Arktis-Mission "Arctic Sentry":Pistorius: "Keine Antwort auf Trumps Grönland-Drohung"
Die Nato erhöht die Militärpräsenz in der Arktis, Deutschland macht mit. Es gehe da aber "nicht um eine Antwort auf Trumps Grönland-Drohung", so der Verteidigungsminister im ZDF.
Es gehe auch "nicht um eine Antwort auf Donald Trump", sagt Verteidigungsminister Pistorius zur Nato-Mission "Arctic Sentry". Es gehe "darum, in der Arktis Präsenz zu zeigen".
11.02.2026 | 5:05 minBeim ersten Treffen der Verteidigungsminister der Nato-Staaten am Donnerstag in Brüssel soll es um eine deutlich verstärkte Militärpräsenz in der Arktis gehen. Die Arktismission "Arctic Sentry" gilt auch als Antwort auf Donald Trumps Griff nach Grönland.
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius ist überzeugt, dass der Einsatz in der Arktis bedeutend für die Sicherheit Europas ist.
Das sagt der Politiker dazu, ...
... worum es sich bei "Arctic Sentry" handelt
Es geht hier nicht, betont der Verteidigungsminister gleich zu Anfang, um eine "Grönland-Mission und auch nicht um eine Antwort auf Donald Trump". Es gehe darum, die Arktis und den hohen Norden und deren Sicherheit ernst zu nehmen, sagt Boris Pistorius.
Weil diese Sicherheit für uns als Nato, als Europäer aber auch für Nordamerika von essentieller Bedeutung ist.
Boris Pistorius, Verteidigungsminister
Es gehe darum, als Nato in der Arktis Präsenz zu zeigen. "Das ist gut und richtig und darum beteiligen wir uns."
Die Nato erhöht ihre militärische Präsenz in der Arktis. Ziel ist es, den Grönlandkonflikt mit US-Präsident Trump zu entschärfen. Deutschland beteiligt sich mit Ausrüstung und Soldaten.
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Pistorius betont, er sei überzeugt davon, dass dieser Einsatz Donald Trump überzeugen werde. Man habe immer klar gemacht, dass man die Lücke zwischen Grönland, England, Großbritannien und Island absichern wolle. Dazu habe man vor eineinhalb Jahren eine nordatlantische maritime Sicherheitsvereinbarung mit Kanada, Norwegen, Dänemark und Island geschlossen.
"Das sind die Fragen, um die es hier geht und das haben wir immer klar benannt, von daher glaube ich, dass es auch den amerikanischen Präsidenten überzeugen wird", glaubt der Politiker.
Entscheidend ist aber, dass die Nato weiß, was hier zu tun ist.
Boris Pistorius
Europa versucht, unabhängiger von den USA zu werden und gleichzeitig die Nato intakt zu halten. Die europäischen Verteidigungsminister setzen Hoffnung in die neue Arktis-Mission.
11.02.2026 | 2:40 min... welche konkrete Bedrohung es in der Arktis gibt
Bemerkenswert sei - laut dem Bundesverteidigungsminister - vor allem die große, starke militärische Präsenz Russlands, mit einer Vielzahl von U-Booten und seiner Nordmeerflotte in "beachtlicher Größenordnung und militärischer Stärke".
Russland versuche, in der Arktis Fuß zu fassen, wegen der Rohstoffe, aber auch um sich im Nordmeer breitzumachen. Von dort könne man nötigenfalls in den Nordatlantik vorstoßen.
Im militärischen Ernstfall ist das genau der Schritt, der passiert, um die Versorgungsrouten zwischen Amerika und Europa abzuschneiden.
Boris Pistorius
"Das lernen wir aus der Geschichte dieser Region bis zurück zum Ersten Weltkrieg", so Pistorius.
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Die Amerikaner hätten, so Pistorius, in den letzten Jahrzehnten den "Löwenanteil der konventionellen Verteidigung Europas getragen und die nukleare Abschreckung gewährleistet". "Dass die Amerikaner sich, egal unter welcher Administration, mehr Richtung Indopazifik würden orientieren müssen, war auch allen klar", fährt Pistorius fort.
"Jetzt passiert es", glaubt der Politiker, "und das heißt, die Europäer sind gut beraten, zu tun, was sie begonnen haben zu tun, nämlich ihre Verteidigungsausgaben im konventionellen Bereich hochzufahren, die konventionelle Verteidigungsfähigkeit und Abschreckungsfähigkeit in den Jahren, die vor uns liegen, vollständig oder annähernd vollständig zu übernehmen".
Und die Amerikaner bleiben als Nato-Partner an Bord in Europa, vor allen Dingen dann am Ende mit nuklearer Abschreckung, aber sicherlich auch noch mit den einen oder anderen Landverbänden.
Boris Pistorius
Vor Monaten feierten Bundeskanzler Merz und Präsident Macron ein wiederbelebtes deutsch-französisches Verhältnis. Nun gibt es Zwietracht, etwa beim Projekt des gemeinsamen Superkampfjets FCAS.
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Was durch das Aus des deutsch-französischen Kampfjetprojekts FKs nun passiere, das "muss man abwarten. Zunächst mal darf man es nicht überhöhen zu einer Belastungsprobe für das deutsch-französische Verhältnis, weil das ist erprobt und stark und hält das aus, wenn es dazu käme", betont Pistorius.
Das Projekt sei 2017 aufgesetzt worden, mit einer Laufzeit von 25 Jahren. "Niemand konnte vorhersehen, wie sich die Sicherheitslage in Europa durch Moskau verändern würde. Und deswegen muss man ganz klar sagen, wenn das nicht käme, wäre es bedauerlich", betont der Minister.
Aber wie gesagt, wenn nicht, geht die Welt nicht unter und die deutsch-französische Freundschaft besteht fort.
Boris Pistorius
Das Interview in ZDF heute journal führte Anne Gellinek. Zusammengefasst hat es Petra Mertens.
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