In der Beziehung bleiben oder gehen?:Trenne ich mich? So geht gutes Schlussmachen
von Daria Eva Stanco
Wo einst Schmetterlinge im Bauch waren, ist nun ein ungutes Gefühl? Was man tun kann, wenn man sich der Beziehung nicht mehr sicher ist und warum eine Trennung nicht das Ende ist.
Eine Trennung ist vor allem nach langer Beziehung keine leichte Entscheidung. Wie man herausfindet, ob Schlussmachen das Richtige ist.
Quelle: ZoonarMan war verliebt, wollte mit der Person für immer zusammen sein, hat "Ja" gesagt, möglicherweise eine Familie gegründet. Und jetzt? Fühlt man sich in der Partnerschaft irgendwie nicht mehr wohl und stellt sich die Frage, ob es sich noch lohnt, für diese Liebe zu kämpfen - oder ob man besser geht.
Nach ihrer Trennung - aber noch vor den aktuellen Entwicklungen - sprach Leon Windscheid mit Collien Fernandes in Terra Xplore über Identität, Loslassen und Neubeginn.
16.03.2026 | 43:20 minDieser Zeitraum vor einer möglichen Trennung teilt sich laut Forschenden in zwei Phasen auf. Die präterminale Phase, in der es mit der Beziehungszufriedenheit schleichend, aber stetig bergab geht, kann viele Jahre dauern. Dann kommt ein Wendepunkt und es geht in die terminale Phase: Die Beziehungszufriedenheit sinkt von da an sehr schnell. Doch selbst diese Phase dauert je nach Studie sieben bis 28 Monate - bevor dann tatsächlich Schluss ist.
Gehen oder bleiben? Indizien für die Entscheidung
Doch wie findet man heraus, ob sich eine Rettung noch lohnt? Mit anderen Worten: Wie kann man wissen, ob es einfach nur der schnöde Alltag ist, der einen unglücklich macht, oder tatsächlich die Partnerschaft? Für Paar- und Sexualtherapeutin Nele Sehrt ist die Kernfrage, ob man noch die Bereitschaft habe, etwas für die Beziehung zu tun.
Wir brauchen ja keine glückliche Beziehung. Wir brauchen eine zufriedene Beziehung, wo wir das Gefühl haben, wir können mitbestimmen.
Nele Sehrt, Paar- und Sexualtherapeutin
Sei man kraftlos und habe einfach "keinen Bock mehr", sei das ein Indiz pro Trennung. "Irgendwann fangen wir an zu bilanzieren und dann wird eine Option Trennung und eine eigene Wohnung irgendwie schöner", beschreibt Sehrt den Trennungsimpuls.
Ungleiche Libido ist in Beziehungen eher die Regel als die Ausnahme. Leon Windscheid fragt in Terra Xplore: Was steckt hinter mehr oder weniger Lust - und wie finden Paare zu ihrer Intimität zurück?
02.03.2026 | 43:28 minWarum bleiben wir manchmal in einer Beziehung, auch wenn wir unzufrieden sind? Das Investitionsmodell nach Caryl Rusbult ist ein Erklärungsversuch. Demnach stellen wir uns (bewusst oder unbewusst) folgende Fragen:
- Wie zufrieden bin ich? Überwiegt das Gute oder kostet mich die Beziehung mehr Energie, als sie mir gibt?
- Welche Alternativen habe ich? Könnte ein neues Leben allein oder mit jemand anderem besser für mich sein?
- Was habe ich schon reingesteckt, investiert an Zeit und an Gefühlen? Inwiefern ist mein Umfeld rund um diese Beziehung aufgebaut? Was würde ich alles verlieren?
Trennung - auch wenn man sich liebt?
Es kann helfen, das Thema Trennung und die Liebe als zwei Paar Schuhe zu sehen. "Was ich schön fände im Kontext Trennung ist, dass sich das Verständnis verändert von Liebe, was Liebe ist", sagt Beziehungs-Podcaster Matthias Renger.
Er und seine Podcast-Partnerin Iris Gavric haben sich getrennt, sind aber neben ihrer beruflichen Verbandelung weiterhin eng befreundet: "Ich liebe Iris auch weiterhin. Das bedeutet für mich, ich wünsche mir, dass sie richtig glücklich ist. Und das ist sie in ihrer jetzigen Lebensphase mit jemand anderem viel mehr", sagt Renger.
Nicht lang überlegen, wenn der Vibe stimmt oder sich nur ganz langsam auf jemand anderes einzulassen: Auch in der Generation Z gibt es unterschiedliche Vorstellungen von Liebe.
15.02.2026 | 1:47 minTrennung als gemeinsamer Prozess
Um allerdings wirklich liebevoll Schluss machen zu können, sollte man schon bei den ersten Trennungsgedanken miteinander im Gespräch bleiben: "Ich glaube, der wichtigste Punkt bei einer Trennung ist, die andere Person am Prozess zu beteiligen", bekräftigt Paartherapeutin Sehrt.
Essenziell sei, von sich selbst zu erzählen, zu sagen, was einem an einer Beziehung wichtig ist. "Wenn ich ganz plötzlich sage: 'Übrigens, ich gehe', dann haut einen das erstmal total aus den Latschen", warnt Sehrt.
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15.02.2026 | 1:23 minSchlussmachen bedeutet nicht Scheitern
Um offene Gespräche führen zu können, hilft es, Trennung nicht als das absolute Scheitern zu sehen, sondern eine gelassenere Sichtweise darauf zu entwickeln. "Trennung sollte auch immer eine Option sein", bestätigt Paartherapeutin Sehrt. Denn wenn man unzufrieden ist, man sich in der Beziehung nicht mehr wohlfühlt und der andere nicht angemessen darauf reagiert, "dann muss ich ja irgendwann eine Konsequenz ziehen können."
Neue Perspektive: Trennung als Chance
Trennung kann auch Anreiz für einen Neustart sein und dem persönlichen Wachstum dienen. Psycholog*innen nennen das stressbedingtes Wachstum. Auch Paartherapeutin Nele Sehrt unterstreicht die mitunter positiven Aspekte einer Trennung: Man könne wieder selbstbestimmter sein, faule Kompromisse verlassen und sich als selbstwirksamer erleben, weil man ein neues Leben, das wieder besser zu einem passe, aufbauen könne.
Daria Eva Stanco ist Redakteurin der ZDF-Sendung "Terra Xplore".
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