"Arctic Sentry"-Mission gestartet:Die Europäer als Wächter der Arktis
von Isabelle Schaefers
Kein "Weiter so" in Sachen Sicherheit , das war die Botschaft des US-Kriegsministers an die Nato vor einem Jahr. Mit der "Arctic Sentry"-Mission wagt sich Europa nun nach vorn.
Europa versucht, unabhängiger von den USA zu werden und gleichzeitig die Nato intakt zu halten. Die europäischen Verteidigungsminister setzen Hoffnung in die neue Arktis-Mission.
11.02.2026 | 2:40 minVor einem Jahr hatte der US-Kriegsminister Pete Hegseth den Europäern bei seinem ersten Besuch im Hauptquartier der Nato die Leviten gelesen und deutlich gemacht: So geht es nicht weiter. Europa müsse mehr tun für die Verteidigung und eigene Sicherheit. Sich weiter so stark auf die USA zu verlassen, sei keine Option mehr.
Seitdem war das Verhältnis in der Allianz von Anspannung und vielen Tiefpunkten geprägt. Und von dem Bestreben der Europäer, tatsächlich mehr zu tun. Was nun erste positive Auswirkungen hat.
Sagt US-Korrespondent Elmar Theveßen in Washington. Die Nato-Mission "Arctic Sentry" ändere daran nichts. Die USA und Dänemark werden weiter um die Insel verhandeln.
12.02.2026 | 2:25 minNato-Mission Arctic Sentry gestartet
Nun, ein Jahr später, kamen die Verteidigungsminister der Nato-Staaten bei einem Treffen in Brüssel zusammen. Hegseth selbst reiste nicht an. Sein Vertreter Elbridge Colby fand bei dem Termin jedoch anerkennende Worte und lobte, man habe nun eine sehr starke Grundlage, um partnerschaftlich zusammenzuarbeiten.
Partnerschaft statt Abhängigkeit, das sei das Ziel. Das zeigt sich auch am neuen Engagement der Europäer in der Arktis.
Trump lenkte nach Treffen mit Rutte ein
Es war der Nato-Generalsekretär Mark Rutte, der in Davos den US-Präsidenten Donald Trump vorerst von seinen Annexionsplänen Grönlands abbringen konnte. Allerdings hat er dafür auch Gegenleistungen versprochen - wie etwa mehr Präsenz der Verbündeten in der Arktis. Die wird es nun geben mit der Mission "Arctic Sentry" - Wächter der Arktis.
Es gehe hier "nicht um eine Antwort auf Donald Trump", sagt Verteidigungsminister Pistorius zur Nato-Mission "Arctic Sentry". Es gehe "darum, in der Arktis Präsenz zu zeigen.“
11.02.2026 | 5:05 minEuropäer maßgeblich beteiligt an Arktis-Einsatz
Rutte erklärt das Ziel der Mission "Arctic Sentry" so:
Dadurch werden wir nicht nur unsere Position in der Region stärken, sondern auch ein einheitlicheres Bild der potenziellen Herausforderungen in der Arktis erstellen und so Sicherheitslücken schnell und effektiv schließen können.
Mark Rutte, Nato-Generalsekretär
Die Mission soll vor allem für mehr Wachsamkeit sorgen - durch mehr Patrouillen, mehr Militärmanöver, mehr Soldaten - nun gebündelt unter Nato-Kommando.
Vor allem die Europäer in der Nato gehen hier voran. Verteidigungsminister Boris Pistorius hat angekündigt, vier Eurofighter und entsprechende Betankungsmöglichkeiten beitragen zu wollen. Großbritannien plant, die Zahl der in Norwegen stationierten britischen Soldaten von 1.000 auf 2.000 zu verdoppeln.
Die Insel bietet große Vorkommen seltener Rohstoffe und ist wegen ihrer Lage in der Arktis auch militärstrategisch wichtig. Was will US‑Präsident Donald Trump mit Grönland?
21.01.2026 | 3:22 minSicherheit der Arktis ist drängendes Problem
Europa geht es dabei nicht nur um Trump, sondern auch um die eigene Sicherheit. Chinas Interesse an der Arktis wächst. Und Russland ist schon lange sehr dominant in der Region - nicht zuletzt durch die weltweit größte Flotte von Eisbrechern, die eine ganzjährige Schifffahrt ermöglicht.
Angesichts dieser Ausgangslage stellt sich die Frage, warum sich Europa nicht früher mehr um die Arktis gekümmert hat. Wieder einmal brauchte es den Druck von Donald Trump, um das Notwendige zu tun.
"Die Nato ist bereits durch die Regierung von Herrn Trump nachhaltig politisch destabilisiert", sagt Stefanie Babst, ehemalige Nato-Chefstrategin. "Die Versuche, die wir jetzt sehen, immer wieder ein bisschen politische Normalität herzustellen, können nur an der Oberfläche gelingen."
In der Arktis treffen die Interessen und Ansprüche unterschiedlicher Länder aufeinander. Eine grafische Übersicht.
16.01.2026 | 1:26 minBemühungen der Europäer zeigen erste Wirkung
Denn die Sorge im Nato-Hauptquartier bleibt, dass Trump jederzeit erneut Anspruch auf Grönland erheben könnte. Europa versucht also weiter, unabhängiger zu werden und gleichzeitig, die Nato intakt zu halten. Der Auftritt des US-Vertreters im Nato-Hauptquartier nun gibt Grund zur Hoffnung, dass den Europäern das - zumindest vorerst - gelingt.
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