US-Bürger wählen Kongress:Wie viel Macht bleibt Trump? Vier Szenarien nach den Midterms
von Katharina Schuster, Washington D.C.
Die Midterms in den USA entscheiden darüber, wie viel politischen Spielraum Präsident Trump in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit hat. Vier mögliche Szenarien und ihre Folgen.
Donald Trump steht bei den Midterms nicht zur Wahl, doch sie sind ein Zwischenzeugnis für den Präsidenten. Laut Umfragen liefern sich Demokraten und Republikaner ein Kopf-an-Kopf-Rennen.
14.10.2026 | 7:11 minIn gut zwei Wochen entscheiden die US-Amerikaner, ob die restliche Amtszeit für Präsident Donald Trump ungemütlich wird. Am 3. November werden nämlich alle 435 Sitze des Repräsentantenhauses neu gewählt und ein Drittel des Senats.
Aktuell kontrollieren die Republikaner beide Kammern des Kongresses. Das verschafft Trump günstige Mehrheitsverhältnisse bei Gesetzesvorhaben, Personalentscheidungen und der Besetzung von Richterposten.
US-Senatoren vertreten die Interessen der Bürger ihres Bundesstaats im Senat. Der Senat muss Bundesgesetzen zustimmen, damit diese in Kraft treten. US-Senatoren haben zudem eine überwachende und beratende Funktion, indem sie etwa der Wahl hoher Regierungsbeamter, Richter oder Botschafter zustimmen müssen. Von den insgesamt 100 US-Senatoren sitzen für jeden Bundesstaat jeweils zwei Senatoren oder Senatorinnen im Senat, die für eine Amtszeit von sechs Jahren antreten.
Die 435 Mitglieder des Repräsentantenhauses werden alle zwei Jahre neu gewählt. Sie vertreten einzelne Wahlkreise innerhalb eines Bundesstaates und sind ebenfalls maßgeblich an der Gesetzgebung beteiligt. Das Repräsentantenhaus kann als einziges Organ Steuer- und Finanzgesetze vorschlagen und ein Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten einleiten.
Gouverneure sind die höchsten gewählten Exekutivvertreter ihrer Bundesstaaten und leiten die dortige Regierung. Zwar haben sie keinen direkten Einfluss auf die Bundesgesetzgebung, sind ihrem Bundesstaat jedoch für Bildung, Infrastruktur, Strafrecht und das Gesundheitswesen verantwortlich - im US-System weitreichende Befugnisse. In fast allen Bundesstaaten beträgt die Amtszeit der Gouverneure vier Jahre, nur in New Hampshire und Vermont sind es zwei Jahre.
Entscheidend ist deshalb nicht nur, welche Partei bei den Midterms die meisten Sitze gewinnt, sondern welche Kammer Republikaner und Demokraten danach kontrollieren. Vier Szenarien.
Szenario 1: Die Republikaner behalten beide Kammern
Für Trump wäre das die bestmögliche Nachricht und eine Bestätigung seiner Präsidentschaft, auch "für die kontroversen Teile seiner Politik", erklärt US-Politikwissenschaftler Julian Müller-Kaler im Gespräch mit ZDFheute.
Es wäre der ultimative Beweis dafür, dass der Trumpismus inzwischen ein elementarer Bestandteil der amerikanischen Bevölkerung ist.
Julian Müller-Kaler, US-Politikwissenschaftler
Durch die Öffnung zu neuen Wählerschichten habe Trump die "Grand Old Party" faktisch zur "Trump Old Party" gemacht, so Müller-Kaler. Ein solcher Wahlausgang würde seine Kontrolle über die Republikanische Partei weiter festigen und es ihm ermöglichen, seinen Kurs fortzusetzen, Personal- und Richterentscheidungen durchzusetzen sowie eigene Gesetzesvorhaben, besonders bei Budgetverhandlungen, voranzubringen.
Für die Demokraten wäre dieses Szenario dagegen eine "absolute Katastrophe". Es würde zeigen, dass Trump und seine Regierung zwar unbeliebt sind, aber dennoch beliebter als die Demokraten. Die Folge wären eine grundlegende Selbstanalyse und personelle Neuaufstellung.
Bei den Midterms 2026 werden das Repräsentantenhaus und Teile des Senats neu gewählt. Welche Bedeutung hat die Wahl für US-Präsident Donald Trump?
04.09.2026 | 1:10 minSzenario 2: Demokraten gewinnen Repräsentantenhaus, Republikaner behalten Senat
Die Macht im Kongress wäre geteilt. Bei einer demokratischen Mehrheit könnte das Repräsentantenhaus die Regierung stärker kontrollieren und Untersuchungen anstoßen, während die Republikaner im Senat wichtige Kompetenzen behielten.
Müller-Kaler hält dieses Szenario derzeit für das wahrscheinlichste. Es wäre zwar ein Warnsignal für Trump und Ausdruck wachsender Unzufriedenheit mit seiner Politik, aber keine grundlegende Abkehr vom Trumpismus.
... ist Politikwissenschaftler und Experte für amerikanische Politik und transatlantische Beziehungen. Er leitet das "Strategic Foresight Hub" der Denkfabrik "Stimson Center" in Washington D.C. und ist "Associate Fellow" bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in Berlin.
Durch die republikanische Senatsmehrheit bliebe seine Regierung insbesondere bei Richterernennungen und Personalfragen vergleichsweise handlungsfähig. Den Demokraten wären damit "nach wie vor die Hände gebunden". Ihre Möglichkeiten zur Kontrolle und Mitbestimmung blieben begrenzt.
Wenn es nicht zu einer so genannten "blue wave", also einem deutlichen demokratischen Zugewinn in vielen Wahlkreisen kommt, dann wäre das ein durchaus akzeptables Ergebnis für Trump.
Julian Müller-Kaler, US-Politikwissenschaftler
Donald Trump steht bei den Midterms 2026 in den USA nicht zur Wahl. Doch es geht um die Mehrheit der Republikaner in Senat und Repräsentantenhaus - und damit auch um seine Macht.
09.09.2026 | 1:26 minSzenario 3: Republikaner behalten Repräsentantenhaus, Demokraten gewinnen Senat
Dieses Szenario hält Müller-Kaler für eher unwahrscheinlich. Auch hier wäre die Macht im Kongress geteilt. Für die Demokraten wäre der Senatssieg jedoch besonders wichtig, weil sie bei Bundesrichter- und Personalentscheidungen mitreden könnten.
Für Trump hätte das spürbare Folgen: Die Demokraten könnten künftig sogar "Trump-Kandidaten verhindern".
Das würde den Demokraten die Möglichkeit geben, gerade im Hinblick auf Nominierungsverfahren, dem Präsidenten einen Strich durch die Rechnung zu machen.
Julian Müller-Kaler, US-Politikwissenschaftler
Politisch wäre ein solcher Wahlausgang "eine verhaltene Abrechnung mit der trumpschen Politik", so Müller-Kaler. Zudem würde ein demokratischer Erfolg, gerade in traditionell republikanisch geprägten Staaten wie Texas, als starkes Signal für die Präsidentenwahl 2028 gelten und den anstehenden Wahlkampf nachhaltig verändern.
Einige wenige Duelle entscheiden bei den US-Midterms über die politische Machtverteilung in Amerika. An diesen Kandidaten hängen die Mehrheitsverhältnisse im Kongress.
18.09.2026 | 1:17 minSzenario 4: Demokraten gewinnen beide Kammern
Dieses Szenario würde Trump am stärksten unter Druck setzen und als klare Abkehr von seiner Politik gelten. Der unbeliebte Iran-Krieg und die damit verbundenen Preissteigerungen hätten die öffentliche Stimmung zuletzt deutlich gegen ihn verschoben, so Müller-Kaler.
Mit neuen Mehrheiten könnten die Demokraten Untersuchungsausschüsse vorantreiben, mehr Informationen von der Regierung verlangen und die Kontrollfunktion des Kongresses stärken. Auch die Gesetzgebung, insbesondere bei Budgetfragen, würde für die Republikaner deutlich schwieriger.
Trump konnte die vergangenen zwei Jahre quasi durchregieren. Das würde sich ändern.
Julian-Müller-Kaler, US-Politikwissenschaftler
Bei den Zwischenwahlen bestimmen Wähler alle Sitze im Repräsentantenhaus und rund ein Drittel der Senatssitze neu. Ein grafischer Überblick.
02.10.2026 | 0:59 minTrump wäre innerhalb der Republikaner nicht mehr das Maß aller Dinge, und Parteikollegen würden sich eher von ihm distanzieren. Eine "Blue Wave", also ein deutlicher Sieg der Demokraten in beiden Kongresskammern, wäre daher auch innerhalb der Republikanischen Partei mit Machtverlust für Trump verbunden und könnte Folgen für die Präsidentenwahl 2028 haben.
Als politisches Spielfeld bliebe dem Präsidenten vor allem die Außenpolitik, möglicherweise mit konträren Effekten, warnt Müller-Kaler:
Ein impulsiver Präsident, der nichts mehr zu verlieren hat, könnte die Welt in den nächsten zwei Jahren durchaus in Atem halten.
Julian-Müller-Kaler, US-Politikwissenschaftler
Katharina Schuster ist Korrespondentin im ZDF-Studio in Washington D.C.
Lassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
Mehr zu den Midterms
- Analyse
Kongresswahlen in den USA:Warum die Midterms für Trump und die USA so wichtig sind
Katharina Schuster, Washington D.C.mit Video1:10 Neuzuschnitt von US-Wahlkreisen:Der Wahlkreis-Krieg war entschieden - dann kam Trump
Julian Schmidt-Farrent, Washington, D.C.mit Video1:17Wo die US-Midterms gewonnen werden:Der Kampf um die "Battlegrounds" spitzt sich zu
von Tina Andrechtmit Video1:17Strategen, Strippenzieher, Shootingstars:Diese Politiker könnten die US-Midterms entscheiden
von Tina Andrechtmit Video1:17