Deutschlands Flüsse im Hitzestress:Wie steigende Temperaturen Rhein, Mosel und Elbe verändern
von Corinna Wirth
Lange Trockenphasen und hohe Temperaturen führen dazu, dass viele Flüsse zu wenig Wasser führen und sich stark erwärmen. Was das für Natur, Wirtschaft und Bevölkerung bedeutet.
Ein neues Informationssystem soll den deutschlandweiten Überblick bei Wasserknappheit bieten: Nutzer können verfolgen, wie sich Wasserstände in Flüssen entwickeln und wie trocken Böden wirklich sind.
15.07.2026 | 1:36 minMit der ersten Hitzewelle Ende Juni wurden in Rhein, Mosel und Elbe Rekordwerte von fast 30 Grad erreicht und die Wasserpegel sind dramatisch gesunken, was zu großen Einschränkungen im Schiffsverkehr führt.
Was steigende Temperaturen für den Rhein bedeuten
Der Rhein ist 1.233 Kilometer lang und erfüllt verschiedene Funktionen. Als einer der größten europäischen Binnenwasserstraßen fungiert er als wichtiger Verkehrsweg, an der sich zahlreiche Industrieunternehmen angesiedelt haben.
Er dient als Trinkwasserquelle und ist Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Zwar hat der Rhein verschiedene Zuflüsse wie Gletscher, Nebenflüsse und Niederschlag, führt allerdings immer wieder zu wenig Wasser. In heißen und sonnigen Perioden erwärmt sich das Flusswasser besonders schnell und verdunstet.
Die hohen Temperaturen und der geringe Niederschlag der letzten Wochen haben die Wasserstände in Flüssen und Talsperren merklich sinken lassen. Das ist auch für die Wasserversorgung ein Problem.
13.07.2026 | 1:30 minNiedrigwasser kann Trinkwasserversorgung belasten
Problematisch kann extremes Niedrigwasser auch für die Trinkwasserversorgung werden, wenn die Einleitungen aus Industrie und Kläranlagen nicht reduziert werden. Die Konzentration an Schadstoffen, Bakterien, Viren und Mikroorgansimen verdichten sich dann.
Jeder vermiedene Schadstoffeintrag ist eine Investition in sicheres und bezahlbares Trinkwasser.
Henry Tünte, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V.
Vielerorts stammt das Trinkwasser aus Uferfiltrat: Es wird in Brunnen nahe Flüssen oder Seen gewonnen und enthält zu einem großen Teil Wasser aus diesen Gewässern. Das könnte jedoch zum Problem werden, warnt Henry Tünte vom Verein Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland.
Schon 2025 brachte extremes Niedrigwasser die Schifffahrt in Dömitz an der Elbe zum Erliegen. Boote und Stege lagen auf dem Trockenen, der Hafen blieb bis zur Besserung der Lage geschlossen.
14.07.2025 | 1:24 minHohe Temperaturen gefährden Ökosysteme der Flüsse
Mit den steigenden Wassertemperaturen verringert sich der Sauerstoffanteil im Wasser. Doch dieser ist ein wesentlicher Faktor für das Überleben von Tier- und Pflanzenwelt in Flüssen.
Werden 28 Grad Wassertemperatur überschritten, werde es für viele Fischarten bereits lebensbedrohlich, da Organismen mit steigenden Temperaturen mehr Sauerstoff benötigen, erklärt Julia Kleinteich von der Bundesanstalt für Gewässerkunde. Das betreffe nicht nur Fische, sondern auch Schnecken, Muscheln und Wasserinsekten.
Gleichzeitig werde durch die hohen Temperaturen die Ausbreitung von invasiven Arten, wie zum Beispiel der Schwarzmundgrundel, begünstigt. Langfristig geht Kleinteich davon aus, dass es dadurch zu einer Artenverschiebung kommen wird, das kann bedeuten, dass Tiere abwandern oder aussterben.
Steigende Wassertemperaturen setzen auch der Mosel zu
Die Mosel gehört zu den wichtigsten Wasserstraßen Europas. Anders als der Rhein regulieren zahlreiche Staustufen die 392 Kilometer lange Wasserstraße, zwölf davon befinden sich allein in Deutschland.
In Zusammenarbeit mit den Bundes- und Landesämtern in der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) und der Bundesanstalt für Gewässerkunde wurde das Niedrigwasserinformationssystem, kurz NIWIS, online gestellt. Es bietet einen Überblick über die aktuelle Niedrigwassersituation und Hintergrundanalysen, aktuelle Messdaten zu Grundwasser und Oberflächengewässern und ist für jeden zugänglich.
Da die Mosel weniger Wasser führt als beispielsweise der Rhein, erwärmt sie sich schneller als andere Flüsse. Das führt dazu, dass in Rheinland-Pfalz Handlungskonzepte greifen und Firmen mit hohem Kühlwasserbedarf ihre Produktion stark einschränken müssen.
Dürre und Niedrigwasser am Rhein: Was bedeutet das für Deutschlands wichtigste Wasserstraße? Die Folgen für Umwelt, Wirtschaft und die Menschen.
04.09.2022 | 28:43 minBlaualgen breiten sich in der Mosel aus
In der Mosel bilden sich seit mehreren Jahren vor allem im Spätsommer Blaualgen. Hohe Temperaturen, intensive Sonneneinstrahlung und das aufgestaute Wasser begünstigen die Bildung von Blaualgen. Diese setzen giftige Stoffe frei und sind deshalb für Mensch und Tier gesundheitsschädlich und führen zu Haut- und Augenirritationen.
Die Staustufen führen außerdem dazu, dass Wasserlebewesen in solchen Extremsituationen nicht ausweichen können. Die Bachforelle beispielsweise benötigt kühles und fließendes Wasser und kann so dem Wärmestress nicht entrinnen.
Hitzewellen mit Hitzerekorden, wie solche Ende Juli, "hat es bisher nicht gegeben", sagt ZDF-Meteorologe Özden Terli. Durch das CO2 in der Atmosphäre werden die Temperaturen "immer weiter steigen".
28.06.2026 | 2:05 minElbe: Klimawandel bedroht Auenlandschaften
Entlang der 1.094 Kilometer langen Elbe befinden sich teils Hartholz-Auenwälder. Sie sind als natürliche Überflutungsflächen Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten und regulieren indirekt den Wasserhaushalt von Flüssen. Sie nehmen Wasser auf, speichern es und geben es kontinuierlich an die Flüsse wieder ab. Darüber hinaus sind sie CO2-Speicher.
Allerdings sind auch sie durch die Hitze und Trockenheit bedroht, erklärt Meike Kleinwächter vom BUND-Auenzentrum.
Der Schutz unserer Flüsse und Auen gelingt nur mit wirksamen Niedrigwasserkonzepten und einem stärkeren Wasserrückhalt in der Fläche.
Meike Kleinwächter, Leiterin BUND-Auenzentrum
Mit der anhaltenden Trockenheit sinkt der Grundwasserspiegel in Flussnähe und die Wurzeln der Bäume und Pflanzen können nicht mehr versorgt werden und sterben ab.
Corinna Wirth ist Redakteurin in der ZDF-Umweltredaktion.
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