Kongresswahlen in den USA:Warum die Midterms für Trump und die USA so wichtig sind
von Katharina Schuster, Washington D.C.
Bei den Midterms steht US-Präsident Donald Trump nicht auf dem Stimmzettel. Und trotzdem steht bei den Kongresswahlen für den Republikaner einiges auf dem Spiel.
Welche Bedeutung hat die Wahl für US-Präsident Donald Trump?
04.09.2026 | 1:10 minEs ist der 16. März 2026. US-Präsident Donald Trump steht im Weißen Haus und spricht über Kuba. Auf die Frage, was die USA mit der Insel machen könnten, sagt er: "Ich denke, ich kann damit machen, was ich will."
Der Satz bezieht sich auf Kuba und doch beschreibt er, wie der 80-Jährige präsidiale Macht versteht. Die Frage ist: Wie weit trägt sein Verständnis von Macht tatsächlich?
US-Amerikaner wählen neuen Kongress
Die Antwort hängt auch davon ab, wer nach den Midterms den Kongress kontrolliert. Denn Trump regiert zwar in vielen Bereichen per Dekret und hat die Befugnisse des Präsidenten weit ausgelegt. Doch auch er ist auf den Kongress, also Repräsentantenhaus und Senat, angewiesen.
Denn das amerikanische System beruht auf "Checks and Balances": Präsident und Kongress teilen sich die politische Macht. Bei bestimmten Vorhaben kommt der Präsident am Kongress nicht vorbei.
Was sind die verschiedenen Rollen im US-System?
US-Senatoren vertreten die Interessen ihres Bundesstaats im Senat. Der muss Bundesgesetzen zustimmen, damit diese in Kraft treten. US-Senatoren haben zudem eine überwachende und beratende Funktion, indem sie etwa der Wahl hoher Regierungsbeamter, Richter oder Botschafter zustimmen müssen. Für jeden Bundesstaat sitzen zwei Senatoren oder Senatorinnen im Senat, insgesamt 100.
Die 435 Mitglieder des Repräsentantenhauses werden alle zwei Jahre neu gewählt. Sie vertreten einzelne Wahlkreise innerhalb eines Bundesstaates und sind ebenfalls maßgeblich an der Gesetzgebung beteiligt. Das Repräsentantenhaus kann als einziges Organ Steuer- und Finanzgesetze vorschlagen und ein Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten einleiten.
Gouverneure sind Staats- und Regierungschefs ihres jeweiligen Bundesstaates und leiten dort die Regierungsgeschäfte. Zwar haben sie keinen direkten Einfluss auf die Bundesgesetzgebung, sind ihrem Bundesstaat jedoch für Bildung, Infrastruktur, Strafrecht und das Gesundheitswesen verantwortlich - im US-System weitreichende Befugnisse.
Am 3. November wählen die US-Amerikaner einen neuen Kongress. Trumps Republikaner müssen ihre knappen Mehrheiten in beiden Kammern verteidigen. Die Demokraten versuchen, sie zurückzugewinnen.
Für den US-Präsidenten ist das entscheidend. Behält seine Partei beide Kammern, kann er seine Politik mit vergleichsweise wenig Widerstand fortsetzen. Verliert sie eine davon, bekommt er einen mächtigen Gegenspieler.
Für die USA war es ein ereignisreicher Sommer: 250-Jahrfeier, Fußball-WM, Iran-Krieg. Wie nutzt oder schadet Trump kurz vor den Mid-Terms die internationale Aufmerksamkeit?
22.07.2026 | 14:28 minWas für Präsident Trump auf dem Spiel steht
US-Politikwissenschaftler Jack A. Goldstone sieht deshalb in den Midterms eine Richtungsentscheidung für die letzten beiden Jahre von Trumps Präsidentschaft.
- Sollten die Republikaner ihre Mehrheiten verteidigen, hätte Trump weitgehend freie Hand für seine politische Agenda.
- Verlöre seine Partei dagegen eine oder beide Kammern, müsse sich Trump auf erheblichen Widerstand einstellen.
Eine demokratische Mehrheit im Repräsentantenhaus könnte Untersuchungen gegen die Regierung vorantreiben und bei den Staatsausgaben Druck auf das Weiße Haus ausüben.
Ein demokratischer Senat könnte wichtige Personalentscheidungen blockieren. Trump bliebe Präsident. Aber die politische Umgebung, in der er regiert, wäre eine andere.
Die hohen Preise in den USA sind weiterhin das laut Umfragen drängendste Problem des Landes. Werden steigende Lebenshaltungskosten die Zwischenwahlen im November entscheiden?
06.05.2026 | 1:26 minWie zufrieden ist die Wählerschaft mit der US-Regierung?
Gleichzeitig gelten Midterms historisch oft als Abstimmung über die bisherige Amtsführung des Präsidenten. Trumps Politik bei Wirtschaft und Außenpolitik steht dabei ebenso zur Debatte wie die hohen Lebenshaltungskosten.
Mehrere aktuelle Umfragen zeigen, dass ein großer Teil der US-Amerikaner das Land auf dem falschen Kurs sieht. Diese Stimmung könnte den Demokraten in die Hände spielen. Denn obwohl Trump das politische Gesicht der Republikaner bleibt, könnte gerade seine Präsidentschaft manche Wähler dazu bewegen, gegen Kandidaten seiner Partei zu stimmen.
Aktuelle Prognosen sehen die Demokraten mit Chancen, das Repräsentantenhaus zurückzugewinnen. Im Senat ist die Ausgangslage für sie schwieriger. Sicher ist deshalb keineswegs, dass die Republikaner ihre Mehrheit verlieren.
Bezahlbarkeit sei für die Amerikaner ein wichtiges Thema, sagt Ökonomin Claudia Schmucker. Durch die Zölle würden viele Waren jetzt aber teurer, was sich auf die Midterms auswirken könnte.
25.08.2026 | 8:44 minMidterms als Probelauf für die Wahl 2028?
US-Politologe Goldstone geht noch einen Schritt weiter. Für ihn entscheidet sich bei den Midterms nicht nur, wer den Kongress kontrolliert. Die Wahl sei auch ein Test dafür, wie weit die Regierung ihren Einfluss auf Wahlorganisation und staatliche Institutionen ausdehnen könne.
Die Trump-Regierung versucht unter anderem bei Briefwahl und Wählerlisten, ihren Einfluss auszuweiten. Dagegen gibt es Widerstand von Bundesstaaten und Gerichten.
Goldstone bezeichnet die Midterms deshalb als eine Art Probelauf für die Präsidentschaftswahl 2028. Was 2026 bei Wahlregeln, juristischen Auseinandersetzungen und den Grenzen präsidentieller Macht durchgesetzt wird, könnte später zum Präzedenzfall werden.
In seiner Rede an die Nation hat US-Präsident Donald Trump erneut Zweifel am US-Wahlsystem gesät. Warum tut er das und was heißt das für die anstehenden Zwischenwahlen im November?
21.07.2026 | 55:58 minMidterms mehr als Kräftemessen zwischen Parteien
Auch wenn Trump selbst nicht auf dem Stimmzettel steht, entscheiden die US-Amerikaner darüber, wie viel politischen Spielraum er in den letzten beiden Jahren seiner Amtszeit hat. Die Midterms sind deshalb mehr als ein Kräftemessen zwischen Republikanern und Demokraten.
Sie werden auch zum Test dafür, wie widerstandsfähig die amerikanischen Institutionen gegenüber einem Präsidenten sind, der die Grenzen seiner Macht möglichst weit auslegt.
Katharina Schuster ist Korrespondentin im ZDF-Studio in Washington D.C.
Lassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
Mehr zu den Midterms
- Analyse
Manipulations- und Betrugsvorwürfe:Warum Trump jetzt wieder Zweifel am US-Wahlsystem sät
mit Video11:45 Kann Trump weiterregieren wie bisher?:Die wichtigsten Daten zu den Midterms in den USA
von Luis Schwenkmit Video1:10Vor den US-Zwischenwahlen:Trump zieht im Streit um Briefwahl erneut vor Supreme Court
mit Video14:28Kampf um US-Wahlbezirke:Das Schachspiel um die Midterms hat längst begonnen
Julian Schmidt-Farrent, Washington, D.C.mit Video0:28