Trump überrascht mit Öl-Entscheidung:Eiskalt erwischt: Iran-Krieg verfolgt Merz bis nach Norwegen
von Diana Zimmermann, Bardofuss
Friedrich Merz und Jonas Gahr Støre wollten die norwegisch-deutsche Partnerschaft voranbringen - und werden dabei einmal mehr eiskalt von einer Entscheidung Trumps überrascht.
Kanzler Merz ist zu Besuch in Norwegen. Gemeinsam mit dem norwegischen Ministerpräsident Jonas Gahr Støre würdigt er die enge Partnerschaft zu dem Land.
13.03.2026 | 1:42 minDie Botschaft dieses Besuchs sollte sein: Europa rückt zusammen, arbeitet an seiner Unabhängigkeit, Deutschland intensiviert seine Partnerschaft mit Norwegen in den Bereichen Energie, Raumfahrt und Verteidigung. Ein guter Plan, allein der Iran-Krieg lenkt von der frohen Kunde ab.
Noch auf dem Flug nach Norwegen ist man in der Bundesregierung sicher, auch Donald Trump habe kein Interesse daran, Sanktionen gegen Russland auszusetzen. Doch wenige Stunden später geschieht genau das. Angeblich erstmal nur vorübergehend. Doch Friedrich Merz ist alarmiert.
"Norwegen ist von großer Bedeutung", erklärt Diana Zimmermann, Leiterin des ZDF-Hauptstadtstudios. Das Land ist größter Gas-Lieferant und wichtiger Partner in Verteidigung und Wissenschaft.
13.03.2026 | 1:06 minIn einem gegenüber den USA ungewohnt scharfem Ton hält der Kanzler die Entscheidung Donald Trumps für "falsch", sie sei "nicht das richtige Signal". Groß ist die Sorge, dass gegenüber Russland, das ohnehin schon vom steigenden Ölpreis profitiert, der wirtschaftliche und auch der politische Druck schwinden könnten, den man braucht, um den Krieg in der Ukraine zu beenden.
Symbolträchtiges Programm im Hohen Norden
Das Programm hätte symbolischer nicht geplant sein können. Friedrich Merz fährt erst gar nicht in die Hauptstadt Oslo - seine erste Norwegen-Reise als Kanzler spielt komplett im Hohen Norden. Da, wo es kalt ist und man minütlich daran erinnert wird, wie wichtig eine gute Energieversorgung ist.
Da, wo Norweger und Deutsche in der nächsten Woche eine Orbitalrakete starten wollen und da, wo momentan 1.600 deutsche Soldaten durch den norwegischen Schnee stapfen, im Verbund mit 13 weiteren Nationen, auch und nicht zuletzt, um die Russen abzuschrecken.
Bundeskanzler Merz hat die US-Entscheidung kritisiert, den Verkauf von russischem Öl wieder zu erlauben.
13.03.2026 | 0:47 minEine enge Energiepartnerschaft
In einem rustikalen Hotelzimmer treffen sich Jonas Gahr Støre und Merz zu ihrem Zwiegespräch. Klar wird schon hier: Deutschland und Norwegen haben schon viel gemeinsam und wollen das weiter ausbauen.
Erstens eine enge Energiepartnerschaft - die etwas einseitig darin besteht, dass Norwegen Gas und Öl hat und Deutschland diese kauft. Deutschland ist Norwegens wichtigster Handelspartner, betont Støre. Das Land exportiere Energie in die EU und nach Großbritannien und liefere so Stabilität von einem demokratischen Land, "dem man vertrauen kann", so Støre.
48 Prozent des Gases und 17 Prozent des Öls bezieht Deutschland aus Norwegen. Friedrich Merz macht einen dankbaren Eindruck. Eine Quelle weniger, bei der man sich um politische Zuverlässigkeit Sorgen machen muss.
Bundeskanzler Friedrich Merz beim Besuch in Bardufoss im Norden Norwegens.
Quelle: epaEin Tor zum Weltraum für deutsche Firmen
Zweitens gibt es eine höchst erfolgreiche Kooperation in der Raumfahrt. Schon nächste Woche will das deutsche Unternehmen Isar Aerospace von Andøya aus eine Rakete mit fünf Satelliten in den Orbit bringen. Klares Ziel ist es, unabhängig zu werden auch von US-amerikanischen Trägerraketen. Deshalb ist Forschungs- und Raumfahrtministerin Dorothee Bär mit von der Partie.
Bundeskanzler Friedrich Merz ist nach Norwegen gereist. Thema sind Energie, Verteidigung und die Folgen des Iran-Krieges.
13.03.2026 | 2:03 minMilitärübungen für gemeinsamen Schutz
Drittens reist Boris Pistorius mit, weil momentan hunderte deutsche Gebirgsjäger durch den norwegischen Schnee stapfen. Die Bundeswehr ist regelmäßig Teil der norwegischen Militärübung "Cold Response". Im Rahmen der Nato-Mission "Arctic Sentry" zielt auch sie darauf, die Arktis vor chinesischer und russischer Einflussnahme zu schützen.
Auf einem schneebedeckten Feld bei Bardufoss sehen Merz, Støre und der ebenfalls angereiste kanadische Premier Mark Carney, wie die Truppen Bewegung in eisiger Umgebung üben. Ein paar deutsche Gebirgsjäger queren auf Langlaufskis, Panzer nahen und schießen, Snowmobile schienen die Verfolgung aufzunehmen. Unweigerlich fragt man sich, wie sich die Männer und Frauen gegen russische Drohnenangriffe zur Wehr setzen würden.
Die NATO erhöht ihre Arktis-Präsenz. Offiziell, um vor allem russischen Interessen entgegenzutreten. Inoffiziell spielt aber auch Trumps Griff nach Grönland eine große Rolle.
12.02.2026 | 2:32 minWas tun mit Trump?
Viel drängender aber scheint nun die Frage, hier mitten im Schnee, auch für Merz, Støre und Carney: Was tun mit oder gegen Trump? Wie ihn dazu bringen, nicht ausgerechnet die Russen vom Iran-Krieg profitieren zu lassen?
Merz, der zu Beginn des Krieges noch die großen Gemeinsamkeiten zwischen Berlin und Washington betonte, den Wunsch unterstrich, das Mullah-Regime zu Fall zu bringen und erklärte, "völkerrechtliche Einordnungen werden dabei wenig bewirken", klingt nun deutlich ungeduldiger. Es brauche einen "überzeugenden Plan", der Krieg, darin ist er sich mit Støre und Carney überaus einig, müsse so schnell wie möglich enden.
Deutschland ist nicht Teil dieses Krieges und wir wollen es auch nicht werden.
Friedrich Merz, Bundeskanzler
Und so bringt Friedrich Merz von einem Besuch, der für mehr Sicherheit und Stärke sorgen sollte, zwar Zeichen einer sich festigenden Partnerschaft zwischen Norwegen, Kanada und Deutschland mit - aber auch neue Sorgen um die deutsche Wirtschaft, die Bedrohung durch Russland und vor einer Ausweitung des Krieges in Nahost.
Diana Zimmermann ist Leiterin des ZDF-Hauptstadtstudios.
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