Zwischenbilanz für den US-Präsidenten:Trump vor den Midterms: Was Wähler so unzufrieden macht
von Fränzi Meyer, Washington, D.C.
Die US-Wirtschaft steht nicht schlecht da, trotzdem ist die Stimmung der Amerikaner dazu so schlecht wie seit Jahren nicht. Warum? Und was bedeutet das für die Midterms?
Vor zwei Jahren wurde Donald Trump zum zweiten Mal zum US-Präsidenten gewählt. Jetzt ist Halbzeit: die Midterms stehen an.
Quelle: epa"Wenn ich die Wahl gewinne, werden wir sofort einen völlig neuen Trump-Wirtschaftsboom beginnen", sagte Donald Trump schon bei einer Kundgebung im August 2024 in North Carolina - und danach immer wieder. Doch knapp zwei Jahre nach seiner Rückkehr ins Weiße Haus ist davon kaum etwas zu spüren.
Und jetzt steht der erste große Stimmungstest für den Präsidenten an: In einem Monat finden in den USA die Midterms statt. Bei den Zwischenwahlen am 3. November entscheiden die Amerikaner darüber, welche Partei in den kommenden zwei Jahren die Mehrheit im Kongress hat.
Für Trump sind die Midterms damit auch eine Zwischenbilanz seiner bisherigen Amtszeit. Und die fällt bislang nicht besonders gut aus: Seine Zustimmungswerte im September sind so schwach wie noch nie in seiner politischen Karriere.
USA: Bei den Midterms Anfang November könnten die Republikaner ihre Mehrheit im Kongress an die Demokraten verlieren. US-Präsident Trump sorgt mit einem ungewöhnlichen Versprechen für Aufsehen.
10.09.2026 | 1:40 minGroßes Wählerthema: Das teure Leben
Ein wichtiger Teil der Erklärung dafür liegt im Portemonnaie. Dass die wirtschaftliche Lage vielen Amerikanern Sorgen bereitet, zeigt sich auch beim Verbrauchervertrauen, also schlicht der Stimmung rund ums Geldausgeben. Im September ist der Wert auf den niedrigsten Stand seit mehr als zehn Jahren gefallen. Er liegt sogar unter dem Niveau während der Corona-Pandemie.
- Das Wirtschaftswachstum: Die Wirtschaft wächst weiter, zuletzt allerdings weniger stark. Bislang lag das Wachstum der Wirtschaft bei ungefähr zwei Prozent pro Jahr, langsamer als während der Amtszeit von Joe Biden.
- Die Arbeitslosigkeit: Die Arbeitslosenquote bleibt auf einem vergleichbaren Niveau.
- Die Inflation: Die Inflation ist zuletzt wieder deutlich gestiegen. Hinzu kommen höhere Energiekosten. Im Sommer war die Inflation zwischenzeitlich etwas zurückgegangen.
Auch wenn die Zahlen nicht herausragend sind: Grottenschlecht sind sie nicht. Warum also ist die Stimmung so schlecht?
Die Zeichen zwischen Kanada und EU stehen auf Annäherung – von der Leyen hatte gestern von einer "assoziierten" EU-Mitgliedschaft für Kanada gesprochen. Nun droht Trump mit möglichen Sanktionen.
17.09.2026 | 0:23 minDie Zahlen erzählen nur die halbe Geschichte
Für den Politikwissenschaftler David Doherty von der Loyola University Chicago ist das ein klassischer Fall von "retrospektives Wählen". Gemeint ist damit: Wähler beurteilen einen Präsidenten zu einem großen Teil danach, wie sie die Lage im Land wahrnehmen. Was ein Kandidat für die Zukunft verspricht, ist dabei weniger wichtig. Geht es den Menschen gut, profitiert tendenziell auch die Regierungspartei. Geht es ihnen schlecht, kann sie dafür abgestraft werden.
Dass Wähler amtierende Präsidenten und deren Parteien für die wirtschaftliche Lage belohnen oder abstrafen, ist ein lang bekanntes Muster.
David Doherty, US-Politikwissenschaftler
Das erklärt, warum Trumps Problem nicht allein in einzelnen Wirtschaftsdaten steckt, sondern darin, was die Menschen im Alltag erleben: Lebensmittel und Benzin sind für viele spürbar teurer als noch vor einigen Jahren. Ob das Anzapfen der Diesel- und Ölreservern der G7 auf Druck Trumps dafür sorgt, dass die Preise dauerhaft sinken, ist unklar. Ebenso, ob der erwartete Effekt bis zum Wahltermin durchschlägt und von den US-Wählern Trump zugerechnet wird.
Zudem bewegten die Wähler auch andere Sorgen, etwa wie Künstliche Intelligenz den Arbeitsmarkt verändern könnte, erklärt Doherty.
Bezahlbarkeit sei für die Amerikaner ein wichtiges Thema, sagt Ökonomin Claudia Schmucker. Durch die Zölle würden viele Waren jetzt aber teurer, was sich auf die Midterms auswirken könnte.
25.08.2026 | 8:44 minTrump wird an seinen Versprechen gemessen
Für die wirtschaftliche Lage machen Wähler häufig den Präsidenten und seine Partei verantwortlich. Dabei hätten Präsidenten keinen Knopf mit der Aufschrift "Preise senken" oder "mehr Arbeitsplätze schaffen", den sie einfach drücken könnten, so Doherty.
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Verstehen, was in den USA passiert: Alles Wichtige zu den Midterms, Trumps Politik und den Folgen für Europa und die Welt – eingeordnet von unseren Korrespondenten. Jetzt abonnieren!Diesmal aber lassen sich einige der Probleme, über die sich die Wähler ärgern, zumindest teilweise mit Entscheidungen Trumps verbinden. Dazu gehören auch die Folgen seiner Zollpolitik, die den Preis importierter Waren erhöhen kann.
Doherty nennt vor allem die Benzinpreise und die Inflation. Bei den Benzinpreisen sei die Verbindung zu Trumps Politik besonders deutlich. Der Anstieg sei auf Trumps Entscheidung zurückzuführen, einen Konflikt mit Iran zu beginnen: "Eine politische Entscheidung, die zudem seinen früheren Versprechen widerspricht, keinen Krieg aus freien Stücken zu beginnen", macht der US-Politikwissenschaftler deutlich.
Damit rücken Trumps eigene Versprechen in den Mittelpunkt: Es geht darum, ob das Leben für die Amerikaner tatsächlich günstiger wird und ob sich der Präsident an seine Zusagen hält.
Einige wenige Duelle entscheiden bei den US-Midterms über die politische Machtverteilung in Amerika. An diesen Kandidaten hängen die Mehrheitsverhältnisse im Kongress.
18.09.2026 | 1:17 minTrump steht nicht auf dem Wahlzettel
Trump wird im November aber gar nicht gewählt. Bei den Midterms entscheiden die Amerikaner darüber, welche Partei in den kommenden zwei Jahren die Mehrheit im Kongress hat.
Trumps schlechte Zustimmungswerte sind deshalb vor allem relevant, weil sie auf seine Partei ausstrahlen können. Sie bedeuten allerdings nicht automatisch, dass unzufriedene Republikaner zu den Demokraten wechseln. Eine Stimme für die andere Partei könne sich für viele wie ein Verrat am eigenen "Team" anfühlen, so Doherty.
Wenn ich republikanischer Stratege wäre, würde ich mir viel mehr Sorgen über eine Mobilisierungslücke machen.
David Doherty, US-Politikwissenschaftler
Enttäuschte Republikaner könnten also auch einfach zu Hause bleiben.
Trump droht, bei den Zwischenwahlen die Mehrheit im Kongress zu verlieren. Deshalb versucht er, mit allen Mitteln Zweifel an den Regeln zu säen. Vor allem die Briefwahl hat er im Fokus.
16.09.2026 | 10:55 minEntscheidend ist nicht nur, wer unzufrieden ist
Je unzufriedener die Amerikaner mit einem Präsidenten sind, desto mehr Sitze verliert seine Partei bei den Midterms im Repräsentantenhaus tendenziell. Dieses Muster zeigt sich laut Doherty immer wieder in der Geschichte. Für die Midterms zählt aber neben der Stimmung im Land auch, welche Kandidaten antreten, welche Themen den Wahlkampf bestimmen und wie die Wahlkämpfe geführt werden.
Für Trump bleibt ein grundsätzliches Problem: Er hat den Wählern bezahlbareres Leben versprochen. Jetzt wird er daran gemessen, ob die Menschen dieses bessere Leben tatsächlich spüren.
Fränzi Meyer ist Reporterin im ZDF-Studio Washington, D.C.
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