Extremes Winterwetter in den USA - Macht der Klimawandel Pause?

Trump wettert gegen Klimaschützer:USA: Eiseskälte und trotzdem Erderwärmung?

Mark Hugo

von Mark Hugo

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Es ist eiskalt in den USA. Aber: Ein Beleg gegen den Klimawandel - so wie Donald Trump andeutet - ist das nicht. Könnten solche Extreme künftig sogar noch wahrscheinlicher werden?

Fußgänger gehen während eines Wintersturms die Fifth Avenue in New York entlang.

Eisregen, Schneemassen, extreme Kälte: Der Wintersturm in den USA macht den Menschen zu schaffen. Mehr als eine Million Haushalte waren ohne Strom, es gibt mehrere Tote.

26.01.2026 | 2:16 min

Temperaturen von bis zu minus 45 Grad, Eis und Schnee, Stromausfälle, Tote. Und doch wäre Donald Trump nicht Donald Trump, wenn der US-Präsident als Klimawandel-Leugner die Vorlage nicht nutzen würde:

Könnten die Klima-Aufrührer mir bitte erklären: Was ist mit der Erderwärmung passiert?

Donald Trump, US-Präsident

Die Erderwärmung allerdings ist damit weder widerlegt noch einfach so verschwunden, betonen Wetter- und Klimaexperten.

Eine Frau versucht nach einem Wintersturm ein Auto vom Schnee zu befreien.

Der Winter hat weite Teile der USA fest im Griff. Wie kann das sein, trotz Klimawandel?

Quelle: AP

Aber der Reihe nach: Das massive Winterwetter in Nordamerika hat mit dem sogenannten Jetstream zu tun, einem Starkwindband in etwa zehn Kilometern Höhe, das üblicherweise von West nach Ost gerichtet ist. Solange das so ist, bleibe die arktische Kälte in der Polarregion gefangen, erklärt Dr. Peter Hoffmann vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK).

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Extreme Temperaturunterschiede in den USA

Aber die arktische Kälte "kann ausbrechen, wenn der Jetstream gestört ist", so der Meteorologe. Starke Winde aus Norden sorgen dann für große Temperaturunterschiede. "Während aktuell an der Westküste die Temperaturen im zweistelligen Plusbereich liegen, herrschen in der Mitte des Landes und der Ostküste tagsüber verbreitet zweistellige Minusgrade", sagt Hoffmann.

Solche Kältewellen seien in Nordamerika dabei keine Seltenheit, auch wenn das Klima insgesamt wärmer ist. "Zwei oder drei Grad mehr im Mittel machen da keinen wesentlichen Unterschied im Empfinden von Kälte", so Hoffmann. Also: Der Klimawandel bleibt, extremes Winterwetter kann es deshalb trotzdem geben.

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Einfluss des Klimawandels muss noch erforscht werden

Kann nun aber der Klimawandel solche Kältewellen womöglich sogar noch begünstigen? So ganz klar beantworten kann man das (noch) nicht. Dazu muss noch geforscht werden.

Aber: "Eine der wahrscheinlichsten Theorien ist, dass sich durch den Klimawandel die Pole schneller erwärmen als die Tropen und so der Temperaturunterschied zwischen diesen Gebieten abnimmt", erläutert Dr. Andreas Walter vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Dadurch schwächt sich der Jetstream möglicherweise ab, gerät ins Mäandern. Kälteeinbrüche könnten wahrscheinlicher werden.

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Vieles hänge davon ab, inwieweit der Klimawandel die Windsysteme auf der Nordhemisphäre beeinflusst, sagt auch Hoffmann. Da gebe es "große Unsicherheiten".

Es ist anzunehmen, dass es in Zukunft immer wieder solche extremen Phasen geben wird.

Dr. Peter Hoffmann, Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK)

Die würden wohl dann aber durch zu milde Bedingungen an anderer Stelle ausgeglichen werden.

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Deutscher Winter nicht "besonders kalt"

Übrigens: Auch in Deutschland ist es gerade reichlich kalt. Der Januar hatte laut DWD bisher eine Mitteltemperatur von minus 0,9 Grad. 2025 waren es noch zwei Grad plus. Der Blick weiter zurück zeigt aber, dass es auch schon deutlich kälter ging: 2010 etwa mit minus 3,6 Grad.

Und auch der letzte Dezember sticht nicht wirklich hervor. "Vor allem eine sehr milde Witterung in der Mitte des Monats hat Deutschland flächendeckend sogar zweistellige Temperaturen gebracht", so Walter. Also: "Kein besonders kalter Winter."

Subjektiv empfindet man dies oft anders, da man die Verhältnisse der letzten Jahre deutlich präsenter hat.

Dr. Andreas Walter, Deutescher Wetterdienst

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Kalte Luft aus Nordosteuropa

Außerdem sei es auch bei uns nicht etwa kalt, "weil der Klimawandel Pause macht", sagt PIK-Meteorologe Hoffmann. Schuld sei der Einfluss von Luftmassen aus Nordosteuropa.

Am ungebremsten Trend, dass die Winter auch hier im Schnitt immer wärmer und kürzer werden, ändere das nichts. "Damit werden insgesamt Frosttage, Eistage und Schneefall seltener", so Walter. Auch wenn das Trump gerne ignoriert: Wetter und Klima sind eben nicht dasselbe.

Mark Hugo ist Redakteur in der ZDF-Umweltredaktion.

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Quelle: dpa

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Über dieses Thema berichteten verschiedene Sendungen, etwa das gemeinsame Mittagsmagazin von ARD und ZDF am 26.01.2026 ab 12 Uhr, "heute" am 26.01.2026 ab 19 Uhr sowie das "heute journal" am 26.01.2026 ab 21:45 Uhr.

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