Kaum drei Meter tief:Welche Folgen der niedrige Pegel des Bodensees hat
von Jasmin Astaki-Bardeh
Nur knapp drei Meter - statt rund vier wie gewöhnlich um diese Jahreszeit: Der Wasserpegel am Bodensee ist aktuell extrem niedrig. Das hat spürbare Folgen für Menschen und Tiere.
Der Bodensee führt ungewöhnlich wenig Wasser. Trockenheit und fehlende Schneeschmelze belasten Schifffahrt und Tierwelt, Badegäste kämpfen mit dickem Schlick.
01.06.2026 | 1:35 minSo breite Strände waren hier noch nie im Juni. Das Wasser des Bodensees ist meterweit entfernt. Für viele Besucher im Strandbad Iznang bedeutet das vor allem eines: eine gefühlte Ewigkeit durch knöchelflaches Nass waten. Bei den heißen Sommertemperaturen keine wirkliche Abkühlung.
Besucher Frank Hänserle macht das nachdenklich - vor allem mit Blick auf die Natur. Auch Karin Schneider ist besorgt:
Ich habe halt mitgekriegt, viele Vögel brüten nicht dieses Frühjahr, denn die Brutplätze liegen im Trocknen.
Karin Schneider, Bodensee-Besucherin
Niedrigwasser am Bodensee ist eigentlich ein Winterphänomen. Weniger Schnee in den Alpen bedeutet: Auch im Sommer fehlt jetzt Wasser. In diesem Jahr kommt hinzu, dass es bislang wenig geregnet hat. Die Pegel schwanken stärker als früher.
Diesen Frühling regnet es zu wenig, vor allem im Norden und Nordosten gibt es Dürre-Warnungen. In Ungarn kämpfen Landwirte mit den trockenen Böden, in Polen herrscht teils höchste Waldbrandgefahr.
30.04.2026 | 1:54 minSeenforscher: Trend zu extremen Pegeln
Für den Seenforscher Martin Wessels ist das kein Zufall, sondern ein klarer Trend. Erst im vergangenen Jahr lag der Wasserstand ungewöhnlich niedrig, im Jahr davor gab es ein fast 20-jähriges Hochwasser.
Man sieht also, diese extremen Ereignisse nach oben und nach unten, das nimmt offenbar zu.
Martin Wessels, Seenforschung Langenargen
Die Folgen sind vielfältig. Tiere müssen sich neue Lebensräume suchen. Bei manchen Arten gehen Bruten verloren, weil Nester austrocknen oder zerstört werden. Auch die Schifffahrt ist betroffen: Einige Schiffe können Häfen derzeit am Ufersteig nicht mehr anfahren.
Sind unsere Seen noch zu retten? Im Osten Deutschlands trocknen sie aus, Baggerseen sind biologisch tot, und in den Alpen droht den Gletscherseen zu viel Wasser.
10.10.2021 | 25:09 minFolgen für Tiere, Schifffahrt, Tourismus
Laut Wessels löst das Niedrigwasser im Sommer eine ganze Kette von Reaktionen aus. Die Wellen des Boots- und Schiffsverkehrs würden auf einen ganz anderen Wasserstand am Ufer treffen.
Diese Wellen wirken dort, wo sie normalerweise nicht wirken würden. Das kann Folgen haben: Es wird Material erodiert, es können Denkmäler beispielsweise freigelegt werden und es können Fischlaich-Habitate von Barschen beeinflusst werden.
Martin Wessels, Seenforschung Langenargen
Noch aber kann der Bodensee solche Schwankungen ausgleichen, sagt Wessels. Das Ökosystem gilt insgesamt als stabil.
Der Europäische Klimazustandsbericht zeigt, dass sich seit 1980 Europa deutlich schneller erhitzt als der globale Durchschnitt. Rekordhitze, Waldbrände und Dürren sind die Folgen.
29.04.2026 | 1:37 minMit sinkendem Wasser steigt der Druck, sich anzupassen. Die ganze Region muss sich etwas einfallen lassen, wenn sie weiterhin vom Tourismus leben möchte. Das weiß auch Bootsverleiher Felix Lang. Er ist am See aufgewachsen, will sich den Veränderungen stellen:
Man muss jetzt nicht einfach den Kopf in den Sand stecken, sondern es gibt ja kreative Lösungen, wie einfach den Steg zu verlängern.
Felix Lang, Bootsverleiher
Seine Hoffnung: Regen. Schon innerhalb weniger Tage könnte der Pegel wieder deutlich steigen. Klar ist aber auch: Der Bodensee verändert sich. Und mit ihm muss sich auch die Region verändern.
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