Sex und Partnerschaft: Warum Lustunterschiede völlig normal sind

Partnerschaft: Wenn einer mehr Sex will:Ungleiche Lust in Beziehungen? Das hilft!

von Daria Eva Stanco

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Ein unterschiedliches Lustniveau ist in Beziehungen eher die Regel als die Ausnahme. Was wirklich hinter dem Verlangen steckt - und wie Paare einen guten Umgang damit finden.

Psychologe Leon Windscheid trifft in Hannover Studentin Johanna

Ungleiche Libido in der Partnertschaft ist keine Seltenheit. Leon Windscheid beleuchtet den Hintergrund und erklärt, wie man in der Beziehung zur Intimität zurückfindet.

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Am Anfang einer Liebesbeziehung wollen beide Partner ständig miteinander intim sein: das Turteltäubchen-Phänomen. Das legt sich - rein biologisch - sobald wir die Beziehung etabliert haben und wir uns des anderen "sicher" sind. Dann kommt der Alltag: Job, Stress, Kinder - schwupps, verschiebt sich die Lust und plötzlich wollen beide unterschiedlich oft Sex. Was hilft?

Beruhigend ist: Auch in einer gesunden Beziehung ist dieses Ungleichgewicht völlig normal. In einer Studie geben nur sechs Prozent der Paare an, das gleiche Lustlevel zu haben. "Willkommen in der Realität", sagt Laura Hatzler, Sexualwissenschaftlerin an der Charité - Universitätsmedizin Berlin. "Das ist bei fast allen Paaren, die es auf der Welt gibt, so."


Ungleiche Lust: Erwartungsdruck ade

Wenn man mal darüber nachdenkt, wäre es auch ziemlicher Zufall, wenn zwei unterschiedliche Personen zeitgleich dieselben Lustempfindungen spüren würden, nur, weil sie ein Paar sind.

Dies im Bewusstsein zu haben, ist bereits der erste Schritt, wie Hatzler bestätigt: "Diesen Zustand erstmal zu akzeptieren und nicht als krankhaft wahrzunehmen, das nimmt schon ganz viel Druck raus."

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Sex in Beziehungen: Es geht nicht um Häufigkeit

Auch die Frage nach der "normalen" Häufigkeit von Sex in Liebesbeziehungen führt in die Irre.

Die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs ist kein Indikator für partnerschaftlich-sexuelle Zufriedenheit.

Dr. Christoph J. Ahlers, Klinischer Sexualpsychologe

Aus der Praxis weiß Sexualpsychologe Christoph J. Ahlers: "Ich habe Paare, die schlafen einmal im Quartal miteinander und wenn ich frage: 'Wie geht es Ihnen so?', sagen sie: 'Super'. Und dann gibt es andere Paare, die schlafen dreimal die Woche miteinander und einer von beiden sagt: 'Das halte ich nicht aus'."

Laut Ahlers belegten solche Aussagen, dass es dabei in der Hauptsache um Selbstwert geht, um ein Gesehenwerden durch den sexuellen Akt. Wichtig sei also nicht die Häufigkeit an sich, sondern zu verstehen: Was bedeutet 'es' für mich (und für meine Partnerperson) - welches Bedürfnis wird durch das Miteinanderschlafen erfüllt? Neben diesem Verständnis hilft es, die Ursachen für die schwankende Lust zu erkennen. Diese können individueller Natur sein, aber auch auf Beziehungsebene liegen oder gar von gesellschaftlichen Faktoren abhängen.

Jasmina Neudecker steht im Vordergrund in einer nachdenklichen Pose. Neben ihr ist eine Grafik zu sehen, die ein verliebtes Paar zeigt, umgeben von schwebenden Herzen.

Welchen Sex braucht es für ein erfülltes Leben? Wann ist Sex gut? Und vor allem: Wie gelingt es, in langjährigen Beziehungen die Lust zu erhalten? Jasmina Neudecker auf Spurensuche.

08.09.2025 | 27:10 min

Keine Lust auf Sex? Das sind mögliche Ursachen




Was tun? Gamechanger Kommunikation

Entscheidend ist, was Paare aus diesem Ungleichgewicht der Lust machen. "Es platzt kein Knoten", stellt Ahlers fest, "sondern es stellt sich heraus, ob die Paare anfangen zu arbeiten." Für diesen Prozess ist es wichtig, miteinander zu sprechen - und das nicht nur einmalig: "Machen Sie einen Jour fixe", empfiehlt der Therapeut. "Sonntags, 16 Uhr zum Kaffeetrinken sprechen wir miteinander übereinander. Wo stehst du? Wo stehe ich?" Wenn das klappt, bekräftigt Ahlers, verändere das alles.

Dabei sei allerdings auch wichtig, wie man miteinander redet. Vorwürfe und Schuldzuweisungen sind fehl am Platz. "Ich spreche über mich und mein Erleben und fordere nicht von dir, etwas zu tun oder zu lassen", so Ahlers.

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Sex-Repertoire: Über das Reden hinaus

Das Reden ist die Basis, aus der dann weitere Schritte erwachsen können - zum Beispiel die Erweiterung der sexuellen Interaktion durch weitere Praktiken. Gerade bei Schmerzen während der Penetration kann laut Sexualwissenschaftlerin Hatzler ein Teufelskreis aus Schmerz und Angst vor dem nächsten Mal entstehen.

"Wenn das Paar aber ein relativ großes Repertoire an Sexualpraktiken hat, dann hat man natürlich eine Möglichkeit, sich auch unabhängig von der Penetration sexuell miteinander zu beschäftigen", so Laura Hatzler. Auch eine offene Beziehung ist eine Option, mit der sich Betroffene auseinandersetzen können.

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Daria Eva Stanco ist Redakteurin der ZDF-Sendung "Terra Xplore".

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