Raus aus den roten Zahlen:Den Dispokredit abbauen und das Schuldenrisiko minimieren
von Alice Schirasi
Mit einem Dispokredit lassen sich finanzielle Engpässe schnell überbrücken. Doch dies ist teuer und kann den Weg in die Schuldenfalle ebnen. So behalten Sie Ihre Finanzen im Blick.
Dispokredite sind teuer und können schnell zur finanziellen Belastung werden. Wie Haushaltsplanung und Umschuldung helfen können, die finanzielle Unabhängigkeit wiederherzustellen.
12.03.2026 | 5:14 minUngeplante Ausgaben wie Autoreparaturen oder eine neue Waschmaschine können dazu führen, dass das vorhandene Geld auf dem Girokonto nicht ausreicht, um Rechnungen zu zahlen. Für solche Fälle bieten viele Banken einen Dispokredit an. Er ermöglicht es, im Rahmen des Girokontos mehr Geld auszugeben als tatsächlich auf dem Konto vorhanden ist. Kerstin Föller, Leiterin der Abteilung Insolvenz und Kredite bei der Verbraucherzentrale Hamburg, erklärt die Risiken eines Dispokredits.
Dispokredit nur kurzfristig nutzen
In Notfällen kann ein Dispokredit hilfreich sein, so Föller, doch er sei nur für kurzfristige Engpässe gedacht.
Der Dispokredit ist für viele eine Art Regenschirm.
Kerstin Föller, Leiterin Insolvenz und Kredite, Verbraucherzentrale Hamburg
Eine Dauerlösung sei der Dispo nicht, denn meist verlange die Bank für das Darlehen hohe Zinsen. "Problematisch ist ein Dispokredit vor allem für Geringverdienende, die dauerhaft im Minus sind und den Kredit nicht tilgen können - hier besteht Handlungsbedarf", betont Föller.
Laut Stiftung Warentest liegt der durchschnittliche Dispozinssatz bei rund 11,2 Prozent. Eine dauerhafte Nutzung ist daher teuer und sollte vermieden werden.
"Buy now, pay later": Viele Käufer verlieren den Überblick über offene Rechnungen. Was mit Raten beginnt, kann sich schnell summieren - und im schlimmsten Fall in die Schuldenfalle führen.
05.02.2026 | 0:43 minHaushaltsbuch hilft bei Kontrolle der Ausgaben
Wer sein Konto deutlich überzogen hat und mit dem laufenden Einkommen keinen Ausgleich schaffen kann, muss sich einen genauen Überblick über die eigenen Finanzen inklusive Dispokredit verschaffen.
Wer merkt, dass er ins Minus rutscht, sollte einen Kassensturz machen.
Kerstin Föller, Leiterin Insolvenz und Kredite, Verbraucherzentrale Hamburg
Eine genaue Auflistung zeigt, wie es um die eigenen Finanzen steht: Wie hoch ist der aktuelle Kontostand, wie viel Bargeld steht zur Verfügung und welche laufenden Kosten fallen für Miete, Essen, Verträge, Versicherungen und Hobbys an? Kostenlose Haushalts-Apps oder das klassische Haushaltsbuch können dabei den Überblick vereinfachen.
Haben Millennials und Gen Z schlechtere Chancen auf Vermögen als die Babyboomer? "How to" analysiert alte und neue Anlagestrategien und zeigt, was heute besser funktioniert.
30.03.2026 | 43:30 minEin Beispiel: "Viele zahlen jeden Monat fürs Fitnessstudio, gehen aber kaum hin", so Föller. Hier findet sich Einsparpotenzial. Auch lohne es sich zu prüfen, ob es günstigere Stromanbieter gibt, ergänzt die Verbraucherschützerin.
Durch Kartenzahlungen kann der Überblick über die Ausgaben schnell verloren gehen. Bargeldzahlungen können helfen, bewusster mit Geld umzugehen. So könne es laut Schuldnerberaterin Kerstin Föller ratsam sein, das verfügbare Geld monatlich abzuheben und in einen Umschlag zu legen, um zu einer besseren Einschätzung des eigenen Ausgabeverhaltens zu gelangen.
Wer Strom sparen will, sollte auch immer ein Auge auf Geräte mit Stand-by-Modus haben. Hier lässt sich nämlich Geld sparen. Ein Energieberater erklärt, wo die größten Einsparpotenziale sind.
27.03.2026 | 4:05 minUmschuldung des Dispos in einen Ratenkredit
Je größer die Schulden, desto sinnvoller wird eine Umschuldung. Bleibt das Konto über längere Zeit deutlich im Minus, so könne es sich laut Föller lohnen, bei der eigenen Bank einen Ratenkredit zu beantragen. Er bietet niedrigere Zinsen und ermöglicht, Schulden mit festen Monatsraten schrittweise abzubauen.
Voraussetzung für einen Ratenkredit bleibt aber die Zahlungsfähigkeit. "Wenn jemand arbeitslos ist, kann er auch diesen Kredit nicht bezahlen", erklärt Föller.
Laut einer Analyse der Finanzberatung FMH sind Girokonten bei regionalen Banken in kleineren Städten und auf dem Land teurer als in Großstädten.
05.02.2026 | 0:42 minRückzahlungsvereinbarung treffen und Zweitkonto nutzen
Wenn das Konto über Monate tief im Minus bleibt und finanzielle Schwierigkeiten sichtbar werden, fordert die Bank meist eine Rückzahlungsvereinbarung. Sie legt fest, wie der Dispo schrittweise abgebaut werden kann. Für viele Menschen ist eine Rückzahlungsvereinbarung ein erster Schritt, sich mit der eigenen finanziellen Situation auseinanderzusetzen.
Eine Rückzahlungsvereinbarung ist für manche eine Art Weckruf, sich Hilfe zu holen.
Kerstin Föller, Leiterin Insolvenz und Kredite, Verbraucherzentrale Hamburg
Ein zweites Girokonto bei einer anderen Bank kann es erleichtern, die Vereinbarung einzuhalten. "Die Schulden bleiben auf dem alten Konto, während die laufenden Ausgaben über das neue Konto abgewickelt werden", erklärt Föller. Es kann helfen, wieder mehr Struktur in die eigenen Finanzen zu bringen.
Eine erste Anlaufstelle bei Schulden sind kommunale Schuldnerberatungsstellen. Sie bieten kostenlose, professionelle Beratung und helfen bei Zahlungsplänen.
Eine klassische Schuldnerberatung bieten Wohlfahrtsverbände in Deutschland wie Caritas, Diakonie oder die Arbeiterwohlfahrt (AWO).
Auch der Bundesverband der Verbraucherzentralen hilft bei Fragen zu Dispo, Krediten, Verträgen und finanziellen Fehlentwicklungen. Viele Angebote sind kostenfrei.
Auch der Deutsche Familienverband, Landesverband Berlin e. V. berät und unterstützt überschuldete Menschen. Er ist Begründer der ersten spezialisierten Schuldnerberatungsstelle in der sozialen Arbeit im Land Berlin.
Rücklagen für finanzielle Notsituationen schaffen
Wichtig ist es, Rücklagen für unerwartete Ausgaben aufzubauen. "Im Normalfall sind drei Netto-Monatseinkommen auf einem Tagesgeldkonto sinnvoll", so Föller. Ist das nicht machbar, kann es helfen, größere Anschaffungen wie eine neue Waschmaschine zu verschieben oder - gut geprüft - eine Null-Prozent-Finanzierung zu nutzen.
Klar abzuraten ist hingegen von kreditfinanzierten Konsumausgaben, wie zum Beispiel einem Urlaub oder einem teuren Auto. Sie können langfristig die finanzielle Lage verschärfen.
Alice Schirasi ist Redakteurin der ZDF-Sendung "Volle Kanne - Service täglich".
Mehr zum Thema Finanzen
Schuldenspirale beim Online-Shopping:Wie durch "Buy Now, Pay Later" das Schuldenrisiko steigt
von Karsten Uwe Wittmit Video0:43Falschgeld erkennen:Bargeld auf Echtheit prüfen: So geht der Geldschein-Check
von André Tebbemit Video0:46Fallstricke bei Immobilien vermeiden:Wohnungskauf: Darauf sollten Sie achten
von Friederike Trumpamit Video5:10Seriös oder nicht?:Finanz-Angebote auf Social Media: Was jeder beachten sollte
von Svetlana Leitzmit Video1:22
Weitere Ratgeber-Themen
Touristen-Tickets im Check:Citypass: Wann sich das Kombiticket für Städtereisen lohnt
von Nicole Wehrmit Video0:53Kinderschuhe gebraucht kaufen:Secondhand-Schuhe für Kinder: Darauf sollten Eltern achten
von Miriam Hantzschemit Video5:16Deko aus Gießmaterial:Aus Epoxidharz, Gips, Beton und Co: So gelingen DIY-Projekte
von Jill Krausemit Video5:16