Comeback der Moore?:Natürlicher Klimaschützer für Jahrtausende
von Claas Thomsen, Kiel
Jahrhundertlang wurden Moore entwässert, um Flächen vor allem für die Landwirtschaft zu gewinnen. Sie wieder nass zu machen, verspricht enormes Potenzial für Umwelt und Klima.
Moore binden CO₂ und helfen, Folgen des Klimawandels abzufedern. Über 90 Prozent der deutschen Moore wurden jedoch für die Landwirtschaft trockengelegt. Wie funktioniert ihre Renaturierung?
02.02.2026 | 3:49 minIntakte Moore speichern große Mengen an Kohlenstoff, der so nicht als Klimagas CO2 in die Atmosphäre gelangt. Doch in Deutschland sind über 90 Prozent dieser Feuchtgebiete trockengelegt. Würden sie wieder vernässt, könnte das so viel CO2 binden, wie der gesamte Luftverkehr im Land oder ein erheblicher Teil des Straßenverkehrs ausstößt.
Ein Projekt zur Wiedervernässung von Mooren ist im Grotmoor mitten in Schleswig-Holstein im Gang. Mit schwerem Gerät wird ein Wall aus Torf um ein Gelände gelegt, um hier Niederschläge zu halten. So sollen sollen 96 Hektar Moor nördlich von Hamburg wieder zur Heimstatt für bedrohte Tiere und Pflanzen werden. Und vor allem soll es auch das Klima schützen.
In Brandenburg werden einige Moore nun wiedervernässt - und Wasserbüffel spielen dabei eine besondere Rolle.
05.11.2025 | 9:31 minMoorboden bindet über Jahrtausende das Klimagas CO2
Denn Moore speichern massenhaft Kohlenstoff. Pflanzen, vor allem Torfmoose, haben über Jahrtausende CO2 aus der Luft gefiltert, bevor sie im Moor versanken.
Jährlich wird am 2. Februar mit dem UN-Welttag der Feuchtgebiete auf deren Bedeutung hingewiesen. Auen, Sümpfe, Bachläufe oder Seen sind Lebensräume für viele Arten. Daneben erfüllen sie wichtige Funktionen für Wasserkreislauf, Hochwasserschutz und Klimaschutz. Um diese Feuchtgebiete besser zu schützen, wurde am 2. Februar 1971 in Iran die Ramsar-Konvention unterzeichnet, der auch Deutschland beigetreten ist.
"Es ist sehr weich, es ist sehr nass", erklärt der Projektleiter Janis Ahrens von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, während er sich durch die Baustelle im Moor kämpft. "Von daher würde man eher im Sommer arbeiten, aber es sind halt offene Flächen und hier sind bodenbrütende Vögel vorhanden und die dürfen nicht gestört werden." Spätestens im März ist dann Schluss, erst im August gehe es weiter.
In Estland werden Moore renaturiert, damit sie zum Klimaschutz beitragen und bei einem möglichen russischen Angriff als natürliche Barriere dienen können.
24.10.2025 | 2:16 minWiedervernässung mit Wällen aus Torf
Mit der Austrocknung soll jetzt Schluss sein. Denn wenn der Torf trocknet, entweicht das über Jahrtausende gespeicherte CO2 wieder. Ein intaktes Moor fängt dagegen wieder an, das Gas aus der Luft zu filtern. Die Bauarbeiten sollen im Frühjahr 2026 beendet sein, dann soll das Projekt 50 Jahre unter Beobachtung bleiben. Finanziert wird es auch von Privatleuten, über freiwillige Klima-Zertifikate.
Für die Arbeiten wird nur Material von vor Ort genutzt. Vor allem Torf, um Wälle aufzuschütten, die das Wasser im Moor zurückhalten. Alte Drainagerohre aus Ton, die tief im Boden eingegraben das Moor entwässern sollen, werden verwertet, um zusammen mit Strauchwerk Quartiere für den Winterschlaf von Reptilien und Amphibien zu schaffen.
Auch die Landwirtschaft muss sich an Klimaveränderungen anpassen. Wie Landwirte besser unterstützt werden können, ist unter anderem Thema einer Sonderkonferenz der Agrarminister.
10.07.2025 | 1:31 minLandwirte fürchten den Verlust von Anbaufläche
Die Landwirtschaft fürchtet, zu viele Flächen durch eine massive Wiedervernässung zu verlieren. Dauerhaft ergiebig ist der magere Torfboden indes meist nicht. Finanzielle Entschädigung oder neue schonende Anbaumethoden auf Moorboden könnten den Konflikt entschärfen.
"Wir müssen den Landwirten auch Alternativen bieten, indem wir alternative Anbaumethoden entwickeln", erläutert die Geschäftsführerin der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, Ute Ojowski. Das geschehe etwa auf der Klimafarm der Stiftung. Und: Moore können auch für die Landwirtschaft wichtig sein, um etwa zu viel Niederschlag aufzusaugen.
Im Sommer, wenn es Starkregenereignisse gibt, sind sie in der Lage, Wasser auch aus der Landschaft zu speichern.
Janis Ahrens, Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein
Das verhindere Überflutungen, so Ahrens. So könnten die von Wällen umgebenen Moorflächen auch helfen, extreme Niederschläge in der Region abzupuffern.
Sie wollen auf dem Laufenden bleiben? Dann sind Sie beim ZDFheute-WhatsApp-Channel richtig. Hier erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten auf Ihr Smartphone. Nehmen Sie teil an Umfragen oder lassen Sie sich durch unseren Podcast "Kurze Auszeit" inspirieren. Zur Anmeldung: ZDFheute-WhatsApp-Channel.
Mehr zum Thema Klima und Umwelt
Trump wettert gegen Klimaschützer:USA: Eiseskälte und trotzdem Erderwärmung?
von Mark Hugomit Video2:16Laubmischwälder und Moore:Schneider will Natur gegen Klimawandel nutzen
mit Video1:42Berechnungen von Forscherteam:Plastik wird Menschen immer mehr gesunde Lebenszeit kosten
mit Video0:27US-Abschied aus Klimarahmenkonvention:Trumps radikales Klima-Aus und was es bedeutet
von Mark Hugomit Video6:36World Weather Attribution:Klimawandel macht Extremwetter wahrscheinlicher
mit Video1:50