Verstehen, wie Trump die USA verändert:Trumps geschlossene Gesellschaft
von Elmar Theveßen, Washington D.C.
Beide Parteien fürchten eine unfaire Wahl, prominente Köpfe heizen den Endspurt an. Mittendrin: der Audi-Chef und eine Restaurantkette mit Hang zum Prunk.
Guten Morgen aus Washington,
eine Bemerkung meines lieben Kollegen Ulf Röller in der neuesten Folge unseres Podcasts "Der Trump-Effekt" fand ich sehr treffend. Donald Trump stelle den demokratischen Senatskandidaten Abdul El-Sayed in Michigan als Verfassungsfeind dar, den er auf keinen Fall in das Parlamentsgebäude lassen werde.
Aber seine Anhänger, die 2021 das Kapitol stürmten, habe er hingegen hinterher begnadigt. Es ist ein trauriges Beispiel für den Verfall der Moral in der politischen Auseinandersetzung.
ZDFheute USA-Update:Dein Newsletter zum Trump-Effekt
Verstehen, was in den USA passiert: Alles Wichtige zu den Midterms, Trumps Politik und den Folgen für Europa und die Welt – eingeordnet von unseren Korrespondenten. Jetzt abonnieren!Wörtlich hatte Trump bei seinem Wahlkampfauftritt gesagt: "Ich bin hier, um zu verhindern, dass ein dschihadistisches Mitglied der Muslimbruderschaft US-Senator wird. [...] In neun Tagen werden die Menschen in Michigan Abdul Mohammed al-Sayed besiegen - einen Mann, der niemals Zutritt zu den Hallen unseres großartigen, wunderschönen Kapitols in Washington erhalten sollte."
Tatsächlich passen die Worte des Präsidenten zu einem finsteren Plan, der in der trumpnahen Denkfabrik "Center For Renewing America" schon juristisch gerechtfertigt wird.
In einem Essay mit der Überschrift "Kann der Kongress ein neugewähltes Mitglied, das die Verfassung zerstören will, ins Amt lassen?" argumentiert der Autor Benjamin Osborne, dass der Amtseid nicht abgelegt werden kann, wenn der Kandidat eine verfassungswidrige Gesinnung hat, indem er zum Beispiel extremistische Gruppen unterstützt.
Alle in Europa schauen gerade auf die Midterms. Gibt es die große Abrechnung mit Donald Trump? Ein Blick auf die Hoffnungen und Sorgen der europäischen Regierungschefs.
30.10.2026 | 1:43 minWenn solch eine Person am 3. Januar 2027, wenn erstmals der neue Kongress zusammentritt, den Eid leisten wolle, könnten andere Abgeordnete Einspruch einlegen. Vor diesem Hintergrund bekäme Trumps Äußerung im Wahlkampf eine große Bedeutung.
Da kommen auch bei mir Erinnerungen auf, an den 6. Januar 2021, als zahlreiche Republikaner die Zertifizierung der Wahl von Joe Biden verweigerten, Trump-Anhänger das Kapitol stürmten und hinterher auch uns Journalisten attackierten.
Ich bin Elmar Theveßen, ZDF-Korrespondent in Washington. Gemeinsam mit dem Team des auslandsjournals bringe ich Sie im letzten Newsletter vor den Midterms auf den aktuellen Stand rund um die US-Zwischenwahlen.
USA-News der Woche
Bild der Woche
Segen ja, Wahlwerbung nein?
Quelle: x.com/MargoMartin47Katholische Bischöfe beten im Oval Office gemeinsam mit dem Präsidenten. Unser Bild der Woche sieht nach kirchlichem Beistand im Wahlkampf aus.
Auf das gemeinsame Gebet folgten öffentliche Entschuldigungen. Mehrere Bischöfe erklärten, sie hätten ein privates Gespräch führen wollen - einer Veröffentlichung der Aufnahmen hätten sie nicht zugestimmt.
Der Präsident selbst schwärmte nach dem Treffen, es sei ein wirklich schönes Treffen gewesen. "Sie haben gebetet. Sie haben hauptsächlich gebetet."
Zitat der Woche
Ex-Präsident Barack Obama bei einem Wahlkampfauftritt in Michigan.
Rapperin Nicki Minaj und Audi-Chef Gernot Döllner auf Trumps Bühne, Barack Obama und Kamala Harris für die Demokraten im Einsatz: Im Wahlkampfendspurt sollen offenbar prominente Gesichter die Wählerinnen und Wähler mobilisieren.
Es sei wichtig, bei den Midterms die Notbremse zu ziehen, sagte der frühere Präsident Obama. Doch vor allem sein Spott über Trumps Umbauten am Weißen Haus sorgte für Aufsehen:
Überall nur noch mehr Gold. Er lässt das Weiße Haus so aussehen, als hätte Saddam Hussein eine Cheesecake-Factory-Filiale eröffnet.
Barack Obama, Ex-US-Präsident
25.10.2026 | 0:49 min
Midterms verstehen: Verlieren und trotzdem gewinnen?
Wir blicken zurück: Grundsätzlich muss ein Denkzettel bei den Midterms keine langfristige Niederlage für eine Partei bedeuten: 1994 verlor Bill Clintons Partei die Mehrheit im Repräsentantenhaus, 2010 erging es Barack Obama genauso. Beide demokratischen Präsidenten wurden zwei Jahre später wiedergewählt.
Was lässt sich aus fast 200 Jahren Wahlgeschichte für Trump ableiten? Unsere Reporterin Fränzi Meyer hat nachgeforscht.
Doku-Tipp fürs Wochenende
Wie ist die Stimmung im Land, wenige Tage vor den Zwischenwahlen? Wir haben mit eingefleischten Trump-Fans gesprochen, deren Begeisterung für den Präsidenten bröckelt. Auch die Demokraten ringen um ihren Kurs: Ist ein Linksruck die richtige Antwort?
Die neueste auslandsjournal-Doku Trumps Machtprobe unserer US-Korrespondenten sehen Sie im ZDF-Streamingportal und hier:
27.10.2026 | 29:38 min
Unser Podcast diese Woche
Wahlergebnisse anzweifeln, politische Gegner unter Druck setzen, um jeden Preis an der Macht bleiben: In unserer dieswöchigen Podcastfolge diskutieren wir, wie Donald Trump das Misstrauen gegen das Wahlsystem schürt, und blicken nach Israel, wo sich eine schwierige Regierungsbildung abzeichnet:
Von den Midterms in den USA bis zu Wahlen in Israel: Verschärft die Angst vor Machtverlust den politischen Kampf und die Polarisierung?
28.10.2026 | 64:43 minUnd zum Schluss: Im Laufe der Woche haben uns zahlreiche Ihrer Mails mit vielen wertschätzenden Worten erreicht - vielen herzlichen Dank! Wir freuen uns, gemeinsam mit Ihnen diesen Newsletter weiterzuentwickeln. Und wenn Ihnen gefällt, was Sie hier lesen, empfehlen Sie uns doch gerne weiter - an Freunde, Familie und alle, die die USA genauso spannend finden wie wir.
Aus gegebenem Anlass lesen Sie uns schon am Mittwoch wieder. Und auch eine Sonderfolge unseres Podcasts darf an diesem Tag nicht fehlen: Am 4. November um 14 Uhr sehen wir uns live auf dem ZDFheute-Account bei YouTube.
Viele Grüße
Elmar Theveßen und die auslandsjournal-Redaktion