Klimawandel-Warnsignal:Ozeane speichern immer mehr Wärme - neue Rekordwerte
Die Ozeane waren 2025 so warm wie nie - das neunte Jahr in Folge. Forschende sehen darin ein deutliches Zeichen für die fortschreitende Erderwärmung.
Die Weltmeere haben 2025 eine Rekordmenge an Wärme aufgenommen - es ist das neunte Jahr in Folge. Das zeigt eine Studie chinesischer Forscher.
09.01.2026 | 0:22 minDie Weltmeere haben 2025 einer Studie zufolge eine Rekordmenge an Wärme aufgenommen - ein Phänomen, das den Anstieg des Meeresspiegels, heftige Stürme und das Absterben von Korallen befördert.
Rekordwärme neuntes Jahr in Folge
Es sei das neunte Jahr in Folge, in dem die in den Ozeanen gespeicherte Wärme einen Höchststand erreiche, sagte Lijing Cheng von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (CAS) und Hauptautor der Studie, die in der Fachzeitschrift "Advances in Atmospheric Sciences" von mehr als 50 Forschenden weltweit veröffentlicht wurde.
Die Gesamtmenge der in den oberen 2.000 Metern der Ozeane gespeicherten Energie in Form von Wärme ist der Studie zufolge um etwa 23 Zettajoule gestiegen. Diese Energiemenge sei vergleichbar mit der von zwölf Hiroshima-Atombomben, die pro Sekunde an jedem Tag des Jahres explodieren, sagte Cheng.
Oberflächentemperaturen in den Vorjahren noch höher
Bei den durchschnittlichen weltweiten Oberflächentemperaturen der Meere war 2025 das drittwärmste Jahr nach 2024 und 2023. Den Unterschied zum höchsten Wärmeinhalt der Ozeane erklären die Forscher damit, dass sich das Klimaphänomen El Niño im Pazifischen Ozean im Laufe des vergangenen Jahres stark abgeschwächt hat. Mit der El-Niño-Phase sind regelmäßig höhere globale Temperaturen an der Meeresoberfläche verbunden.
Normalerweise vermischen Wind, Wellen und Strömungen warmes Oberflächenwasser mit kaltem Tiefenwasser. Das passiert inzwischen seltener, so dass die oberste Schicht immer wärmer wird.
16.09.2025 | 0:42 minBeim Wärmeinhalt werden auch die Temperaturen in tieferen Schichten der Ozeane einbezogen. Deshalb wird die Entwicklung des Wärmeinhalts vergleichsweise wenig von Klimaphänomenen an der Oberfläche beeinflusst, sondern gilt eher als wichtiger Indikator für die Erwärmung des Planeten.
Ozeane sind riesige Wärmespeicher
"Da die atmosphärischen Treibhausgase Rekordwerte erreicht haben und die Ozeane mehr als 90 Prozent der durch diese Gase gespeicherten überschüssigen Wärme absorbieren, spielt der thermische Zustand des Ozeans eine wichtige Rolle bei der Beeinflussung globaler und regionaler Klimaauswirkungen", schreiben die Studienautoren.
Sie nennen etwa eine Sturzflut im US-Bundesstaat Texas im Juli 2025 oder Sturzfluten in Westafrika als Beispiele für extreme Wetterereignisse im vergangenen Jahr. Zudem habe der Westen und Süden Europas unter einer Hitzeglocke mit Temperaturen bis zu 48 Grad Celsius und zahlreichen Flächenbränden zu leiden gehabt.
Innerhalb von Minuten traten Flüsse und Bäche in Texas meterhoch über ihre Ufer. Dutzende Menschen starben, darunter viele Kinder.
07.07.2025 | 0:30 minUnter anderem auf Basis von drei Datenbanken mit Beobachtungsdaten fand das Team heraus, dass sich die Zunahme des Wärmeinhalts in den Ozeanen seit etwa 1990 verstärkt hat. Im Durchschnitt des Zeitraums 1960 bis 2025 ist der Wärmeinhalt in den oberen 2.000 Metern der Weltmeere um 0,14 Watt pro Quadratmeter in zehn Jahren angestiegen. Im Zeitraum 2005 bis 2025 waren es 0,32 Watt pro Quadratmeter in zehn Jahren.
Mittelmeer und Nord-Atlantik: Sauerstoffmangel und Versalzung
2025 lag die globale Meeresoberflächentemperatur 0,49 Grad über dem Durchschnitt des Zeitraums 1981 bis 2010. Wie beim Wärmeinhalt sind auch die Oberflächentemperaturen regional unterschiedlich verteilt. So überstiegen sie im Nordwest-Pazifik teilweise um mehr als drei Grad den langjährigen Mittelwert. Im Nord-Atlantik und im Mittelmeer waren es mit bis zu 1,5 Grad über dem Mittel ebenfalls mehr als im weltweiten Durchschnitt.
Der Nord-Atlantik und das Mittelmeer sind laut Studie zudem mit dem Klimawandel zusammenhängende Hotspots der Versalzung, des Sauerstoffmangels und der Versauerung. Dies zeige einen tiefgreifenden, komplexen Zustandswandel im Nordatlantik und im Mittelmeer, der deren Ökosysteme und die darin lebenden Organismen fragiler mache, heißt es in der Studie.
Der Zustand der Weltmeere ist alarmierend. Vertreter von 130 Staaten berieten im vergangenen Juni in Nizza über ihren Schutz und die Umsetzung des 2023 verabschiedeten Abkommens.
10.06.2025 | 2:02 minAuch die Nordsee zeigt Rekordwert
Wie Messungen des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) zeigen, gab es 2025 auch in der Nordsee einen Rekordwert: Die mittlere Wassertemperatur an der Oberfläche betrug 11,6 Grad. Dies war der höchste Wert der BSH-Datenreihe seit 1969. Die Nordsee war damit im Vergleich zum langjährigen Mittel von 1997 bis 2021 um 0,9 Grad wärmer.
In der Ostsee registrierte das BSH eine mittlere Oberflächentemperatur von 9,7 Grad. Das ist ein Anstieg von 1,1 Grad im Vergleich zum langjährigen Mittel (1997 bis 2021). Seit Beginn der entsprechenden BSH-Datenreihe im Jahr 1990 war 2025 das zweitwärmste Jahr für die Ostsee.
Die Ostsee ist eines der sich am schnellsten erwärmenden Meere. Algen, Bakterien und Quallen können im warmen Wasser Oberhand gewinnen – und das Ökosystem Meer empfindlich stören.
27.07.2025 | 2:42 minMehr zum Klimawandel in den Weltmeeren
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von Mark Hugo