Hinter den Kulissen der US-Reise:Merz bei Trump: "Irgendwie auch creepy"
von Wulf Schmiese, Christiane Hübscher, Dominik Rzepka
ZDF-Korrespondent Wulf Schmiese war gerade im Weißen Haus. Er erlebt einen US-Präsidenten, der alle lächerlich macht, die ihn nerven. Eine Szene im Rosengarten ist exemplarisch.
Kanzler Merz hat US-Präsident Trump getroffen, als erster Staatschef nach Trumps Angriff auf Iran. ZDF-Korrespondent Schmiese hat Merz begleitet und erzählt, was man vom Besuch noch nicht wusste.
05.03.2026 | 11:32 minIm Rosengarten des Weißen Hauses hat Donald Trump Bilder aller bisherigen amerikanischen Präsidenten anbringen lassen. George Washington, John F. Kennedy, zwei auch von ihm selbst. Zwischen seinen eigenen Porträts hängt Joe Biden.
Doch statt eines Porträts seines Vorgängers lässt Trump das Bild eines Stifts zeigen, der roboterhaft Bidens Unterschrift schreibt. "Sleepy Joe Biden", lässt Trump das Bild nennen.
Zwischen zwei Trump-Bildern: Ein Stift, der für Joe Biden unterschreibt.
Quelle: laifZDF-Korrespondent Wulf Schmiese hat in dieser Woche Kanzler Friedrich Merz (CDU) auf dessen Reise zu Trump begleitet. Er erlebt einen US-Präsidenten, der alle lächerlich macht, die ihn nerven. Das Bild Bidens stehe dafür exemplarisch, sagt Schmiese:
Das ist natürlich schon hart, weil man so eigentlich nicht verewigt werden will.
Wulf Schmiese, ZDF-Korrespondent
Das ganze Gespräch zwischen Donald Trump und Friedrich Merz im Video.
03.03.2026 | 36:39 minMerz schweigt, als Trump Spanien attackiert
Auch von Spanien ist Trump offenbar genervt, weil das Land den USA verbietet, seine Militärbasen für den Krieg gegen Iran zu nutzen. Trump attackiert Spanien dafür und droht, "den gesamten Handel zu stoppen".
Und was macht Merz? Der Kanzler sitzt direkt neben Trump und sagt - nichts. Mehr noch: Er sagt sogar, Spanien solle auch noch mehr Geld für Rüstung ausgeben - so wie Deutschland es vorgemacht habe.
Angeblich hat Merz später beim Lunch hinter verschlossenen Türen versucht, Spanien zur Seite zu springen. Trump könne sich nicht ein EU-Land rauspicken, das man beim Handel boykottiere, soll Merz gesagt haben, wenn auch nicht vor den Kameras:
Vielleicht ein verpasster Moment von EU-Solidarität. Die Spanier sind jedenfalls richtig sauer.
Wulf Schmiese, ZDF-Korrespondent
Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez kritisiert den Angriff auf Iran. US-Präsident Trump droht nun, den Handel mit Spanien zu stoppen.
04.03.2026 | 1:31 minMerz gehört nicht zu Trumps "Inner Circle"
Hier nun wird offensichtlich, dass Merz keinen offenen Dissens mit Trump will. Merz und Trump sind vielleicht keine Freunde, haben aber eine solide Arbeitsbeziehung, sagt der ehemalige Trump-Berater, Kenneth R. Weinstein.
Weinstein sagt aber auch, dass Merz nicht zum inneren Kreis dazugehöre. Trump höre zuerst auf Nato-Generalsekretär Mark Rutte, dann auf die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und selbst der finnische Präsident Alexander Stubb komme noch vor Merz, sagt Weinstein.
US-Präsident Donald Trump hat einen inneren Kreis europäischer Führer, auf die er hört, sagt sein ehemaliger Berater Kenneth R. Weinstein. Kanzler Merz gehöre nicht dazu.
02.03.2026 | 0:41 minMerz gibt Trump Erdkunde-Unterricht
Merz hatte vor dem Besuch vor allem eine Sorge: Wie kann er Trump klarmachen, dass Deutschland nicht mitmachen will beim Krieg gegen Iran? Schließlich müsse sich Deutschland schon um einen anderen Krieg kümmern: den Russlands gegen die Ukraine.
Dafür hatte das Kanzleramt extra Landkarten mitgebracht, die den Donbass zeigen, also die Region ganz im Osten der Ukraine. Um Trump die strategische Bedeutung der Region klarzumachen, hat Merz also den Erdkundelehrer gegeben.
Wie wirken diese Szenen? Was bleibt? ZDF-Korrespondent Schmiese findet die Begegnung von Merz und Trump stellenweise ganz unterhaltsam, aber: "Irgendwie auch creepy."
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