US-Midterms 2026:Wie die Demokraten Trump schlagen wollen
von David Sauer
Zwischen linkem Aufbruch und pragmatischer Mitte suchen die US-Demokraten ihren Kurs. Der Wahlkampf zeigt, dass das Erfolgsrezept mancher Kandidaten anderswo Widerstand erzeugt.
Donald Trump steht bei den Midterms nicht zur Wahl, doch sie sind ein Zwischenzeugnis für den Präsidenten. Laut Umfragen liefern sich Demokraten und Republikaner ein Kopf-an-Kopf-Rennen.
14.10.2026 | 7:11 minMehr als 1.500 Menschen drängen sich an diesem Oktoberabend in Port Huron, Michigan. Normalerweise stehen die Menschen an der Halle nur für Eishockey Schlange. Heute wollen sie Abdul El-Sayed sehen, den demokratischen Kandidaten für den US-Senat. In einer Region, die einst von der Industrie geprägt war und sich mit deren Niedergang nach rechts bewegt hat, ist das bemerkenswert. 2024 gewann Donald Trump hier, in St. Clair County, mit 34,6 Prozentpunkten Vorsprung.
El-Sayed spricht über Preise, Zölle und Gesundheitsversorgung. "Es sollte nicht so schwer sein, eine zweite Tüte Lebensmittel zu bezahlen", ruft er der Menge zu. Der Sohn ägyptischer Einwanderer verspricht eine Krankenversicherung für alle und höhere Steuern für Reiche. Zugleich attackiert er Trump wegen des Krieges, den die USA gegen Iran führen.
Der linke Politiker Abdul El-Sayed gewann im August im US-Bundesstaat Michigan die Kandidatur für die Wahlen im November.
06.08.2026 | 1:05 minEl-Sayed hat die demokratische Vorwahl ohne Unterstützung der Parteiführung gewonnen. Seine scharfe Israel-Kritik mobilisiert Teile der jungen Wählerschaft, stößt aber auch auf Widerspruch. Er steht damit für eine Richtungsfrage, die die Demokraten landesweit beschäftigt: Wie viel Linkskurs verträgt die Partei, und wie viel braucht sie, um Trump die Macht streitig zu machen?
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Nach der Niederlage bei der Präsidentschaftswahl 2024 sucht die Partei noch immer nach einer überzeugenden Linie. Für die Midterms am 3. November wittern die Demokraten die Chance, die Mehrheit in mindestens einer, womöglich beiden Kammern des Kongresses zurückzugewinnen. Doch ein gemeinsames Erfolgsrezept ist nicht in Sicht.
In Georgia kämpft Jon Ossoff um seinen Senatssitz, im konservativen Texas liegt James Talarico überraschend gut im Rennen. In North Carolina setzt Roy Cooper auf einen moderateren Kurs. Zugleich treiben die Democratic Socialists of America und Politikerinnen wie Alexandria Ocasio-Cortez die Partei nach links.
In den Vororten von Detroit versuchen Debbie und Sandra, demokratische Wähler von Tür zu Tür zu mobilisieren. Auch hier gibt es Vorbehalte gegen El-Sayed. Doch für den Anwohner Buck steht zunächst etwas anderes im Vordergrund: Trump müsse kontrolliert werden, um die Demokratie zu schützen. "Deshalb werde ich für Abdul stimmen, keine Frage. Die Meinungsverschiedenheiten werden wir im Laufe der Zeit klären."
Die Frauen setzen auf persönliche Gespräche. Wer Menschen direkt anspreche, erreiche sie auch bei Themen, über die sie mit Fremden nur ungern redeten, sagt Sandra.
Sie sind entscheidend für Mehrheiten und prägen damit auch Donald Trumps politische Zukunft: Diese Politiker könnten die Wahlen entscheiden.
18.09.2026 | 1:17 minDer Linkskurs birgt Risiken
Ein landesweiter Linksschwenk würde in der viel beschworenen Mitte Stimmen kosten. Der Ökonom Rudi Bachmann von der University of Michigan hält es für entscheidend, die Kandidaten und Programme auf die jeweiligen Regionen zuzuschneiden. Vor den Midterms gehe es um unterschiedliche Wahlen, unterschiedliche Wählerschaften. Aber:
Nach den Midterms braucht man einen Prozess, einen Kandidaten, der das zusammenführen kann und in ein Narrativ verbinden kann.
Rudi Bachmann, Ökonom an der University of Michigan
Die Vielfalt der Kandidaten könnte also eine Stärke sein. Sie bietet dem politischen Gegner allerdings auch eine Angriffsfläche. Trump warnt vor "Kommunisten" und "Sozialisten", die angeblich die Demokratische Partei kontrollierten. Der Kommunismus-Vorwurf ist ein alter Kampfbegriff der US-Politik. In Südflorida aber trifft er auf eine Wählerschaft, für die er konkrete historische Bedeutung hat.
Bei den Midterms 2026 werden das Repräsentantenhaus und Teile des Senats neu gewählt. Welche Bedeutung hat die Wahl für US-Präsident Donald Trump?
04.09.2026 | 1:10 minEin Reizwort mit Geschichte
Rund um Miami leben mehr als eine Million Menschen kubanischer Herkunft. Viele Familien verbinden Sozialismus mit Enteignung, Armut und politischer Unfreiheit unter Fidel Castro. Für viele aus dieser Gruppe ist das Etikett "Sozialist" deshalb ein Ausschlusskriterium.
Damit steht die demokratische Opposition vor einem Dilemma: Sie muss Wähler zurückgewinnen, die unter hohen Lebenshaltungskosten leiden, zugleich darf sie in Regionen, in denen sozialistische Positionen auf tiefes Misstrauen stoßen, nicht den Anschluss verlieren.
David Sauer ist ZDF-Korrespondent im ZDF-Studio Washington, D.C.
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