Das Midterm-Muster:Warum die Partei des US-Präsidenten fast immer verliert
von Fränzi Meyer, Washington, D.C.
Die Midterm-Regel ist alt: Bei den Zwischenwahlen verliert die Partei des US-Präsidenten fast immer Sitze im Kongress. Warum das so ist und was die Regel für Donald Trump bedeutet.
Die Zwischenwahlen in den USA sind nur noch zwei Wochen entfernt. Besonders mit der Neuwahl des Repräsentantenhauses könnten die Midterms die weitere Amtszeit von US-Präsident Trump beeinflussen.
20.10.2026 | 1:40 minErst das Weiße Haus gewinnen, zwei Jahre später einen Dämpfer kassieren: Für US-Präsidenten ist das fast schon der normale Ablauf. Bei den Midterms steht der Präsident zwar nicht selbst zur Wahl, seine Partei verliert dabei aber häufig Sitze im Kongress.
Müssen sich auch Donald Trumps Republikaner darauf einstellen? Warum die Partei im Weißen Haus bei den Midterms so oft verliert und was die Geschichte über ihre Chancen im November verrät.
Donald Trump steht bei den Midterms nicht zur Wahl, doch sie sind ein Zwischenzeugnis für den Präsidenten. Laut Umfragen liefern sich Demokraten und Republikaner ein Kopf-an-Kopf-Rennen.
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Bei den Midterms werden alle Sitze im Repräsentantenhaus und etwa ein Drittel der Sitze im Senat neu vergeben. Zusammen bilden die beiden Kammern den US-Kongress. Die Partei des Präsidenten verliert bei den Zwischenwahlen meist Sitze. "Das ist in den USA ein sehr regelmäßiges Muster und das seit fast 200 Jahren", sagt Nick Beauchamp, Politikwissenschaftler an der Northeastern University. Dafür nennt er drei mögliche Erklärungen:
- Der Rückenwind fehlt: Ein Präsidentschaftskandidat kann Menschen zum Wählen motivieren, die sonst zu Hause bleiben würden. Wählen sie bei dieser Gelegenheit auch die Kongresskandidaten seiner Partei, profitieren diese mit. Bei den Zwischenwahlen steht der Präsident aber nicht selbst zur Wahl. Bleiben diese Wähler dann zu Hause, fehlen seiner Partei Stimmen.
- Ein Gegengewicht soll her: Manche Wähler wollen der Partei im Weißen Haus nicht zu viel Macht überlassen. Sie unterstützen deshalb die Opposition, um die Macht der dominierenden Partei auszubalancieren.
- Der Frust muss raus: Wer mit der wirtschaftlichen Lage oder der Regierungspolitik unzufrieden ist, kann die Präsidentenpartei bei den Midterms abstrafen.
Das historische Midterm-Muster in Zahlen
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Die Zahlen zeigen, wie deutlich der Effekt ausfallen kann: mal ein kleiner Rückschlag, mal ein heftiger Einbruch wie 2010. Damals gewannen die Republikaner bei den Midterms unter dem demokratischen Präsidenten Barack Obama 63 Sitze im Repräsentantenhaus.
Es gibt aber Ausnahmen: 1998 unter dem Demokraten Bill Clinton und 2002 unter dem Republikaner George W. Bush gewann die Partei des Präsidenten entgegen dem üblichen Muster Sitze im Repräsentantenhaus hinzu. Das Muster ist also deutlich - aber kein Naturgesetz.
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Die Geschichte spricht also gegen die Partei im Weißen Haus. Aber wie viel lässt sich daraus für Trumps Republikaner ableiten? Trumps niedrige Zustimmungswerte und die schlechte Verbraucherstimmung sprechen laut Beauchamp für größere Verluste. Allerdings verlieren Parteien mit großen Mehrheiten häufig auch mehr Sitze, erklärt der Politologe. Die knappe republikanische Mehrheit könnte seiner Einschätzung nach deshalb für geringere Verluste sprechen.
Lucas Holtz, politischer Berater bei Third Way, einer Denkfabrik aus dem moderaten Umfeld der Demokraten, zieht einen Vergleich zu den Midterms 2006. Das politische Umfeld und die damaligen Bedingungen seien "der heutigen Situation unheimlich ähnlich". Damals belasteten der Irak-Krieg, Korruptionsaffären und Sorgen um Wirtschaft und Benzinpreise die Republikaner unter George W. Bush. Die Demokraten gewannen Sitze hinzu und übernahmen die Mehrheit im Repräsentantenhaus. Heute sieht Holtz in Trumps niedrigen Zustimmungswerten und den hohen Lebenshaltungskosten ähnliche Risiken für die Präsidentenpartei.
Was das für die nächste Präsidentschaftswahl heißt
Doch selbst ein Erfolg der Demokraten bei den Zwischenwahlen würde die nächste Präsidentschaftswahl nicht vorentscheiden. 1994 holten die Republikaner die Mehrheit im Repräsentantenhaus. Der Demokrat Bill Clinton wurde 1996 trotzdem wiedergewählt. Auch Barack Obama gewann 2012 erneut, nachdem seine Demokraten bei den Zwischenwahlen 2010 die Mehrheit in dieser Kammer verloren hatten.
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Für die Republikaner und Trump, der gemäß US-Verfassung nach dieser zweiten Amtszeit zwar nicht mehr zum Präsidenten gewählt werden kann, ist das Midterm-Muster ein Warnsignal, für die Demokraten keine Siegesgarantie. Wähler können den Präsidenten am 3. November ausbremsen wollen und bei der Präsidentschaftswahl 2028 trotzdem wieder für seine Partei stimmen.
Fränzi Meyer ist Reporterin im ZDF-Studio Washington, D.C.
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