Selenskyj: Russland will ukrainische Städte "ausschalten"

Luftangriffe auf die Ukraine:Selenskyj: Russland will Städte "vollständig ausschalten"

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Nach dem jüngsten Angriff warnt Selenskyj, dass die ukrainischen Städte im Winter unbewohnbar gemacht werden sollen. Bürgermeister Klitschko rät den Menschen, Kiew zu verlassen.

Ein mehrstöckiges Wohngebäude, das teilweise durch einen russischen Raketenangriff zerstört wurde

Unter den russischen Angriffen leidet vor allem die Energieinfrastruktur. In zahlreichen Regionen leiden die Menschen bei starkem Frost unter dem Ausfall von Strom und Heizungen.

10.01.2026 | 1:28 min

Nach Einschätzung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj versucht Russland, mit schweren Luftangriffen mitten im Winter die großen Städte der Ukraine unbewohnbar zu machen. "Die Russen nutzen das Wetter - die Kältewelle - und versuchen, so viele unserer Energieanlagen wie möglich zu treffen", sagte er in seiner abendlichen Videobotschaft aus Kiew.

Nach Zählung der ukrainischen Luftwaffe hatte die russische Armee Kiew in der Nacht mit mehr als 200 Drohnen sowie Dutzenden Raketen und Marschflugkörpern attackiert. Dabei wurden mindestens vier Menschen getötet. Selenskyj teilte mit, 20 Wohnblocks seien beschädigt worden. Zuletzt habe es die Hauptstadt Kiew getroffen, davor Dnipro, Saporischschja und Krywyj Rih, wiederum davor Odessa.

Die Haupttaktik Russlands besteht darin, zu versuchen, Städte vollständig auszuschalten.

Wolodymyr Selenskyj, Ukraines Präsident

Selenskyj verlangte von allen Stadtverwaltungen, vorbereitet zu sein und die Bürger zu schützen. In den angegriffenen Städten ist die Versorgung mit Strom, Wasser, Heizung zum großen Teil ausgefallen.

Dnipro

In der Nacht haben Russland und die Ukraine gegenseitig ihre kritische Infrastruktur angegriffen. Auf russischer Seite soll ein Öldepot brennen. In Kiew sind weiterhin Zehntausende ohne Heizung.

10.01.2026 | 0:28 min

Klitschko rät Bürgern von Kiew zum Verlassen der Stadt

Als Folge riet Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko den Einwohnern zum zeitweiligen Verlassen der Dreimillionenstadt. 6.000 Wohnblocks, die Hälfte der Mehrfamilienhäuser der ukrainischen Hauptstadt, könnten derzeit nicht geheizt werden, schrieb Klitschko auf Telegram. "Die städtischen Dienste arbeiten im Notfallmodus."

Der Angriff der vergangenen Nacht sei für die Infrastruktur von Kiew der bislang folgenschwerste des Krieges gewesen. Die Lage werde durch den strengen Winter verschärft. Wer anderswo Energie und Wärme finden könne, sollte die Hauptstadt vorübergehend verlassen, schrieb Klitschko. Dies war kein offizieller Aufruf zur Evakuierung, sondern als Ratschlag an die Kiewer gemeint, auf ihre ofengeheizten Datschen zu fahren oder sich bei Verwandten und Freunden in weniger betroffenen Orten einzuquartieren.

Ukrainische Rettungskräfte arbeiten am Ort eines russischen Angriffs auf ein Wohngebäude in Kiew am 9. Januar 2026.

Bei russischen Angriffen sind in Kiew mehrere Menschen getötet worden. In Lwiw in der Westukraine setzte Russland nach eigenen Angaben eine Oreschnik-Mittelstreckenrakete ein.

09.01.2026 | 0:26 min

Wer in seiner Wohnung wieder Strom, Wasser und Heizung habe, solle seine Nachbarn einladen, sich aufzuwärmen, sagte der Bürgermeister. Ein Teil der Wohnblocks solle noch ab Freitagabend wieder geheizt werden. Klitschko sagte, die Lage in Kiew sei schwierig, aber unter Kontrolle. In der Hauptstadt und im Umland waren nach Angaben des Energieministeriums am Freitagmorgen etwa 500.000 Verbrauchsstellen ohne Strom.

Selenskyj: Gemeinsame europäische Verteidigung nötig

Die Angriffe zeigten, dass Moskau sich nicht um Diplomatie und die Friedensbemühungen der USA schere, sagte Selenskyj. Der Einsatz der Mittelstreckenrakete Oreschnik in der Westukraine an der Außengrenze von EU und Nato sei "eine gleich große Herausforderung für Warschau, Bukarest, Budapest und viele andere Hauptstädte". Kein Land sei durch sein Verhältnis zu Russland geschützt. Nötig sei eine gemeinsame europäische Verteidigung.

Bundeswehr in der Ukraine: ein Risiko?

Ein Bundeswehreinsatz in der Ukraine hätte im Ernstfall Krieg mit Russland zu bedeuten – "ziemlich gefährlich", sagt Bundesgeschäftsführer Janis Ehling (Die Linke). Die Alternative: Einsatz von Blauhelmtruppen.

08.01.2026 | 5:55 min

Die russische Armee hatte am Donnerstagabend die nuklear bestückbare Rakete auf ein Ziel im Gebiet Lwiw abgefeuert. Es war der zweite Einsatz der bedrohlichen Waffe, die mit ihrer Reichweite auch Westeuropa erreichen kann.

Russland überzieht das Nachbarland Ukraine seit fast vier Jahren mit einem verheerenden Krieg.

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Über das Thema berichteten die heute-Nachrichten am 10.01.2026 ab 19:00 Uhr, ZDFheute Xpress in dem Beitrag "Gegenseitige Angriffe auf Energieinfrastruktur" am 10.12.2026 um 12:13 Uhr sowie das heute journal vom 09.01.2026 um 22:45 Uhr.

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