede.
04.11.2025 | 3:11 minWahllos alle Pilze zu sammeln, ist Unsinn. "Es gilt die Handstraußregel und gesunder Menschenverstand. Alles, was ich frisch verarbeiten kann. Klasse statt Masse", so der Pilz-Experte.
Junge Pilze lässt man stehen und in Ruhe weiterwachsen. Sie zu sammeln ist gefährlich, da sie oft sehr schwer zu bestimmen sind. Alte Pilze rührt man nicht an. "Alte Pilze schmecken nicht mehr, man verspeist ja auch keine alte Kuh", sagt Moritz Schmid.
Bestimmung: Die Guten ins Töpfchen
Man erkennt Pilze nicht an einzelnen Merkmalen oder einfachen Faustregeln, sondern nur durch eine genaue Bestimmung aller Merkmale. Auch Apps oder Bücher reichen nicht aus, da viele giftige Doppelgänger essbaren Pilzen sehr ähnlich sind. Der Pilz-Coach warnt: "Apps identifizieren einen Pilz anhand eines Fotos, und wenn es dabei um dein Leben geht, ist ein Foto definitiv zu wenig."
Der junge Pilzexperte Tristan Jurisch kennt Sachsens Wälder wie kaum ein anderer - vor allem ihre Pilze. Auf Social Media gibt er Tipps für ein sicheres und erfolgreiches Pilzesammeln.
03.09.2025 | 5:03 minPilze lassen sich nicht nur im Herbst finden
Pilze wachsen beinahe das ganze Jahr. Wer im Frühling oder Winter nach ihnen sucht, wird zwar manch ungläubigen Blick von Spaziergängern ernten, aber dafür außer Konkurrenz die herrlichsten Speisepilze finden, wie zum Beispiel Schopftintlinge, Morcheln oder Maipilze. "Meine Saison beginnt im März und endet nach dem ersten Frost. Nur im kältesten Winter, da wächst nichts", sagt Schmid.
Neben den klassischen, bekannten Sorten gibt es die wenig bekannten und völlig unterschätzte Pilze, die für Geschmacksexplosionen sorgen können wie der gelbe Schwefelporling, auch "Chicken of the Woods" genannt. Er ist im Geschmack fein-würzig, hat eine faserige Konsistenz, die stark an Hühnchenfleisch erinnert, und kann locker das Fleisch auf dem Teller ersetzen.
Der Porling wächst an Bäumen. An Kirsch- oder Apfelbäumen sowie an Weiden gefunden ist er besonders schmackhaft. Wächst er an Eichen, schmeckt er allerdings bitter und ist ungenießbar.
Auch der Edel-Reizker, oft zu finden an Kiefern, besticht durch beste Konsistenz und knackigen Biss. In der Pfanne gebraten entwickelt er ein nussig-würziges Aroma.
Speisepilz Nummer eins ist für Pilz-Coach Moritz Schmid der Edel-Reizker - auch wenn es eine kleine Nebenwirkung gibt: "Der Urin ist nach dem Essen rötlich verfärbt. Das ist allerdings harmlos und kein Zeichen einer Vergiftung."
In diesem Sinne: Ab in die Pilze - suchen, sammeln und dabei im Wald glücklich werden!
Burkart Jope ist Redakteur der ZDF-Sendung "Volle Kanne - Service täglich".
Über 400 Teilnehmer nahmen im italienischen Cerreto Laghi an der zwölften Pilz-Weltmeisterschaft teil. Dabei gilt: Qualität vor Quantität - der schönste Pilz gewinnt.
05.10.2026 | 0:19 minLassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen.
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