Trinkwasser-Knappheit nimmt zu:Künstliche Gletscher als Idee gegen den Wasser-Bankrott
von Elisa Miebach
Weltweit spitzt sich die Trinkwasser-Knappheit zu - auch durch den Klimawandel. Mit künstlichen Mini-Gletschern wollen Forscher Trinkwasserspeicher in den Bergen schaffen.
Glühende Wüste, eisige Höhen, wilde Strömungen. In jeder Region verbergen sich einzigartige Überlebenskünstler. In Chile zeigt sich, wie das Leben das ganze Universum erobert haben könnte.
04.03.2026 | 43:42 minEs sind faszinierende Skulpturen, die in den eisblauen Himmel von Chile ragen. Weit oben an den Berggipfeln muten sie an wie Kunst, doch sie sind Ingenieurswerke und speichern ein kostbares Gut: reinstes Gletscherwasser, das im Sommer in den Tälern überlebenswichtig ist.
Sebastián Goldschmidt macht sich regelmäßig auf den Weg zum El-Morado-Gletscher auf über 3.000 Metern Höhe. Er hat die künstlichen Eisspeicher über fünf Jahre mitentwickelt: "Wir nennen es unser Klimawandellabor", so Goldschmidt. "Wir wollen verstehen, wie wir die Art, Wasser im Eis zu speichern, optimieren können."
Die globale Erwärmung lässt Gletscher weltweit schrumpfen. Özden Terli zeigt, welche gewaltigen Mengen an Schmelzwasser innerhalb eines Jahres abfließen.
22.12.2025 | 0:42 minKlimawandel verstärkt Trinkwasserknappheit
Mit dem Klimawandel steigt weltweit das Risiko für Trinkwasserknappheit. Nicht nur längere Dürren und Trockenperioden sind eine Gefahr für eine sichere Wasserversorgung. Auch das weltweite Verschwinden der Gletscher. Das im Wasser gespeicherte Eis speist im Sommer Flüsse, Seen und die Landwirtschaft.
UN-Bericht zur Wasserknappheit
Die UN nutzen in einem aktuellen Bericht von 2026 zur Wasserknappheit den Begriff "Wasser-Bankrott". Das Wort "Wasserkrise" würde die Realität in vielen Gegenden der Welt nicht mehr akkurat beschreiben.
"Wasser-Bankrott" soll einen dauerhaften Zustand beschreiben, in dem einem Ökosystem mehr Wasser entnommen wird als wieder zufließt. Dadurch sei das frühere Niveau der Wasserversorgung und Ökosystemfunktionen nicht mehr erreichbar.
Der Bericht der Vereinten Nationen zeigt die Lage eindrücklich:
- 307 Milliarden US-Dollar kosten die jährlichen Folgen der Dürren.
- 75 Prozent der Menschen leben in Ländern, die als wasser-unsicher gelten.
- 50 Prozent des Trinkwassers weltweit müssen mittlerweile aus dem Grundwasser entnommen werden.
Der Autor des Berichts und Leiter des UN-Wasserinstituts, Kaveh Madani, warnt: "Millionen von Landwirten versuchen, mit schwindenden, verschmutzten oder versiegenden Wasserquellen mehr Nahrungsmittel anzubauen."
Langjährige Wasserreservoire sind einem UN-Bericht zufolge unwiederbringlich aufgebraucht. Diese Wasserspeicher könnten nicht mehr aufgefüllt werden. Auch Gletscher können sich in zu warmen Wintern nicht mehr aufbauen. In den vergangenen besonders heißen Jahren seien die Gletscher weltweit dramatisch zurückgegangen.
Hotspots mit trockenen Sommern besonders auf Gletscher angewiesen
Christoph Mayer, Gletscherforscher der bayerischen Akademie der Wissenschaften, reist regelmäßig auch in die trockensten Regionen der Erde, die von Gletschern extrem abhängig sind. "Einer der Hotspots ist sicherlich Zentralasien, vor allem der westliche Teil Zentralasiens", sagt Mayer.
"Dort ist es tatsächlich so, dass im Sommer so gut wie gar kein Niederschlag fällt", erklärt der Forscher. Damit seien die Menschen gerade auch mit der Bewässerungslandwirtschaft vollständig von der Flussbewässerung abhängig. Zu dieser Jahreszeit sei in diesen Flüssen hauptsächlich Gletscherschmelzwasser.
Innovative Mini-Gletscher sollen die Schmelze verlangsamen
Im Himalaya haben Forscher Eispyramiden entwickelt, um Gletscherwasser länger zu speichern. Die Idee verbreitete sich weltweit, bis nach Chile.
Bei den Eispyramiden fließt mithilfe der Schwerkraft Schmelzwasser von einem höheren Ort durch ein Rohr, erst den Hang hinab und dann mit dem Druck hinauf in die Spitze der Eispyramide. Dort wird es durch eine Düse wie feiner Sprühregen verteilt und legt sich auf dem Rest der Eisskulptur ab.
Eispyramide auf dem Gletscher El Morado in Chile
Quelle: ZDFDa die Tröpfchen so fein sind, gefrieren sie schnell und das Eis wird dicker. Genutzt wird Gletscher-Schmelzwasser, das in der Sonne schmilzt und das ansonsten direkt ins Tal fließen würde.
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Auf der großen Oberfläche des Gletschers schmilzt das Wasser durch die Sonneneinstrahlung recht schnell. Wenn man aber das Eis in aufrechtstehenden dickeren Kegeln, den Eispyramiden, speichert, ist die Oberfläche an der Luft kleiner und das Eis im Innern der Kegel bleibt länger gefroren. "Unser Ziel ist es, Strukturen zu bauen, die langsamer schmelzen", so der chilenische Tüftler Goldschmidt.
Die Eispyramiden speichern damit Wasser über längere Zeit. Im Sommer schmilzt das Eis langsam und fließt gerade an heißen Tagen ins Tal, wenn es dort besonders für die Trinkwasserversorgung gebraucht wird.
Doch auch die Mini-Gletscher haben Grenzen
Diese Strukturen funktionieren jedoch nur, solange es überhaupt kalt genug, dass das Wasser auf den Bergen noch zu Eis friert. Ist ein Gletscher einmal komplett geschmolzen, kann auch kein Wasser auf dem Berg mehr gespeichert werden.
Wie viele Prozent der Gletscher weltweit schmelzen, hängt von der Erderwärmung und den Treibhausgasen ab, die noch ausgestoßen werden. Jedes Zehntelgrad mache dabei einen Unterschied, so Gletscherforscher Christoph Mayer.
Elisa Miebach ist Redakteurin der ZDF-Umweltredaktion.
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