Razzien bei 265 Wohneinheiten in NRW:Vermietung von Schrottimmobilien: Verdacht auf Sozialbetrug
von Heiko Rahms
In NRW wurden am Mittwoch 265 Wohneinheiten überprüft. Die Bilanz: Bei 203 Personen besteht der Verdacht, dass sie unrechtmäßig Bürgergeld bezogen haben. Acht Wohnungen wurden geräumt.
Nordrhein-Westfalen geht mit einer Razzia gegen organisierten Sozialleistungs-Missbrauch und sogenannte Schrottimmobilien vor, die zu Wucherpreisen vermietet werden.
04.03.2026 | 1:46 minIn Nordrhein-Westfalen sind Einsatzkräfte am Mittwoch mit einer Razzia in zwölf Städten gegen Sozialbetrug und die Vermietung von Schrottimmobilien mit teils lebensgefährdenden Zuständen vorgegangen.
Vermietergeflechte würden gezielt an Zuwanderer minderwertigen Wohnbestand vermieten, dabei seien von den Behörden Mieten von bis zu 42 Euro pro Quadratmeter kassiert worden, erklärte die nordrhein-westfälische Heimatministerin Ina Scharrenbach (CDU) am Donnerstag in Düsseldorf.
In zwölf Städten in Nordrhein-Westfalen hat es großangelegte Razzien gegen Sozialbetrug mit sogenannten Schrottimmobilien gegeben. Die Immobilien werden für horrende Summen vermietet.
04.03.2026 | 0:24 minErgebnisse der Razzien
Über 300 Einsatzkräfte waren unterwegs, um Schrottimmobilien auf Bewohnbarkeit zu überprüfen und Sozialbetrug aufzudecken. Sie wurden fündig:
- Acht Wohnungen wurden sofort geschlossen und die Bewohner mussten in Notunterkünfte umziehen. Der Grund waren lebensbedrohliche Brandschutzmängel, defekte Elektroanlagen oder kaputte Heizungen. Die Kosten, die durch diese Maßnahmen entstanden, muss der Vermieter übernehmen, so das Bauministerium.
- Bei 203 Personen besteht der Verdacht, dass sie zu Unrecht Bürgergeld bezogen haben. Die Behörden fordern nun insgesamt rund 452.000 Euro von den Menschen zurück.
- In 22 Fällen besteht der Verdacht auf Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit dem Kindergeld.
- Es seien außerdem drei Menschen festgenommen worden, gegen die Haftbefehle bestanden.
- Außerdem bestehe in 52 Fällen der Verdacht auf Schwarzarbeit. Darüber hinaus seien 224 Meldeverstöße festgestellt worden.
Unterwegs waren die Einsatzkräfte in Dortmund, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Hagen, Krefeld, Langenfeld, Leverkusen, Remscheid, Solingen, Velbert und Wuppertal.
Bei einer Großrazzia hat die Polizei in NRW Schrottimmobilien überprüft. In den illegal vermieteten Häusern wohnen Ukrainer oder Bulgaren – ausgenutzt von Kriminellen zum Zweck des Sozialbetrugs.
04.03.2026 | 1:57 minHinweise auf verschleierte Quadratmeterpreise
Die Razzien waren von den Behörden lange vorbereitet worden. Die Dortmunder Einsatzleiterin Andrea Jenks erklärte: "Wir haben Adressen geprüft, zu denen wir im Vorfeld Hinweise des Jobcenters bekommen haben." Weiter sagte sie:
Hinweise wie zum Beispiel auffällig hohe Mieten, Überbelegung, unplausible Angaben zur Wohnungsgröße - das wird oft genutzt, um zu verschleiern, wie hoch die Quadratmeterpreise wirklich sind.
Andrea Jenks, Dortmunder Einsatzleiterin
So kommen dann völlig überteuerte Mieten für überbelegte und baufällige Wohnungen zustande, die die Behörden im Rahmen des Wohngeldes bezahlen. Das Geschäft mit den Schrottimmobilien ist also für die Vermieter sehr lukrativ.
Das Bundesjustizministerium plant eine neue finanzielle Entlastung für Mieter. Bei Kurzzeitverträgen und möblierten Wohnungen sollen demnach strengere Regeln für Vermieter gelten.
08.02.2026 | 1:33 minDortmunds Oberbürgermeister: "Organisierte Form der Kriminalität"
Bei den Razzien in Dortmund waren Mitarbeiter von sechs verschiedenen Behörden vor Ort, um die Häuser und Bewohner zu überprüfen. Der Dortmunder Oberbürgermeister Alexander Kalouti (CDU) sprach gestern von einer "organisierten Form der Kriminalität", auf die die Beamten in seiner Stadt gestoßen seien.
Ziel der Ermittler ist es nun herauszufinden, in welchen Verhältnissen die Vermieter zueinander stehen und wohin die wirtschaftlichen Verbindungen reichen. Doch die Bewohner seien auch Opfer, die mit falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt worden seien, so Kalouti weiter.
Jetzt stehen die Behörden vor der Aufgabe, Licht ins Dunkel der verworrenen Besitzstrukturen der Problemimmobilien zu bringen. Ein Weg, den die NRW-Landesregierung nach eigenen Angaben konsequent fortsetzen will.