Schwachstellen im US-Wahlsystem:Mit Manipulation und Tricks in die US-Midterms
von Tina Andrecht
Wie frei und fair sind Wahlen in den USA? Im Großen und Ganzen gilt das US-Wahlsystem als gut geschützt. Doch es gibt einige Wahlregeln, die Luft für Manipulation lassen.
Trump droht, bei den Zwischenwahlen die Mehrheit im Kongress zu verlieren. Deshalb versucht er, mit allen Mitteln Zweifel an den Regeln zu säen. Vor allem die Briefwahl hat er im Fokus.
16.09.2026 | 10:55 minBriefwahl = Mail-in Voting
Wenn es nach US-Präsident Trump ginge, würde er die Briefwahl wohl am liebsten ganz abschaffen. Der Streit ist politisch extrem aufgeheizt und beschäftigt noch kurz vor den Midterms die höchsten Gerichte. Geltendes Recht ist, per Brief abgegebene Stimmen werden teilweise noch nach dem Wahltag berücksichtigt. Entscheidend ist die Eingangsfrist des jeweiligen Bundesstaates oder der rechtzeitige Poststempel. Bei einzelnen Rennen können noch auszuzählende Briefwahlstimmen darüber entscheiden, wer die Mehrheit erhält.
Präsident Trump kritisiert die Briefwahl und behauptet, sie ermögliche Manipulation durch die Demokraten. Er bemängelt etwa fehlende Identitätskontrollen, potenzielle Phantomwähler und Beeinflussungsmöglichkeiten beim Einsammeln der Stimmen. Analysen zufolge gilt die Briefwahl zwar als sicher. Dennoch ordnete per Dekret im März an, den Versand von Briefwahlunterlagen strenger zu regeln, was im September aber gerichtlich blockiert wurde.
Das ist ein großer Verlust für die Republikaner und ganz Amerika. Es macht das Betrügen bei den Briefwahlunterlagen für die radikal linken "Dummokraten" zu einer viel leichteren Sache.
Donald Trump, US-Präsident
Die Briefwahl wird überdurchschnittlich häufig von demokratischen Wählern genutzt. In acht Bundesstaaten werden Briefwahlunterlagen standardmäßig an registrierte Wähler verschickt. Die meisten dieser Staaten sind demokratisch dominiert.
Bei den Zwischenwahlen bestimmen Wähler alle Sitze im Repräsentantenhaus und rund ein Drittel der Senatssitze neu. Ein grafischer Überblick.
02.10.2026 | 0:59 minEinsammeln von Briefwahlunterlagen = Ballot Harvesting
In vielen US-Bundesstaaten dürfen z.B. Familienangehörige, Betreuer oder Aktivisten die bereits ausgefüllten und versiegelten Briefwahlunterlagen einsammeln. Befürworter hoffen, damit die Wahlbeteiligung zu erhöhen. Das Einsammeln sei eine Hilfe für Ältere, Menschen mit Einschränkungen oder schwer erreichbare Wähler. Auch weil es oft zu wenige Briefkästen oder Wahllokale in abgelegenen Regionen gebe.
Die Kritiker - vor allem Donald Trump und die Republikaner - betonen die Gefahr von Nötigung. Wähler könnten gedrängt werden, für eine bestimmte Partei zu stimmen. Sie kritisieren auch, dass die Stimmzettel das offizielle Kontrollsystem verlassen. Unehrliche Sammler könnten z.B. unbeaufsichtigt Stimmzettel aus "gegnerischen" Vierteln unterschlagen.
Gerrymandering
Gerrymandering bezeichnet die gezielte Veränderung der Grenzen von Wahlkreisen zugunsten einer Partei. Hintergrund ist die Regel, dass jeder Wahlkreis (=District) einen Abgeordneten in das Repräsentantenhaus entsendet. Eine genaue Analyse des angenommenen Wählerverhaltens dient als Grundlage, die potenziellen Mehrheiten und Distriktgrenzen geschickt zu verteilen.
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Verstehen, was in den USA passiert: Alles Wichtige zu den Midterms, Trumps Politik und den Folgen für Europa und die Welt – eingeordnet von unseren Korrespondenten. Jetzt abonnieren!Prominente Beispiele sind Texas und North Carolina. Dort hat die republikanisch dominierte Gesetzgebung die Wahlkreise gezielt neu zugeschnitten, um der eigenen Partei deutliche Vorteile bei den anstehenden Midterms zu verschaffen. Im Gegenzug stießen die Demokraten in von ihnen regierten Bundesstaaten ebenfalls Neuzuschnitte von Wahlkreisen zu ihren Gunsten an. Prominent hier: Kalifornien -rechtzeitig für die Midterms, und New York - erst ab 2028.
Bei den Midterms 2026 werden das Repräsentantenhaus und Teile des Senats neu gewählt. Welche Bedeutung hat die Wahl für US-Präsident Donald Trump?
04.09.2026 | 1:10 minDer Neuzuschnitt von Wahlbezirken wurde vor keiner Wahl so exzessiv vorangetrieben wie bei dieser, vor allem von den Republikanern. Für Kritiker ist Gerrymandering Wahlmanipulation. Ob es zulässig ist, hängt unter anderem vom Recht des jeweiligen Bundesstaates ab.
Der Begriff Gerrymandering geht auf den US-Politiker Elbridge Gerry zurück. 1812 schuf er einen bizarr zugeschnittenen Wahlkreis, dessen Form an einen Salamander erinnerte. Das Kunstwort Gerry+salamander=Gerrymander war geboren.
Finanzierung der Wahlkämpfe: Campaign Finance und PACs
In den USA spielt das Geld eine zentrale Rolle beim Wahlkampf. Kandidaten, Parteien und Wahlkampf-Komitees geben oft Millionenbeträge für Werbung, Personal und Wählermobilisierung aus. Zulässige Privatpersonen, Unternehmen und Interessengruppen können teils enorme Summen spenden. Durch dieses System erhalten finanzstarke Interessengruppen erheblichen Einfluss. Die Rolle des Geldes und der Spenden ist daher ein Dauerthema in der US-Politik. Bei Midterms entscheiden oft wenige Stimmen über einen Sitz im Repräsentantenhaus, einen Senatssitz oder eine Gouverneurswahl. Deshalb investieren Komitees zur Wahlkampffinanzierung (sog. PACs und SuperPACs) teils hohe Summen in die umkämpften Staaten. So wollen sie unentschlossene Wähler z.B. mit Werbespots und Mobilisierungsaktionen beeinflussen.
PACs und Super-PACs:
PACs (=Political Action Committees) sind Organisationen, die Geld sammeln, um Wahlkämpfe und politische Ziele zu unterstützen. Ein normales PAC darf Geld direkt an Politiker spenden und sich direkt mit ihnen abstimmen. Ein PAC unterliegt strengen Spendenobergrenzen.
Super-PACs sind Wahlkampf-Komitees, die unbegrenzt Geld sammeln dürfen. Viele Super-PACs unterstützen eine Partei; andere fördern parteiübergreifend Kandidaten mit bestimmten politischen Positionen. Ein Super-PAC darf zwar unbegrenzt viel Geld von zulässigen Spendern (z.B. von Millionären, Firmen oder Verbänden) sammeln, aber das gesammelte Geld darf das Super-PAC nicht direkt an einen Wunsch-Kandidaten überweisen. Es darf die Kampagne auch nicht direkt mit dem Kandidaten abstimmen. Es gilt das Verbot der Koordinierung. Kritiker sehen hier aber viele "Grauzonen", wie eine Zusammenarbeit dennoch inoffiziell stattfindet.
Early Voting
In fast allen Bundesstaaten können die US-Bürger bereits Tage oder Wochen vor dem Wahltag ihre Stimme in geöffneten Wahllokalen abgeben. Das Early Voting hat an Bedeutung gewonnen: 2024 haben sich rund 30 Prozent der Wähler dafür entschieden. Kritiker bemängeln, dass Wahllokale für das Early Voting teils strategisch platziert werden, um Wählern in bestimmten Vierteln das Wählen zu erschweren. Zum Beispiel wenn es keine Wahllokale, zu wenige Wahllokale oder ungünstige Öffnungszeiten gibt.
Eine weitere Auswirkung auf den Wahlkampf hat das Early Voting über folgenden Mechanismus: Zwar wird nicht vorab veröffentlicht, welche Partei wo wie abschneidet, doch teilweise werden Beteiligungsdaten veröffentlicht. Diese geben den Wahlkampf-Komitees Hinweise, welche Wählergruppen noch mit personalisierter Werbung, Aufrufen und Haustürbesuchen gezielt beeinflusst werden können.
In den USA finden Anfang November die Kongresswahlen statt. Im Wahlkampf hat US-Präsident Trump jedem erwachsenen US-Amerikaner 5000 Dollar zugesichert, falls die Republikaner gewinnen.
10.09.2026 | 1:48 minWählerregistrierung = Voter Registration
Für die Wahl müssen sich die Bürger in vielen Bundesstaaten selbst registrieren, um wählen zu dürfen. Die Ausgestaltung dieser Regeln liegt weitgehend bei den einzelnen Bundesstaaten. Fehler oder versäumte Fristen können zur Nichtteilnahme führen. Republikaner fordern traditionell strengere Regeln. Sie argumentieren, dass ohne strikte Kontrollen Menschen ohne US-Staatsbürgerschaft oder Personen an mehreren Wohnorten illegal abstimmen könnten.
Kritiker bemängeln, dass die strengen Regeln und Fristen bestimmte Menschen von der Wahl abhalten - wie etwa junge Menschen, Personen mit häufigen Umzügen, einkommensschwächere Bürger oder Menschen, die politisch weniger aktiv sind. Vor diesen Midterms forcieren die Republikaner außerdem besonders intensiv die Bereinigung des Wählerverzeichnisses, u.a. um Nicht-Staatsbürger aus den Wählerverzeichnissen zu streichen. Die Demokraten kritisieren, dass dabei dieses Mal eine fehleranfällige Bundesdatenbank zum Einsatz kommt, die bei eingebürgerten US-Bürgern oft nicht auf dem neuesten Stand ist. So könnten auch immer wieder Menschen unrechtmäßig "gestrichen" werden.
Wer hat die Kontrolle im US-Kongress?:USA: Was bei den Midterms gewählt wird
Wähleridentifikation = Voter-ID
In der Mehrheit der Bundesstaaten wird bei der Stimmabgabe ein Identitätsnachweis verlangt oder erbeten. In den USA gibt es keine Ausweispflicht, das heißt nicht jeder hat ein gültiges Identifikationsdokument zu Hause. So nutzen beispielsweise viele US-Amerikaner ihren Führerschein als Ausweis.
Welche Dokumente und Ersatzverfahren zulässig sind, unterscheidet sich je nach Bundesstaat. Befürworter einer strikteren Wähleridentifikation sehen darin Schutz gegen Wahlbetrug. Kritiker befürchten, dass einzelne Gruppen dadurch von der Wahl ausgeschlossen werden; etwa Personen mit häufigem Wohnsitzwechsel, Ältere, Transpersonen oder Menschen mit geringem Einkommen, denen die Beschaffung der entsprechenden Dokumente aus verschiedenen Gründen schwerfällt.
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