Wie beschädigt ist der CDU-Chef?:Merz im zweiten Wahlgang zum Kanzler gewählt
Im ersten Wahlgang war Friedrich Merz noch gescheitert, doch jetzt ist der CDU-Chef neuer Bundeskanzler. Im zweiten Wahlgang hat ihn der Bundestag gewählt - wie beschädigt ist er?
Ein holpriger Start für den neuen Bundeskanzler: Merz scheitert im ersten Wahlgang, bevor er die Mehrheit des Bundestages hinter sich hat. Der Tag in Berlin zusammengefasst.
06.05.2025 | 3:25 minFriedrich Merz ist neuer Bundeskanzler. Der CDU-Chef erhielt im zweiten Wahlgang die erforderliche Mehrheit im Deutschen Bundestag, nachdem er zuvor am Vormittag überraschend gescheitert war.
Merz hatten zuerst sechs Stimmen zur Mehrheit gefehlt. Im zweiten Wahlgang erhielt er 325 Stimmen, damit votierten neun Abgeordnete mehr für ihn als nötig. Union und SPD stellen im Bundestag 328 Abgeordnete. Merz sagte im Bundestag:
Ich bedanke mich für das Vertrauen und ich nehme die Wahl an.
Bundeskanzler Friedrich Merz, CDU
ZDFheute Infografik
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Nach stundenlangen Beratungen hatten sich Union, SPD, Grüne und Linke darauf verständigt, noch am heutigen Dienstag einen zweiten Wahlgang durchzuführen - obwohl die CDU eigentlich jegliche Zusammenarbeit mit den Linken ausgeschlossen hat.
Erstmals hat ein deutscher Bundeskanzler erst im zweiten Wahlgang die Mehrheit der Stimmen bekommen. Über die Bedeutung des Tages berichtet Diana Zimmermann.
06.05.2025 | 2:01 minMerz: Amtseid mit Gottesbezug
Merz hat nach der Wahl seine Ernennungsurkunde von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erhalten. Am späteren Nachmittag ist Merz im Bundestag vereidigt worden. Dabei sprach Merz auch die Formel "So wahr mir Gott helfe."
Dass ein Kanzler im ersten Wahlgang durchfällt, hat es in der Bundesrepublik noch nie gegeben. Die Opposition sieht Merz deswegen beschädigt. Der parlamentarische Geschäftsführer der AfD, Bernd Baumann, sagt:
Herr Merz, Sie sind gescheitert. Das ist eine historische Niederlage, wie es sie in diesem Bundestag noch nie gegeben hat.
Bernd Baumann, AfD
Grünen-Politikerin Renate Künast sieht einen "massiven Autoritätsverlust" für Merz. "Das hängt ihm am Nacken, das wird er nicht mehr los", sagte sie im Bundestag.
Wer hat im ersten Wahlgang gegen Merz gestimmt? Über mögliche Gründe der 18 Abweichler wird natürlich spekuliert. Frust gab es sowohl in der SPD als auch in der Union.
06.05.2025 | 1:19 minWadephul sieht Merz nicht beschädigt
Auch Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte sieht ein Glaubwürdigkeitsproblem für Merz: "Die Startmöglichkeiten für ihn, mit vielleicht auch Zauber des Anfangs daherzukommen, die sind verpufft", sagt er Phoenix.
Der designierte Außenminister, Johann Wadephul (CDU) widerspricht. Es habe schon zahlreiche Wahlgänge von Ministerpräsidenten in ganz Deutschland gegeben, wo es im ersten Wahlgang nicht gereicht habe. Auch in anderen Staaten sei das schon passiert. Wer rede heute noch darüber?
Was man in Brüssel nach der Kanzlerwahl von Deutschland erwartet, berichtet ZDF-Korrespondent Andreas Stamm. ZDF-Wirtschaftsexperte Florian Neuhann ordnet die Börsenlage ein.
06.05.2025 | 4:23 min
Wer hat gegen Merz gestimmt?
Offen ist die Frage, wer Merz im ersten Wahlgang die Zustimmung verweigert hat. Aus der SPD heißt es, die Sozialdemokraten hätten geschlossen für den CDU-Chef gestimmt. Der scheidende SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich sagt, die Partei würde es wissen, wenn es in der SPD so viele Abweichler gegeben hätte.
Allerdings hatten mehrere SPD-Abgeordnete vor zwei Monaten der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" gesagt, sie könnten Merz nicht wählen - zumindest zum damaligen Zeitpunkt nicht. Haben diese Abgeordneten Merz im ersten Wahlgang einen Denkzettel verpassen wollen? Etwa, weil Merz im Januar einen Antrag mit Stimmen der AfD durch den Bundestag gebracht hatte?
Oder kommen die Abweichler aus der Union? Von Merz-Enttäuschten? Ausgeschlossen ist auch das nicht.
CDU-Chef Friedrich Merz ist bei der Wahl zum Bundeskanzler im ersten Wahlgang überraschend gescheitert. „Bei uns ist geschlossen abgestimmt worden“, so SPD-Politiker Ralf Stegner.
06.05.2025 | 3:25 minMerz' Vorgänger im Amt
Merz, geboren 1955 in Brilon im Hochsauerlandkreis, ist nun der zehnte Kanzler der Bundesrepublik. Seine acht Vorgänger und seine Vorgängerin im Amt waren:
- Konrad Adenauer (CDU), 1949 - 1963
- Ludwig Erhard (CDU), 1963 - 1966
- Kurt Georg Kiesinger (CDU), 1966 - 1969
- Willy Brandt (SPD), 1969 - 1974
- Helmut Schmidt (SPD), 1974 - 1982
- Helmut Kohl (CDU), 1982 - 1998
- Gerhard Schröder (SPD), 1998 - 2005
- Angela Merkel (CDU), 2005 - 2021
- Olaf Scholz (SPD), 2021 - 2025
Konrad Adenauer, 1949 - 1963
Konrad Adenauer (CDU) bei der Unterzeichnung des Grundgesetzes am 23. Mai 1949 in Bonn. Adenauer war der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik.
Quelle: ZDF/apWas die Opposition von Merz erwartet
Merz und seine schwarz-rote Koalition stehen unter anderem vor der Herausforderung, die schwächelnde Wirtschaft wieder anzukurbeln. Aus der Opposition kommen bereits Forderungen, dass Merz hier zügig liefern müsse. Die Vorsitzende der Grünen, Franziska Brantner, sagt ZDFheute:
Er selbst hat schnell Wirtschaftswachstum und eine funktionierende digitale Infrastruktur versprochen - an fehlenden Mitteln wird das erstmal nicht scheitern.
Franziska Brantner, Grüne
FDP-Präsidiumsmitglied Christian Dürr sagt, er erwarte, dass Merz liefere, was er im Wahlkampf versprochen habe - unter anderem deutliche Entlastungen bei den Steuern, Abgaben und Energiepreisen. Dürr sagt:
Es wird nicht reichen, wenn Schwarz-Rot die bestehenden Probleme mit Schulden zuschüttet, ohne die notwendigen Strukturreformen anzugehen.
Christian Dürr, FDP
Kann Merz auch beliebt werden?
Neben Impulsen für einen wirtschaftlichen Aufschwung der Wirtschaft dürfte auch das Thema Migration die Kanzlerschaft von Friedrich Merz prägen, sagt Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte ZDFheute. Große Erwartungen habe die Mehrheit der Deutschen allerdings nicht an Merz.
Es sei ungewöhnlich, dass Merz im aktuellen ZDF-Politbarometer von einer Mehrheit als Kanzler abgelehnt wird. Es gebe nicht einmal ein bisschen Rückenwind für Merz. Mit ihm werde nichts verbunden, was für Aufbruch stehe.
Das könne allerdings auch ein Vorteil für Merz werden, sagt Korte. So könne er seine Erfahrung ausspielen und vielleicht auch ein beliebter Kanzler werden. Schließlich habe Merz jetzt sein politisches Lebensziel erreicht, das mache frei und souverän:
Ich glaube, das spüren die Menschen, dass er der Sachlogik folgt und nicht irgendwelcher Parteilogik. Das kann auch populär machen.
Karl-Rudolf Korte, Parteienforscher
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