2025 kaum weniger Treibhausgase:Macht der Klimaschutz eine Pause?
von Mark Hugo
Der Treibhausgas-Ausstoß sinkt seit langem stetig. 2025 aber war das Minus wohl eher dürftig. Die Quittung für zu wenig Klimaschutz? Tatsächlich gibt es mehr als nur einen Grund.
Beim Klimaschutz kommt Deutschland nur schleppend voran. Die Regierung hat große Ziele, doch viele Fragen bleiben offen. Warum zentrale Reformen stocken und steigende CO2-Preise verunsichern.
08.01.2026 | 3:23 minDer Trend ist ungebrochen: Seit 1990 hat sich der Ausstoß von Treibhausgasen in Deutschland in etwa halbiert. Doch während das Minus laut Umweltbundesamt 2023 gegenüber dem Vorjahr noch bei etwa zehn Prozent lag, 2024 immer noch bei 3,4 Prozent, wird für 2025 nur noch ein Rückgang von etwa einem Prozent erwartet. Das jedenfalls schätzt die AG-Energiebilanzen.
Rückgang der Treibhausgase gerät ins Stocken
Die Denkfabrik Agora Energiewende geht von 1,5 Prozent aus. Noch sind diese Daten nicht final, allerdings deutet vieles darauf hin, dass der Rückgang tatsächlich ins Stocken geraten ist.
Hochrechnungen des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE sehen den CO2-Ausstoß im Stromsektor auf dem gleichen Niveau wie im Jahr davor - das, obwohl die erneuerbaren Energien, also Wind und Sonne, weiter ausgebaut worden sind. Allerdings:
Der Eindruck einer Stagnation entsteht, wenn man nur auf einzelne Jahre schaut. Langfristig sinken die Emissionen im Stromsektor sehr deutlich.
Leonhard Gandhi, Fraunhofer ISE
Nämlich allein seit 2022 um 27 Prozent. "Zwischen einzelnen Jahren gibt es Schwankungen aufgrund eines unterschiedlichen Stromhandels mit den Nachbarländern oder auch aufgrund von Wetterschwankungen", betont Leonhard Gandhi vom Fraunhofer ISE.
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2025 weniger Wind und weniger Niederschläge
Im Detail betrachtet spielten 2025 vor allem diese Faktoren eine Rolle:
- Der Wind blies im Schnitt weniger stark. Deshalb lag die Stromproduktion um 3,2 Prozent unter der des Vorjahres. Klingt wenig, da aber die Windkraft der stärkste Nettostromerzeuger ist, macht das einen Unterschied.
- Auch die Wasserkraft produzierte weniger Strom, da die Niederschlagsmenge 2025 um mehr als ein Viertel unter der des regenreichen Vorjahres lag.
- In der Folge kam etwas mehr Strom von fossilen Erdgas- und Steinkohlekraftwerken.
Bemerkenswert dabei: Solar ist bei der öffentlichen Stromerzeugung nun erstmals auf Rang zwei aufgestiegen.
Welche politischen und finanziellen Anreize führen Deutschland in Richtung Klimaneutralität? ZDF-Umweltexperte Mark Hugo blickt auf die aktuelle Lage und die Herausforderungen.
08.01.2026 | 6:44 min"Sondereffekte" wurden korrigiert
Auch für Dr. Sascha Samadi vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie ist die schlechte Bilanz 2025 weniger ein Trend, sondern mehr "eine Art Korrektur" von Sondereffekten, die zuvor für einen deutlichen Rückgang der Treibhausgas-Emissionen gesorgt hätten.
"So waren die Wintermonate der Jahre 2022 bis 2024 deutlich milder als im langjährigen Durchschnitt", erklärt der Klimaforscher dem Wissenschaftsnetzwerk SMC. Das habe zu einem verminderten Heizenergiebedarf geführt.
Die Absatzzahlen des deutschen Heizungsmarkts sind im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahrszeitraum um 22 Prozent gesunken. Grund seien unklare politische Rahmenbedingungen.
26.07.2025 | 0:30 minAnders als 2025. Da waren die ersten Monate relativ kühl. Außerdem sei 2023 und 2024 vergleichsweise viel Öko-Strom importiert worden. Wegen der Preisentwicklung ist das wieder weniger geworden.
In den kommenden Jahren rechne ich zumindest im langjährigen Trend wieder mit einem stärkeren Rückgang der Treibhausgasemissionen.
Dr. Sascha Samadi, Wuppertal Institut
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Neue Anlagen und bessere Netze gefordert
Eine andere Frage ist allerdings, ob der Rückgang stark genug ist, um die Klimaziele zu erreichen. Das hänge von den Weichenstellungen der Bundesregierung ab, so Samadi. Neue Anlagen müssten weiter in die Netze integriert werden, sagt Gandhi. "Hierfür ist bei der Photovoltaik der Ausbau von Batteriespeichern und bei der Windkraft der Ausbau der großen Übertragungsleitungen zwischen Nord- und Süddeutschland von entscheidender Bedeutung."
Dringend Handlungsbedarf sieht der Forscher vor allem in den Bereichen Verkehr und Gebäudewärme. Dort gehe es kaum voran. Wenn nun aber die Transformation forciert werde, es also künftig sehr viel mehr E-Autos und Wärmepumpen geben wird, dann werde es "zu einem stark steigenden Strombedarf kommen, wofür die Netze und die Erzeugungsanlagen frühzeitig geplant und installiert werden müssen".
Ausbautempo bei Erneuerbaren nicht schnell genug
Heißt: Auch beim Ausbau der Erneuerbaren müsste das Tempo weiter anziehen, so das Fraunhofer ISE. 2025 waren zwar rund 68 Gigawatt neue Windkraftleistung hinzugekommen. Nach den Ausbauzielen wären aber 76,5 Gigawatt nötig gewesen. Und trotz einer Zunahme um mehr als 20 Prozent bei der Solarstromproduktion müsse auch hier noch mehr passieren.
Mark Hugo ist Redakteur in der ZDF-Umweltredaktion
World Weather Attribution:Klimawandel macht Extremwetter wahrscheinlicher
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