Neue Bundestagspräsidentin:Julia Klöckner: "Demokratie ist Zumutung"
Julia Klöckner ist neue Bundestagspräsidentin. Im ZDF spricht sie über ihre Funktion im zweithöchsten Staatsamt, die AfD - und erklärt, warum Demokratie herausfordernd sein kann.
"Klar in der Sache, aber verbindend miteinander" wolle sie sein, sagte Julia Klöckner (CDU) am Dienstagmittag im Bundestag über ihre neue Rolle. Mit deutlicher Mehrheit war Klöckner am Mittag zur Bundestagspräsidentin gewählt worden. Sie ist die vierte Frau im zweithöchsten Staatsamt der Bundesrepublik.
Im ZDF-Interview knüpft Klöckner inhaltlich an ihre Rede im Bundestag an. Es sei "klar", dass im Parlament auch zugespitzt werde. "Dass es Meinungsvielfalt gibt, auch Meinungen, die mir vielleicht oder Ihnen vielleicht nicht passen, aber sich im Rahmen unserer Verfassung bewegen", sagt sie dem heute journal. Sie macht klar:
Das gehört zur Demokratie. Demokratie ist Zumutung, das heißt auch aushalten.
Julia Klöckner, Bundestagspräsidentin
Gleichwohl bedeute das aber auch, "dass es klare Grenzen gibt". Es gehe darum, "dass wir mit Anstand miteinander diskutieren und ringen, es geht darum, dass wir zivilisiert Konflikte austragen und auch Kompromisse finden".
Klöckner zum kontroversen Angebot an die AfD
Klöckner selbst war in ihrer Rolle als CDU-Politikerin zuvor immer wieder ein Mangel an Besonnenheit für das Amt vorgeworfen worden. Gerade in den sozialen Netzwerken empfanden Menschen ihre Beiträge als polarisierend.
Gleichzeitig sorgte ihr kürzliches Angebot, sich vor Amtsantritt bei der AfD-Fraktion vorzustellen - wie bei allen anderen Fraktionen auch - für Kritik. Klöckner entkräftige diese im ZDF: "Also noch einmal. Erstens bin ich Präsidentin des gesamten Bundestages. Und zum gesamten Bundestag zählen alle Abgeordneten."
Man müsse differenzieren zwischen politisch-inhaltlicher Auseinandersetzung und "Regeln, Rechte und Pflichten für alle", so die neue Bundestagspräsidentin.
Und deshalb habe ich das Angebot an alle Fraktionen gemacht.
Julia Klöckner, Bundestagspräsidentin
Letztlich hatte Klöckner sich nicht bei der AfD-Fraktion vorgestellt. Der Grund: Die Fraktion hatte ihr als Termin die Zeit während des traditionellen ökumenischen Gottesdienstes vorgeschlagen. Da habe sie "sehr klar gesagt, dass ich in den Gottesdienst gehe, weil er mir wichtig ist und weil ich den Termin auch zuerst zugesagt hatte", bekräftigt Klöckner.
Klöckner über Social-Media-Fauxpas
Angesprochen auf einen kontroversen Post, den Klöckner kurz nach der Veröffentlichung wieder gelöscht hatte - mutmaßlich da mehrere die Implikation einer inhaltlichen Nähe zwischen CDU und AfD rauslasen -reagiert die Bundestagspräsidentin mit Unverständnis.
Sie betont, keine inhaltliche Übereinstimmung zwischen CDU und AfD zu sehen. Das habe sie nie, auch weil sie sehr klar sei, "was die Inhalte der AfD angehe". "Wer zum Beispiel Positionen hat, wie aus dem Nato-Schutzbündnis auszutreten oder aus der EU, das sind keine Unionspositionen, sehr klar."
Gleichwohl, betont Klöckner, obliege es der AfD, "wie jeder anderen Fraktion auch in diesem Deutschen Bundestag, einen Kandidaten zu benennen oder eine Kandidatin für das Amt der Vizepräsidentin oder des Vizepräsidenten".
Und wie die Abgeordneten, freigewählte Abgeordnete, dann entscheiden, das obliegt Ihnen, weil es eine geheime Wahl ist.
Julia Klöckner, Bundestagspräsidentin
AfD-Kandidat ohne Mehrheit für Präsidiumsposten
Der Kandidat der AfD, Gerold Otten, für das Bundestagspräsidium hatte in der konstituierenden Sitzung des Parlaments auch im zweiten Wahlgang nicht die erforderliche Mehrheit erhalten. Die AfD kündigte an, weitere Kandidaten aufstellen zu wollen.
Vier Stellvertreter für Klöckner die als Bundestagspräsidentin auf Bärbel Bas (SPD) folgt, wurden hingegen bereits in Präsidium gewählt:
- Josephine Ortleb (SPD)
- Omid Nouripour (Grüne)
- Andrea Lindholz (CSU)
- Bodo Ramelow (Linke)
Ramelow ersetzt damit die langjährige Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linke).
Text von Christian Harz mit Material von dpa und Reuters. Das Interview führte Dunja Hayali.
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