UN-Hochseeabkommen tritt in Kraft:"Ein historischer Tag für die Weltmeere"
von Elisa Miebach
Zwei Drittel der Weltmeere gehören allen - und niemandem. Ein neues UN-Abkommen soll sie besser schützen. Warum Forscher jetzt Hoffnung haben.
Das 2023 beschlossene UN-Hochseeschutzabkommen tritt in Kraft. Es gilt als historischer Durchbruch. Was beinhaltet das Abkommen, wer hat es unterzeichnet und wo liegen die Schwierigkeiten?
16.01.2026 | 3:33 minMikado-Rippenquallen, Mangan-Knollen, Blobfisch: Die Lebewesen und Rohstoffe in den Weltmeeren klingen teilweise, als stammten sie aus einer Fantasiewelt. Die tiefe See ist unerforschter als die Oberfläche des Mondes, doch werden die Ozeane für die Großmächte der Welt immer wertvoller.
Eine Mikado-Rippenqualle in mehreren tausend Metern Tiefe.
Quelle: action pressSchwimmende Städte, neue Rohstoffe vom Meeresgrund und Veränderungen des Meeres an sich durch Geoengineering sind Vorhaben, die weltweit diskutiert werden.
In tausenden von Metern Tiefe planen Unternehmen, Rohstoffe im großen Stil am Meeresboden abzubauen. Auch auf Kosten der Ökosysteme. Welche Metalle dort liegen, zeigt Jana Pareigis im Studio.
09.06.2025 | 0:44 minWilder Westen auf hoher See
Bisher galten kaum strenge Regeln für das Treiben im Wilden Westen der hohen See. Doch ein neuer Vertrag soll nach 20 Jahren Verhandlung einen Unterschied machen: Das Hochseeabkommen der Vereinten Nationen, das nun in Kraft tritt.
Johannes Müller von der Organisation OceanCare, welche die UN-Verhandlungen zum Abkommen seit rund zwei Jahrzehnten begleitet, sagt:
Es ist ein wahrlich historischer Tag für die Weltmeere.
Johannes Müller, OceanCare
Die Hochsee gehört allen und niemandem. Gemeint ist das Meer außerhalb der wirtschaftlichen Einflusszonen der Länder. Damit macht die Hochsee zwei Drittel der Weltmeere aus.
Die Hochsee macht zwei Drittel der Weltmeere aus.
Quelle: ZDFMehr als 80 Staaten haben Abkommen ratifiziert
Beschlossen wurde das Abkommen 2023 im UN-Hauptquartier in New York. In Kraft treten kann es erst ein halbes Jahr, nachdem mindestens 60 Staaten die Beschlüsse in ihr nationales Recht umgesetzt haben, es also ratifiziert haben. Das ist nun der Fall. Mehr als 80 Länder haben es ratifiziert.
Das sei vergleichsweise zügig gegangen, sagt Tim Heinkelmann-Wild, der am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz sowie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München unter anderem zur Wirksamkeit internationaler Abkommen forscht.
"Grund zur Hoffnung gibt die schnelle Ratifikation seit 2023 trotz der Wiederwahl von Trump", sagt Heinkelmann-Wild: "Darunter sind nicht nur die EU, sondern auch viele nicht-westliche Mächte wie Brasilien, Mexiko und Indonesien."
In den Ozeanen fühlt sich André Wiersig als Gast - Begegnungen mit Haien, Walen und Quallen gehören für ihn dazu. Als Meeresbotschafter der UN kämpft er gegen Plastikmüll und Überfischung.
13.04.2025 | 28:54 minWichtige Player wie China mit im Boot
Zwar seien die USA und amerikanische Firmen relevant für den Schutz der Hoch- und Tiefsee. Doch auch wenn die USA fehlen, seien viele andere wichtige Player, wie etwa auch China, Japan und Südkorea, die sehr große Hochsee-Fischerei-Flotten haben, dabei. Deswegen werde das Abkommen auch nicht wirkungslos bleiben, so Heinkelmann-Wild:
Ich sehe das Abkommen als ein wichtiges und vielversprechendes Signal, dass internationale Zusammenarbeit zur Lösung von globalen Herausforderungen auch heute noch klappen kann.
Tim Heinkelmann-Wild, Ludwig-Maximilians-Universität München
Was die Ziele des Hochseeabkommens sind
Die Hauptziele des Abkommens:
- Mehr Meeresschutzgebiete
- Umweltverträglichkeitsprüfungen vor jedem Eingriff in die Hochsee
- Teilen der erforschten genetischen Ressourcen
- Mehr Wissenstransfer vom globalen Norden in den globalen Süden
Das Abkommen soll auch dazu beitragen, ein großes UN-Ziel zu erreichen, wonach bis 2030 30 Prozent der Meere unter Schutz gestellt werden sollen.
Zusätzlich steht die Transparenz der Forschung im Vordergrund. Wenn ein Land etwa neue Arten auf der Hochsee erforscht, sollen etwa die DNA-Codes in einer gemeinsamen Datenbank geteilt werden.
Die Weltmeere haben 2025 eine Rekordmenge an Wärme aufgenommen - es ist das neunte Jahr in Folge. Das zeigt eine Studie chinesischer Forscher.
09.01.2026 | 0:22 minEine neue Phase der Meerespolitik?
Umweltorganisationen hoffen mit dem Inkrafttreten auf eine neue Phase der Meerespolitik. Doch das Abkommen ist vorerst nur ein Beginn. Der wahre Erfolg hängt davon ab, wie wirksam es umgesetzt wird.
COP steht für "Conference of the Parties", also eine Konferenz der Parteien eines UN-Abkommens. Damit sind alle Staaten gemeint, die unterzeichnet haben, sowie weitere relevante Organisationen.
Ein Härtetest wird die erste UN-Konferenz zum Hochseeabkommen. Nach dem Vorbild der Klimakonferenzen, der COPs soll nun innerhalb eines Jahres auch die erste UN-Hochsee-COP stattfinden, auf der die Staaten die Details der Umsetzung des Abkommens verhandeln.
Elisa Miebach ist Redakteurin der ZDF-Umweltredaktion.
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