Erste Städte rufen zum Wassersparen auf:Experte: Trinkwasser wird "eine knapper werdende Ressource"
Jülich, Bad Oeynhausen, Waldmünchen: In mehreren Orten werden Bürger gebeten, Wasser zu sparen - und das im Mai. Ist das normal? Ein Hydrogeologe ordnet im Interview ein.
Aufgrund von Trinkwasserknappheit riefen die Stadtwerke der Stadt Jülich dazu auf, sparsam mit dem Trinkwasser umzugehen. Durch die Hitze der vergangenen Tage sinken die Vorräte zunehmend.
29.05.2026 | 1:45 minZDFheute: In manchen Kommunen sollen die Bürgerinnen und Bürger "dringend" sparsam mit Trinkwasser umgehen - dabei ist es noch nicht mal Juni. Wie ungewöhnlich sind Wasser-Versorgungsengpässe zu dieser Jahreszeit?
Bernd Kirschbaum: Entscheidend ist das Wasserdargebot vor Ort. Hier gibt es deutliche regionale und saisonale Unterschiede in der Wasserverfügbarkeit. Dies hat sich auch in den trockenen Jahren 2018, 2019, 2020 und 2022 gezeigt. Aufeinander folgende trockene Frühjahre und Sommer mit zusätzlich wenig Niederschlag im Winter haben negative Auswirkungen auf die Wasserverfügbarkeit.
Diesen Frühling regnet es zu wenig, vor allem im Norden und Nordosten gibt es Dürre-Warnungen. In Ungarn kämpfen Landwirte mit den trockenen Böden, in Polen herrscht teils höchste Waldbrandgefahr
30.04.2026 | 1:54 minZDFheute: Worin liegen die Gründe für die mancherorts angespannte Lage?
Kirschbaum: Trockenperioden, veränderte Niederschlagsmuster und damit einhergehend sinkende Grundwasserspiegel und Flusswasserstände können zu einem Ungleichgewicht zwischen Wasserbedarf und -dargebot führen. Die daraus entstehenden regionalen und saisonalen Knappheitsphasen verschärfen Nutzungskonflikte zwischen verschiedenen Wassernutzungen wie beispielsweise Energieerzeugung, öffentlicher Wasserversorgung, Industrie und Landwirtschaft.
Künftig werden also mehr Nutzer*innengruppen als heute um eine knapper werdende Ressource konkurrieren. Darauf müssen sich alle Wassernutzer*innen, auch die Privathaushalte, einstellen.
Bernd Kirschbaum, Hydrogeologe Umweltbundesamt
… hat Umwelttechnik, Geologie und Paläontologie in München, Tübingen und Berlin studiert. Seit 2003 arbeitet er als Hydrogeologe beim Umweltbundesamt und ist zuständig für den Schutz des Grundwassers.
ZDFheute: Die Meldungen gelten bislang jeweils nur lokal, und die einzelnen Kommunen sind weit verstreut. Wie sind wir hierzulande insgesamt aufgestellt, was die Versorgung mit Trinkwasser betrifft?
Kirschbaum: Es herrscht in Deutschland kein Mangel an Trinkwasser, und es gibt bisher keine flächendeckenden negativen Auswirkungen auf Trinkwasser aus Grundwasserressourcen. Wir müssen aber davon ausgehen, dass gerade in heißen und trockenen Sommern die Trinkwassernutzung steigt und die Versorgungsinfrastruktur der Wasserversorgungsunternehmen teilweise an ihre Grenzen kommt.
Europa wird trockener und es wird zu viel Wasser verbraucht. Mit diesen einfachen Tipps und Tricks lässt sich der Wasserverbrauch im Haus und Garten reduzieren.
19.08.2025 | 3:56 minZDFheute: Was können wir tun? Ganz individuell als Bürger, aber auch Kommunen, die Politik?
Kirschbaum: Grundsätzlich sollte mit Wasser sorgsam umgegangen werden. Dazu gehört, Waschmaschine und Geschirrspüler nur anzuschalten, wenn sie voll beladen sind, oder das Vollbad durch eine Dusche zu ersetzen. Dort sollten wassersparende Duschköpfe eingebaut werden. Das Gießen von Pflanzen sollte nur am frühen Morgen oder am späten Abend erfolgen - dann verdunstet das Wasser nicht so schnell. Auch die Kommunen müssen sich an Hitze und Trockenheit anpassen.
Mögliche Maßnahmen neben der Versickerung von Regenwasser sind die Entsiegelung befestigter Flächen, lokale grüne und blaue Infrastrukturen, wie Straßenbäume, Fassaden- und Dachbegrünungen sowie Verdunstungsmöglichkeiten von gespeichertem Regenwasser.
Bernd Kirschbaum, Hydrogeologe Umweltbundesamt
Die Politik hat mit der Verabschiedung der nationalen Wasserstrategie (NWS) im März 2023 ein weitreichendes Konzept zur Sicherung der Wasserressourcen auf den Weg gebracht, das die Herausforderungen umfassend benennt und adressiert.
Ab dem 12. Januar 2026 gelten neue Regeln für das Trinkwasser in Deutschland. Beispielsweise gibt es strengere Grenzwerte für PFAS-Stoffe. Was sind PFAS und wie kann man sich schützen?
12.01.2026 | 3:04 minZDFheute: In der nationalen Wasserstrategie sind 78 Aktionsvorschläge gelistet, die allesamt bis 2030 umgesetzt werden sollen. Wo stehen wir?
Kirschbaum: Das Umweltministerium hat 38 Maßnahmen priorisiert und mit deren Umsetzung wurde auf verschiedenen Ebenen begonnen. Weit fortgeschritten sind zum Beispiel die Arbeiten zur Etablierung eines Niedrigwasserinformationssystems und die Stärkung der Wasserwiederverwendung. Für eine Gesamtbilanz der NWS ist es noch zu früh.
Das Gespräch führte Markus Aust aus dem ZDF-Landesstudio in Nordrhein-Westfalen.
Wichtiger Hinweis in eigener Sache
Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt.
Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
Mehr zum Thema Wasserknappheit
Folge von Trockenheit und Schädlingen:Zustand der Wälder: Nur jeder fünfte Baum ist gesund
mit Video0:18Trinkwasser-Knappheit nimmt zu:Künstliche Gletscher als Idee gegen den Wasser-Bankrott
von Elisa Miebachmit Video43:42