Großneffe von Bonhoeffer beteiligt:Handgemenge bei Stauffenberg-Gedenken wegen AfD-Kranz
Ein Großneffe von NS-Widerstandskämpfer Bonhoeffer hat versucht, bei einer Gedenkveranstaltung zum Stauffenberg-Attentat einen Kranz der AfD-Bundestagsfraktion zu entfernen.
Bei einer Gedenkveranstaltung zum Stauffenberg-Attentat vor 82 Jahren versuchte ein Großneffe des Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer, einen Kranz der AfD zu entfernen.
20.07.2026 | 1:30 minBei der Gedenkveranstaltung der Bundesregierung zum Jahrestag des gescheiterten Stauffenberg-Attentats auf Adolf Hitler ist es zu einem Eklat wegen eines Kranzes gekommen. Ein Großneffe des evangelischen Theologen und NS-Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer, Tobias Korenke, versuchte ein Gebinde der AfD-Bundestagsfraktion an der Gedenkstätte im Bendlerblock in Berlin zu entfernen, wie ein Fotograf der Deutschen Presse-Agentur schilderte.
Sicherheitsmitarbeiter gingen dazwischen. Bei dem Handgemenge wurde der Kranz beschädigt. "Viele Nachkommen und dazu gehöre auch ich, empfinden eine wirklich große Wut, wenn wir sehen, dass die AfD hier Kränze ablegt", sagte Korenke der dpa.
Das werden wir hier nicht akzeptieren.
Tobias Korenke, Großneffe Dietrich Bonhoeffers
Ein Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion bestätigte, dass diese einen Kranz für die Gedenkstunde bereitgestellt hatte. Ob auch Fraktionsmitglieder anwesend gewesen seien, könne er nicht abschließend sagen. Der Leiter der Arbeitsgemeinschaft Geschichte der Fraktion, Götz Frömming, sagte, die Fraktion werde zu diesen offiziellen Gedenkfeiern als im Bundestag vertretene Partei eingeladen.
"Ich kann erfahren, ob meine Angehörigen in der Partei waren", sagt Prof. Isabel Heinemann, Direktorin Institut für Zeitgeschichte, zum digitalisierten NSDAP-Archiv. "Ein Gewinn“ der Erinnerungskultur.
20.07.2026 | 6:48 minPrien fordert "Ethik der bürgerlichen Verantwortung"
Die Hauptrede der Gedenkveranstaltung hielt in diesem Jahr Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU). Sie stehe hier auch als "Bürgerin und als Nachfahrin von Opfern und Überlebenden der Shoah", sagte sie. Prien berichtete davon, dass ihre Urgroßmutter im NS-Vernichtungslager Sobibor ermordet wurde.
Der Widerstand des 20. Juli und anderer Gruppen erinnere daran, dass Demokratie nicht allein durch Institutionen gestützt werde. Sie lebe "von einer Ethik der bürgerlichen Verantwortung - von Menschen, die bereit sind, Verantwortung für das Gemeinwesen zu übernehmen, auch wenn dies unbequem ist."
Verantwortung beginne aus einer Haltung heraus, betonte Prien. Man dürfe nicht zulassen, dass Menschen sich von der Demokratie abwendeten. "Die Geschichte des Widerstands zeigt uns: Menschen werden nicht als Helden geboren, sie lernen Verantwortung zu übernehmen, lange bevor Freiheit und Menschenwürde auf dem Spiel steht", sagte die CDU-Politikerin.
Die Freiheit von morgen entscheidet sich in unserem Handeln heute.
Karin Prien, Bundesfamilienministerin
Gedenken an Attentat vom 20. Juli 1944
Am 20. Juli 1944 hatten Wehrmachtsoffiziere um Claus Schenk Graf von Stauffenberg vergeblich versucht, Diktator Hitler mit einer Bombe zu töten, die nationalsozialistische Herrschaft zu stürzen und den Zweiten Weltkrieg zu beenden. Stauffenberg und drei weitere Beteiligte wurden noch am Abend im Hof des Bendlerblocks erschossen.
Dort, wo auch das Bundesverteidigungsministerium heute seinen Sitz hat, ist am Nachmittag zum Gedenken außerdem ein feierliches Gelöbnis von 240 Rekrutinnen und Rekruten der Bundeswehr geplant.
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