Frischwasser aus dem Meer:Warum Entsalzungsanlagen immer wichtiger werden
von Mark Hugo
In der Iran-Krise wurden auch Entsalzungsanlagen getroffen. Für viele Regionen sind diese bereits eine Frage des Überlebens. Durch den Klimawandel wird der Bedarf noch steigen.
Weltweit gibt es immer mehr Entsalzungsanlagen. Seit 2000 hat sich das so gewonnene Wasser-Volumen etwa verfünffacht. Ein Grund ist die zunehmende Trockenheit in vielen Ländern.
14.03.2026 | 1:02 minWoher soll all das Frischwasser kommen? In vielen Regionen der Welt ist das bei steigenden Temperaturen eine existentielle Frage. Die Antwort ist immer öfter: aus dem Meer.
Riesige Entsalzungsanlagen wachsen nicht nur an den Küsten der Golfregion aus dem Boden. Mehr als 20.000 sind es weltweit schon. Sie sichern die Versorgung, werden dabei zunehmend aber auch zum Problem für Umwelt und Klima.
Und sie sind in Krisenzeiten sensible Ziele. Während der aktuellen Krise in der Region rund um Iran sollen Anlagen unter anderem in Bahrain, Kuwait und Iran beschädigt worden sein. Für einige Regierungen dort sei damit eine rote Linie überschritten worden.
Iran hat die nordisraelische Stadt Zarzir mit Raketen beschossen, mehr als 50 Menschen wurden verletzt. Israels Premier Netanjahu kündigte seinerseits weitere Angriffe auf Iran an.
13.03.2026 | 1:11 minAngriffe zeigen, wie wichtig Entsalzung ist
Denn ohne Entsalzung kein Wasser. In den Emiraten etwa kommt es fast ausschließlich aus dem Meer.
Die Rolle von Wasserentsalzung im Mittleren Osten ist immens.
Prof. Sebastian Seiffert, Johannes-Gutenberg-Universität Mainz
Prof. Sebastian Seiffert forscht an der Universität Mainz zusammen mit Partnern in der Region an neuen Technologien für Entsalzungsanlagen. Wie wichtig diese sind, zeigten die aktuellen Angriffe "aus anderem, tragischem Blickwinkel", sagt er.
In Meerwasser-Entsalzungsanlagen werden grundsätzlich zwei Technologien angewendet: Bei der Umkehrosmose wird das Meerwasser durch eine Membran gepresst. Wassermoleküle gelangen durch, Salze werden zurückgehalten. Bei der thermischen Entsalzung wird das Wasser verdampft und destilliert. 80 Prozent der weltweiten Entsalzungsanlagen setzen auf die Umkehrosmose. 20 Prozent basieren auf thermischer Entsalzung.
Mehr Hitze und Dürren durch Klimawandel
Der Wasserbedarf wird voraussichtlich noch steigen. Ein Hauptgrund - neben Übernutzung und Missmanagement - ist der Klimawandel. Laut Weltwetterorganisation WMO lag die Temperatur im Nahen Osten und in Nordafrika 2024 bereits mehr als ein Grad über dem Mittel der Jahre 1991 bis 2020. An manchen Orten stieg das Thermometer auf mehr als 50 Grad. Nicht nur die Hitzewellen nehmen dabei zu, sondern auch die Dürren.
Die globale Erwärmung hat sich laut einer aktuellen Studie deutlich beschleunigt. Hält der Trend an, könnte das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens schon vor 2030 überschritten werden.
06.03.2026 | 0:35 minUnd das bedeutet: Wasserstress. Nach Daten des World Resources Institute (WRI) wird das Wasserstress-Level schon jetzt etwa für die Emirate, Katar und weite Teile von Iran als "extrem hoch" eingestuft. Das bedeutet, dass mehr als 80 Prozent der erneuerbaren Wassermenge genutzt wird. Empfohlen sind 20 Prozent. Mit erneuerbarer Wassermenge ist Wasser aus Ressourcen gemeint, die sich durch den natürlichen Kreislauf, also etwa durch Niederschlag und Zufluss kontinuierlich wieder auffüllen.
Wasser formt und gestaltet Lebensräume. Es hat die Kraft, Stein auszuhöhlen und Felsen zu zerstören. Es ist Verkehrsader und Transportmittel zugleich.
20.08.2023 | 42:22 minImmer mehr Entsalzungsanlagen weltweit
"Wasserentsalzung ist ein Baustein zur Klimafolgen-Anpassung", so Seiffert. Auch deshalb wächst die Zahl der Anlagen weltweit. Alleine zwischen 2010 und 2022 hat sich das Produktionsvolumen laut UN mehr als verdoppelt - auf 22,6 Milliarden Kubikmeter im Jahr. Das ist in etwa so viel wie in neun Millionen olympische Schwimmbäder passt. Entlang der arabischen Golfküste stehen inzwischen mehr als 400 Anlagen.
Ein großer Haken dabei: Die gängigen Anlagen brauchen sehr viel Energie. Bei fossilen Energiequellen heizt das die Erderwärmung also zusätzlich an.
Sole schädigt Ökosysteme
Daneben ist der Rücklauf hochkonzentrierter, salzhaltiger Sole und Reinigungschemikalien ins Meer ein großes Problem, erklärt die Mikrobiologin Prof. Katrin Grammann von der Westfälischen Hochschule. Das hat Auswirkungen auf die ökologische Vielfalt vor der Küste. Untersuchungen hätten etwa gezeigt, "dass Seegraswiesen rund um Entsalzungsanlagen auf Zypern eine stark reduzierte Dichte aufweisen".
Bei thermischen Anlagen kommt dazu, dass die Sole warm ist. "Diese lokalen Temperaturerhöhungen haben unter anderem Auswirkungen auf den Sauerstoffgehalt und verringern die Biodiversität", so Grammann.
Täglich wird eine giftige Chemikalie legal in der Umwelt entsorgt, die auch unser Trinkwasser belastet: TFA. So klein, dass es sich nicht herausfiltern lässt. Warum ist das noch immer erlaubt?
24.09.2025 | 29:08 minForschung an neuer Technik für Entsalzungsanlagen
Neue Technik könnte die Probleme in Zukunft entschärfen. Entsalzungsanlagen würden zwar vor allem dort betrieben, wo es viel Sonne gibt. "Trotzdem erfolgt die Energiegewinnung momentan auf Basis fossiler Rohstoffe", so Katrin Grammann.
Daher ist ein Ziel, mehr Solarenergie zu nutzen.
Prof. Katrin Grammann, Westfälische Hochschule
Ein anderes ist, den Schaden durch die Sole zu reduzieren: Etwa indem man sie nicht konzentriert, sondern durch mehrere Auslässe ins Meer leitet.
Das Team an der Uni Mainz rund um Sebastian Seiffert entwickelt gerade kleine Kompaktanlagen, die die natürliche Temperaturschwankung des Tag-Nacht-Wechsels nutzen, um Wasser zu entsalzen. "Die Methode braucht kaum äußere Energie", sagt Seiffert. "Dies senkt nicht nur Kosten, sondern auch den ökologischen Fußabdruck."
Mark Hugo ist Redakteur in der ZDF-Umweltredaktion.
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