Bad Wimpfen: Klimaschädliches Gas SF6 aus Chemiewerk entwichen

Chemiewerk in Baden-Württemberg:Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt zu Treibhausgas-Leck

von Frederik Obermaier und Sophia Stahl

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Tonnenweise klimaschädliches Gas soll aus einem Chemiewerk in Bad Wimpfen in Baden-Württemberg entwichen sein. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Staatsanwaltschaft Stuttgart (Archivfoto)

In Baden-Württemberg soll in einer Chemiefirma über Jahre hinweg tonnenweise extrem klimaschädliches Treibhausgas ausgetreten sein. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft Stuttgart.

20.01.2026 | 1:13 min

In Baden-Württemberg soll in einer Chemiefirma über Jahre hinweg tonnenweise extrem klimaschädliches Treibhausgas ausgetreten sein. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft Stuttgart. Es werde ein Anfangsverdacht wegen Luftverschmutzung und Verletzung der Aufsichtspflicht geprüft, bestätigte die Behörde auf Anfrage von ZDF frontal.

Ein entsprechendes Verfahren sei von der Staatsanwaltschaft Heilbronn übernommen worden. Im Falle einer Anklage und Verurteilung drohen eine Geldstrafe oder bis zu fünf Jahre Haft.

Offenbar mehrere Tonnen SF6-Gas ausgetreten

Derzeit wird nach offiziellen Angaben noch "gegen Unbekannt" ermittelt. ZDF frontal und der "Spiegel" hatten zuvor aufgedeckt, dass in einer Fabrik der belgischen Firma Solvay im baden-württembergischen Bad Wimpfen laut Analysen eines internationalen Forscherteams viele Tonnen Schwefelhexafluorid (SF6) ausgetreten sein sollen. Offiziell gemeldet hat das Unternehmen lediglich einen Ausstoß von 56 Kilogramm.

SF6-Gas zählt zu den klimaschädlichsten Stoffen, die die Menschheit jemals hergestellt hat. Ein einziges Kilogramm heizt die Atmosphäre im Verlauf von hundert Jahren ungefähr so stark auf wie 24 Tonnen Kohlenstoffdioxid (CO2).

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Bereits 2020 gab es erste Hinweise auf ein Treibhausgas-Leck in Süddeutschland. Das baden-württembergische Umweltministerium wurde bereits im Juni 2023 über den Verdacht informiert, dass der Solvay-Konzern dafür verantwortlich sein soll. Die grüne Umweltministerin Thekla Walker wusste seit spätestens April 2024 davon.

BUND spricht von "Umweltskandal"

Dennoch hatten Baden-Württembergs Behörden die alarmierenden Befunde über mehrere Monate in Zweifel gezogen. Noch im November hatte das Umweltministerium betont, der Verursacher des Treibhausgas-Lecks könne nicht "anlagenscharf" aufgespürt werden.

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Es gebe eine "Vielzahl von Verwendern von Schwefelhexafluorid im Regierungsbezirk Stuttgart", die infrage käme. Erst nachdem ZDF frontal und der "Spiegel" über den Fall berichtet hatten, räumte das Ministerium ein: "Es kommt de facto nur Solvay als Emittent infrage."

Die Umweltschutzorganisation BUND wirft den Behörden in Baden-Württemberg vor, einen "Umweltskandal" gedeckt zu haben. Und die Deutsche Umwelthilfe (DUH) warnt: "Wenn ein Klimaschaden in der Größenordnung von Hunderttausenden Tonnen CO2-Äquivalenten im Raum steht, ist jeder verlorene Monat einer zu viel."

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Unterdessen einigten sich das Land Baden-Württemberg und Solvay im Dezember auf einen zeitlich befristeten Testbetrieb. Zuvor hatte das Unternehmen gegen strengere Auflagen geklagt. Während des fünfmonatigen Testlaufs bis Mitte Mai sollen mögliche Lecks aufgespürt und Emissionen weiter reduziert werden. Bei einem Verstoß droht eine Strafzahlung von bis zu 100.000 Euro.

Über dieses Thema berichtete ZDF frontal in dem Beitrag "Ermittlungen wegen Treibhausgas-Leck" am 20.01.2026 um 13.23 Uhr.

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