Deutschlands unterschätzter Partner:Was Merz' Norwegen-Reise so wichtig macht
von Diana Zimmermann
Norwegen liefert mehr als Öl nach Deutschland als jedes andere Land. Beim Besuch von Kanzler Merz geht es deshalb um Energie - aber auch um Verteidigung und den Iran-Krieg.
Kanzler Friedrich Merz reist am Donnerstag nach Norwegen. Dort wird er auch die Nato-Übung "Cold Response" besuchen, ein norwegisches Manöver mit 25.000 Soldaten aus 14 Ländern.
12.03.2026 | 0:30 minWenn der Kanzler Taktgefühl beweisen will, spricht er den Gastgeber nicht auf das norwegische Königshaus an. Friedrich Merz und Jonas Gahr Støre haben viel und Wichtigeres zu diskutieren als Epstein-Files, Mette Marit und ihren kriminellen Sohn, die momentan die Schlagzeilen in Norwegen dominieren.
Mit diesem häufig unterschätzten Partner Deutschlands geht es in den nächsten zwei Tagen um Energie, Sicherheit und Verteidigung, die außenpolitische Lage und die Raumfahrt. Und sicher auch um die große aktuelle Frage der internationalen Diplomatie: wie umgehen mit Donald Trump?
Kriege treiben die Preise für Öl und Gas in die Höhe. Was lässt sich aus vergangenen Energiekrisen ableiten – und wie kann der Staat Verbraucher in Krisenzeiten unterstützen?
09.03.2026 | 5:05 minNorwegen: Wichtigster Öllieferant für Deutschland
In diesen Tagen wird deutlicher denn je, wie wichtig Norwegen für Deutschland ist. 16,6 Prozent des Rohöls in Deutschland kommen aus dem an Öl und Gas reichen Land. Die Öllieferungen haben sich in den letzten fünf Jahren von 6,3 auf 12,5 Millionen Tonnen fast verdoppelt. Norwegen ist damit der wichtigste Öllieferant noch vor den USA.
Bei ihrem bilateralen Gespräch am Donnerstagabend im nordnorwegischen Andenes wollen Merz und Støre "die Ausweitung der Energiepartnerschaft" beschließen, ein guter Zeitpunkt scheint das allemal.
Europa will im All unabhängiger von den USA werden. Das deutsche Projekt soll dabei helfen. In der Zukunft wird der Weltraum noch mehr ein Ort von Machtkämpfen und Aufrüstung sein.
03.02.2026 | 0:32 minMerz: "Norwegen ist ein Tor ins All"
Merz reist mit Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) und Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) an. Freitag wollen sie das Satellitenentsendungszentrum im Weltraumbahnhof Andoya besuchen. Dort entwickelt das deutsche startup Isar Aerospace seit 2023 eine Orbitalrakete namens Spectrum.
Ihren ersten von Norwegen und Deutschland gemeinsam organisierten Testflug absolvierte diese 2025, kam aber schon nach 30 Sekunden wieder zu Boden. Es seien, so die Betreiber, trotzdem wertvolle Daten gesammelt worden.
Eventuell schon für den 19. März ist der nächste Testflug geplant. Der soll dann zeigen, dass Friedrich Merz recht hatte, als er bei Støres Besuch in Berlin im Juli 2025 sagte: "Norwegen ist ein Tor ins All.".
In Berlin haben etwa 1000 Bundeswehr-Soldaten und 250 Zivilkräfte für den Bündnisfall trainiert. Im Fall eines Angriffs an der Nato-Ostflanke müssten sie Verwundete schnell versorgen.
06.03.2026 | 0:51 minEnge Zusammenarbeit in der Verteidigung
Anschließend geht es gemeinsam nach Bardufoss. 1.600 Kilometer nördlich von Oslo nehmen dort 1.200 deutsche Soldaten in diesen Tagen an der norwegischen Übung "Cold Response" (Kalte Reaktion) teil. Mit ihnen trainieren 25.000 Soldaten aus 14 Ländern. Das Ganze im Rahmen der Nato-Mission "Arctic Sentry" (Wächter der Arktis), die durch verstärkte Präsenz im Hohen Norden Chinesen und Russen abschrecken soll.
Bei "Cold Response" werden zwischen dem 9. und 19. März militärische Maßnahmen zu Land, zu Wasser und in der Luft, im Cyber- und im Weltraum durchgeführt. Ziel ist es, so die Bundeswehr: "Einsatzbereitschaft sichtbar zu machen, Partner zu verbinden und glaubwürdig Abschreckung zu demonstrieren."
Norwegen und Deutschland arbeiten in Sicherheits- und Verteidigungsfragen schon lange eng zusammen. Im Juli 2025 einigten sich Merz und Støre darauf, die gemeinsame Überwachung des Nordatlantiks und der Nordsee zu verstärken und kritische Unterwasserstruktur zu schützen.
Dazu gehören die für Deutschland so wichtigen Ölpipelines. Im Rahmen eines gemeinsamen Beschaffungsprogramms baut Thyssen Krupp Marine Systems seit 2023 je sechs U-Boote der Klasse 212 CD (Common Design) für Norwegen und Deutschland.
Während Israel und die USA den Iran angreifen, feuert Iran Raketen und Drohnen auf Nachbarstaaten. Auch dort gibt es Verletzte, sind die Menschen in Angst oder auf der Flucht.
11.03.2026 | 9:45 minIran-Krieg: Unterschiedliche Positionen, gemeinsam besorgt
Denkbar unterschiedlich sind die Reaktionen der beiden Regierungschefs zum Krieg in Iran.
Obwohl Norwegen als Ölexporteur von den US-Angriffen auf Iran und dem daraus folgenden Anstieg des Ölpreises massiv profitiert, reagierte der Sozialdemokrat Jonas Gahr Støre schon am Tag der ersten US-amerikanischen Bombenabwürfe mit deutlichen Worten: "Die Angriffe heute Morgen und das Übergreifen des Konflikts auf die Nachbarländer Irans stimmen nicht mit internationalem Recht überein", so Støre. Damit setzte er die Attacken der USA auf Iran und die Gegenangriffe Irans auf seine Nachbarländer in ihrer Rechtswidrigkeit de facto gleich.
Nahe der US-Botschaft in Norwegens Hauptstadt Oslo ist es in der Nacht zu einer Explosion gekommen. Der Hintergrund der Explosion ist noch unbekannt - es gab keine Verletzten.
08.03.2026 | 0:14 minFriedrich Merz dagegen formulierte am 1. März: "Völkerrechtliche Einordnungen werden relativ wenig bewirken. Das gilt umso mehr, wenn sie weitgehend folgenlos bleiben." Und fügte hinzu, es sei nicht der Moment, "Partner und Verbündete zu belehren".
Beiden gemeinsam ist die Sorge um eine Eskalation des Krieges und die Frage, was an Tag eins nach dem Krieg geschehen soll.
Nach seinem Besuch im Weißen Haus warf Merz den USA fehlende strategische Klarheit vor. Die Gespräche wurden vom Nahost Konflikt beherrscht. Trump sieht dabei keine Rolle für Deutschland.
04.03.2026 | 1:46 minTrump wetterte gegen Norwegen
Friedrich Merz wurde bei seinem letzten Besuch im Oval Office von Trump als "Freund" bezeichnet, musste sich das Knie tätscheln lassen und schwieg, diplomatisch oder mutlos - darüber gehen die Meinungen auseinander -, als Trump seinen spanischen Kollegen Pedro Sánchez und den Briten Keir Starmer beschimpfte.
Mit dem norwegischen Sozialdemokraten Støre allerdings ist der US-Präsident nicht zufrieden. Er macht ihn dafür verantwortlich, dass der Friedensnobelpreis an ihm vorbeigegangen ist, obwohl der mit einer Million Euro dotierte Preis von einem unabhängigen Komitee und nicht von der norwegischen Regierung verliehen wird.
In einer an Støre gerichteten Textnachricht vom 18. Januar behauptet Trump gar, sein Griff nach Grönland sei Folge des ihm verwehrten Nobelpreises: "Da Ihr Land entschieden hat, mir den Nobelpreis nicht zu geben, fühle ich mich nicht länger verpflichtet, nur noch an Frieden zu denken." Die "komplette und totale Kontrolle Grönlands" sei sein Ziel. Trumps Anspruch auf die dänische Insel haben Merz und Støre gleichermaßen entschieden widersprochen.
Diana Zimmermann ist Leiterin des ZDF-Hauptstadtstudios.
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