Klimaphänomen El Niño: UN rechnen dieses Jahr mit Rückkehr

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Temperaturrekorde möglich:UN-Klimaexperten rechnen 2026 mit Rückkehr von El Niño

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Nach neuen Hitzerekorden könnte El Niño im Sommer zurückkehren. UN-Klimaexperten warnen, dass das Klimaphänomen 2026 die globale Temperatur weiter steigen lassen könnte.

Eine Gruppe von Menschen sitzt im Schatten während eine Frau mit einem Regenschirm sich von der Sonne schützt

Nach den jüngsten Hitzerekorden droht der nächste Schub: Mit bis zu 60 Prozent Wahrscheinlichkeit könnte El Niño im Sommer zurückkehren und die globale Temperatur weiter steigen lassen.

03.03.2026 | 0:35 min

Wegen der globalen Erwärmung wurden in den vergangenen Monaten und Jahren immer neue Temperaturrekorde gemessen. In diesem Jahr könnte eine Rückkehr des Klimaphänomens El Niño zu einem zusätzlichen Anstieg der Temperaturen führen.

Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) erklärte am Dienstag, sie erwarte nach dem Abklingen eines diesmal vergleichsweise schwachen Gegenstücks La Niña erst neutrale Bedingungen und noch vor Jahresende ein erneutes Auftreten von El Niño.

Was bedeuten die Namen El Niño und La Niña?

El Niño und das Gegenphänomen La Niña sind die beiden Phasen eines wiederkehrenden natürlichen Klimaphänomens im Äquator-nahen Pazifikgebiet, das unter Fachleuten als El Niño Southern Oscillation (Enso) bekannt ist. Der Begriff "El Niño" wurde im 19. Jahrhundert von peruanischen und ecuadorianischen Fischern geprägt, um die Ankunft eines ungewöhnlich warmen Meeresstromes an ihren Küsten zu bezeichnen, der ihren Fang schmälerte. Er spielt an auf das Christkind, weil das Phänomen üblicherweise um Weihnachten herum auftrat.

Das Phänomen tritt im Schnitt alle zwei bis sieben Jahre auf und dauert in der Regel neun bis zwölf Monate. El Niño kann die im Zuge des Klimawandels steigenden globalen Temperaturen zusätzlich erhöhen und zu verstärktem Extremwetter führen.

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Sein Gegenstück, La Niña, das allgemein eine abkühlende Wirkung hat, war nach Angaben der WMO diesmal eher schwach. Von März bis Mai ist demnach nun mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent mit klimatisch neutralen Bedingungen zu rechnen. Die Wahrscheinlichkeit für eine La-Niña-Phase liegt in diesem Zeitraum nur noch bei 30 Prozent - und für eine El-Niño-Phase sogar nur bei zehn Prozent.

Im Zeitraum April bis Juni steigt die Wahrscheinlichkeit für eine neutrale Phase den WMO-Berechnungen zufolge auf 70 Prozent - und geht im Zeitraum von Mai bis Juli wieder auf 60 Prozent zurück. Gleichzeitig steigen die Aussichten für einen erneuten El Niño in diesen Monaten auf 40 Prozent.

Wie wahrscheinlich ist es, dass El Niño 2026 zurückkehrt?

Nach Angaben der Nationalen Ozean- und Atmosphärenbehörde (NOAA) der USA besteht eine Wahrscheinlichkeit von 50 bis 60 Prozent, dass sich 2026 zwischen Juli und September ein neuer El Niño entwickelt. Die WMO erklärte am Dienstag lediglich, sie werde die Entwicklung in den kommenden Monaten weiter "sorgfältig" beobachten.

Der bisher letzte El Niño in den Jahren 2023 und 2024 war nach Angaben der WMO "einer der fünf stärksten seit Beginn der Aufzeichnungen" und verstärkte so die Effekte des vom Menschen verursachten Klimawandels: Er trug dazu bei, dass 2024 das heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen war. Der Leiter des EU-Erdbeobachtungsprogramms Copernicus, Carlo Buontempo, hatte im Januar der Nachrichtenagentur AFP gesagt, wenn El Niño dieses Jahr zurückkehre, könnte 2026 ein "neues Rekordjahr" werden.

Nach Einschätzung des Klimatologen Tido Semmler vom irischen Wetterdienst dürften die Auswirkungen des Klimaphänomens 2027 noch stärker sein. "Die Erdatmosphäre braucht Zeit, um auf El Niño zu reagieren", erklärt er. Daher gebe es für 2027 "ein erhöhtes Risiko, ein Jahr mit Rekordhitze zu werden, wenn sich El Niño in der zweiten Jahreshälfte von 2026 entwickelt".

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Welche Auswirkungen hat El Niño?

El Niño beginnt mit einer Abschwächung der Passatwinde, die im tropischen Pazifik von Ost nach West wehen. Diese Winde drücken üblicherweise warme Meeresströme in den Westen des Pazifiks an den asiatischen Küsten und halten sie dort, während kühleres Wasser vor den südamerikanischen Küsten bleibt.

Die Abschwächung der Passatwinde führt dazu, dass das warme Wasser nicht mehr an der asiatischen Küste bleibt, sondern auf Äquator-Höhe den Osten des Pazifiks erreicht. Die Erwärmung der Wasseroberfläche verändert dann das Wetter und die Winde über dem Pazifik und wirkt sich in einem Domino-Effekt auf die Temperaturen und Niederschläge auch in anderen Erdregionen aus. Deswegen gehören die Jahre mit El Niño zu den heißesten Phasen auf der Erde. Der NOAA-Meteorologe Nat Johnson erläutert:

Wenn sonst alles gleich ist, führt eine El-Niño-Episode tendenziell zu einem zeitweisen Anstieg der mittleren globalen Temperatur in Höhe von 0,1 bis 0,2 Grad.

Nat Johnson, NOAA-Meteorologe

Im Februar führte die US-Behörde NOAA eine neue Methode zur Überwachung der El-Niño-Auswirkungen ein. Bei dem alten Ozeanischen-Niño-Index (ONI) wurde die Dreimonatsdurchschnittstemperatur einer Pazifikzone mit dem 30-jährigen Temperaturdurchschnitt verglichen. Aber da sich die Meere schnell erhitzen, ist dieser 30-Jahres-Durchschnitt immer weniger ein guter Vergleichswert.

Bei der neuen Methode, dem Relativen Ozeanischen-Niño-Index (RONI), wird die Temperaturanomalie des Gebietes mit den übrigen Tropen verglichen. Dies sei eine "klarere und zuverlässigere" Methode, die Auswirkungen von El Niño und La Niña in Echtzeit zu verfolgen, erklärte das US-Forschungsinstitut.

Quelle: AFP


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Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress am 03.03.2026 um 13:53 Uhr in dem Beitrag "UN rechnen 2026 mit Rückkehr von El Niño".

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