Prozessbeginn Messerangriff in Bielefeld:Wie weit reichen die IS-Verbindungen des Attentäters?
von Leon Fried
Im Mai 2025 hatte er Feiernde vor einer Bar in Bielefeld angegriffen. Jetzt muss sich der IS-Attentäter Mahmoud M. unter anderem wegen versuchten Mordes vor Gericht verantworten.
Nach dem mutmaßlich islamistisch motivierten Messeranschlag auf feiernde Fußballfans in Bielefeld startet an diesem Montag in Düsseldorf der Prozess.
02.03.2026 | 2:28 minIm großen Verhandlungssaal des Düsseldorfer Oberlandesgerichts wirkt er fast ein wenig verloren: Mahmoud M., der Mann, dem vorgeworfen wird, er habe versucht, für den sogenannten Islamischen Staat (IS) möglichst viele Menschen zu töten.
In sich zusammengesackt sitzt er an diesem Vormittag hinter den vielen leeren Sitzreihen auf seinem Platz in einem schusssicheren Glaskasten. Während der Verhandlung schließt er zwischenzeitlich die Augen. Als die Vertreterin der Bundesanwaltschaft die Anklage verliest, blickt er zu Boden.
Anschlagsziel war Bar in Bielefeld
Die für Terrorverfahren zuständige oberste Anklagebehörde wirft dem heute 36-Jährigen vor, im Mai vor einem Jahr in Bielefeld losgezogen zu sein, um im Namen des Dschihad, des Heiligen Krieges also, zu morden. Mit zwei Messern bewaffnet, beide mit 18 Zentimetern Klingenlänge, näherte sich M. in den frühen Morgenstunden eines Sonntages einer Bar ganz in der Nähe des Bielefelder Hauptbahnhofs.
In dem Lokal war die ganze Nacht über gefeiert worden. Fußballfans hatten den Aufstieg ihrer Mannschaft, der Arminia, zelebriert. Als Mahmoud M. eintraf, waren die meisten Gäste schon gegangen. Einige standen allerdings noch auf der Straße zusammen.
Nach einem Messerangriff auf mindestens fünf Menschen in Bielefeld hat die Polizei den Tatverdächtigen in Heiligenhaus nahe Düsseldorf festgenommen. Der Syrer sollte noch im Tagesverlauf einem Haftrichter vorgeführt werden.
20.05.2025 | 1:38 minOhne Vorwarnung griff M. mit Messer an
Auf sie muss M. einen gebrechlichen Eindruck gemacht haben, denn er bewegte sich auf einen Gehstock gestützt auf sie zu. Was die Barbesucher nicht sahen: Der Stock war mit einem der beiden Messer präpariert. Blitzschnell setzte M. dann zur Tat an, schrie "Allahu Akbar", also "Gott ist groß", und stach auf eine 26-Jährige ein.
Dann wandte er sich weiteren Anwesenden zu, attackierte auch sie mit dem Messer. Ein zur Hilfe eilender Bargast verwickelte M. in einen Kampf und wurde ebenfalls verletzt. Mit geballter Kraft gelang es mehreren Barbesuchern, den Angreifer zu entwaffnen und in die Flucht zu schlagen.
Betroffene leiden noch heute
Zu Tode kam an diesem Morgen wie durch ein Wunder niemand. Doch einige der Opfer trugen zeitweise lebensgefährliche Verletzungen davon. Damit und mit den psychischen Folgen der Tat haben sie noch heute zu kämpfen, berichtet die Rechtsanwältin Stefanie Höke, die drei der Betroffenen vor Gericht vertritt.
Die Betroffenen sind allesamt noch arbeitsunfähig. Zum Teil gehen sie auch gar nicht alleine vor die Tür. Abgesehen davon sind bei einigen auch sichtbare äußere Narben zurückgeblieben.
Stefanie Höke, Nebenklagevertreterin
Und weiter: "Das ist schon nachhaltig beeindruckend für die Betroffenen."
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24.01.2026 | 4:38 minAngeklagter äußert sich nicht
Mahmoud M. wurde am Tag nach der Tat in einem Versteck bei Düsseldorf festgenommen. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Den Angriff hat er gegenüber den Sicherheitsbehörden gestanden.
Vor Gericht möchte sich M. an diesem ersten Verhandlungstag nicht äußern. Ausgiebig gesprochen hat er allerdings im Oktober des vergangenen Jahres mit einem psychiatrischen Gutachter. Insgesamt sieben Stunden lang habe M. ihm bereitwillig Auskunft erteilt, berichtet der Mediziner vor Gericht.
Samet Er arbeitet als De-Radikalisierungsberater im Strafvollzug. Sein Ziel ist es, Islamisten Wege aufzuzeigen, sich aus der Szene zu lösen.
08.09.2025 | 1:29 minPsychiater spricht über mögliche Motive
Seine Aussage gibt ein wenig Aufschluss darüber, was Mahmoud M. zu seiner Tat bewogen haben könnte. M. habe sich durch IS-Propagandavideos dazu animiert gefühlt, Menschen in Deutschland zu töten, erklärt der Psychiater. Es sei ihm um Rache für westliche Luftangriffe in Syrien gegangen. Direkte Anweisungen durch den IS habe M. bestritten.
Ob es die tatsächlich nicht gab, das wird der Prozess klären müssen. Denn M. war schon in den Jahren 2015 und 2016 im von der Terrormiliz besetzten syrischen Rakka IS-Mitglied. M. hat inzwischen zugegeben, Immobilien für die Islamisten verwaltet zu haben. Die Bundesanwaltschaft ist sich sicher, dass er auch an Kämpfen in Syrien beteiligt war.
Für den Prozess sind Termine bis in den Sommer angesetzt. Mahmoud M. droht eine lebenslange Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung. Nebenklagevertreterin Höke hofft, dass das Verfahren den Verletzten helfen wird, die Tat aufzuarbeiten und damit abzuschließen.
Leon Fried arbeitet in der ZDF-Fachredaktion Recht und Justiz.