Kampf um US-Senat:Midterms: Wird ausgerechnet Texas für Trump zum Problem?
von Anne Sophie Feil, Washington, D.C.
Texas gilt seit Jahrzehnten als Hochburg der Republikaner. Doch ausgerechnet Donald Trumps Wunschkandidat könnte die Partei in den Midterm-Wahlen einen wichtigen Senatssitz kosten.
5.000 Dollar für jeden erwachsenen US-Amerikaner, Diesel aus Russland trotz Sanktionen: Mit allen Mitteln kämpft Donald Trump im Endspurt vor den Midterms um Stimmen.
15.10.2026 | 36:07 minSeit mehr als 30 Jahren hat in Texas kein Demokrat mehr eine landesweite Wahl gewonnen. Bei den Midterms am 3. November könnte sich das ändern.
In den Umfragen liegt der Demokrat James Talarico knapp vor dem Republikaner Ken Paxton. Für US-Präsident Donald Trump steht damit viel auf dem Spiel. Seine Republikaner kontrollieren derzeit den Kongress. Verlieren sie die Mehrheit im Senat, würde es für Trump schwieriger, seine politische Agenda durchzusetzen.
Texas galt lange als verlässlicher republikanischer Staat. Nun müssen die Republikaner um den Senatssitz kämpfen.
Warum Ken Paxton für die Republikaner zum Problem wird
Verantwortlich dafür ist auch die Kandidatenwahl. Der Generalstaatsanwalt Ken Paxton setzte sich in der republikanischen Vorwahl gegen den bisherigen Senator John Cornyn durch. Unterstützt wurde Paxton von Trump. Er vertritt rechts-konservative Positionen, darunter harte Einwanderungspolitik und Waffenrechte.
Es ist ein Stimmungstest für Trumps Politik: Bei den Midterms im November fürchten die Republikaner den Verlust ihrer Kongressmehrheit. Die Unzufriedenheit der Wähler ist zunehmend gewachsen.
07.10.2026 | 6:01 minDoch Paxton wird auch seit Jahren von juristischen und politischen Skandalen begleitet. Dazu zählen ein Verfahren wegen Wertpapierbetrugs, das mit einem Vergleich endete, und ein später gescheitertes Amtsenthebungsverfahren wegen Korruptionsvorwürfen. Innerhalb der eigenen Partei galt seine Kandidatur deshalb als Risiko.
Texas wird für Trump zum teuren Verteidigungskampf
Der überraschend enge Wahlkampf zwingt die Republikaner zu hohen Investitionen in Texas. Das Geld fließt vor allem in Fernseh- und Onlinewerbung, Angriffe auf politische Gegner und Kampagnen zur Mobilisierung der eigenen Wähler. Laut Politico stellen republikanische Gruppen mehr als 170 Millionen Dollar dafür bereit, in der Hoffnung, dass Paxton die Wahl gewinnt und die Partei den Senatssitz behält.
Bei den Zwischenwahlen bestimmen Wähler alle Sitze im Repräsentantenhaus und rund ein Drittel der Senatssitze neu. Ein grafischer Überblick.
02.10.2026 | 0:59 minPaxton beklagte bei einem Treffen mit Geldgebern im September den Einfluss aus Washington:
Ich habe noch nie an einem Wahlkampf teilgenommen, bei dem ich so wenig Kontrolle über den Wahlkampf hatte.
Ken Paxton, texanischer Politiker der Republikaner
Medienberichten zufolge griff die Parteiführung stärker in die Kampagne ein, um Paxtons politisches Risiko zu begrenzen. Partei und Kandidatenlager weisen das jedoch zurück.
Auf Paxtons Kritik am republikanischen Parteitag hin bezeichnete Trump den Texaner als "etwas umstritten", er könne "manchmal eine Nervensäge sein".
Der Demokrat, der Texas überraschend gewinnen könnte
Paxtons demokratischer Gegner James Talarico verfolgt eine andere Strategie. Der Landesparlamentarier verbindet progressive Sozialpolitik mit religiöser Sprache. Damit will er auch gemäßigte Konservative erreichen.
Während Talarico unter anderem für höhere Löhne und bezahlbare Gesundheitsversorgung eintritt, setzt Paxton auf Steuersenkungen und weniger Regulierung. Beide machen steigende Lebenshaltungskosten zum Wahlkampfthema.
Kandidaten vom linken Spektrum sind Hoffnungsträger der Demokraten. In Michigan hat Abdul El-Sayed Chancen den Senatssitz zu gewinnen. Aber es gibt auch Widerspruch.
19.10.2026 | 1:29 minAuch finanziell ist Talarico konkurrenzfähig. Politico zufolge sammelte er Rekordsummen an Spenden.
Steigende Inflation prägt den Wahlkampf
Dabei hatte Trump Texas bei der Präsidentschaftswahl 2024 noch mit knapp 14 Prozentpunkten Vorsprung gewonnen. Umso bemerkenswerter ist der enge Senatswahlkampf nur zwei Jahre später. Ein möglicher Grund sind die hohen Preise für Lebensmittel, Wohnen und Gesundheitsversorgung.
Auch in den wachsenden Vorstädten und unter hispanischen Wählern könnte die wirtschaftliche Lage eine wichtige Rolle spielen. Ob diese Gruppen tatsächlich stärker zu den Demokraten tendieren, lässt sich aus den vorliegenden Umfragen allerdings nicht eindeutig ablesen.
Ein Außenseiter könnte mitentscheiden
Eine zusätzliche Unbekannte ist Ted Brown. Der Libertäre hat bisherigen Umfragen zufolge zwar kaum Aussicht auf einen Sieg. In einem knappen Rennen zwischen Paxton und Talarico könnten seine Stimmen dennoch entscheidend werden. Welchem der beiden großen Kandidaten er mehr Stimmen abnimmt, bleibt offen.
Texas zeigt damit ein grundsätzliches Problem für die Republikaner: Ein Kandidat, der Trumps Anhänger mobilisiert, muss nicht automatisch die politische Mitte überzeugen. Sollte Talarico gewinnen, wäre dies ein außergewöhnlicher Erfolg für die Demokraten. Für Trump wäre es ein Signal, dass seine Unterstützung in republikanischen Hochburgen keine Garantie für einen Wahlsieg mehr ist.
Anne Sophie Feil ist Reporterin im ZDF-Studio Washington, D.C.
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