Krankheiten zwischen Tier und Mensch:Was sind Zoonosen und warum steigt das Risiko für sie?
von Lena Steinsträter
Klimawandel und menschliche Eingriffe befeuern die Ausbreitung von Krankheitserregern. Der Weltzoonosentag sensibilisiert für übertragbare Krankheiten zwischen Tier und Mensch.
Die Wiederherstellung von natürlichen Lebensräumen entzerrt Kontaktzonen von Menschen, Wild- und Nutztieren. Das hilft die Entstehung von Zoonosen zu verringern.
25.06.2026 | 6:06 minWas ist eine Zoonose?
Zoonosen sind Krankheiten, die durch Erreger entstehen, die gegenseitig zwischen Tieren und Menschen übertragen werden können. Menschen können sich mit zoonotischen Erregern durch direkten oder indirekten Kontakt mit Tieren anstecken: beispielsweise durch verunreinigte Lebensmittel oder durch Überträger wie Zecken oder Mücken.
Welche bekannten Krankheiten Zoonosen sind
Hantaviren werden durch Nagetiere wie Mäuse und Ratten übertragen. Infizierte Nager scheiden die Viren etwa über ihren Kot oder Speichel aus. Menschen stecken sich an, wenn sie Kontakt mit solchen Ausscheidungen haben. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zum Hantavirus sei nur bei der Unterart Andes-Hantavirus eine Übertragung von Mensch zu Mensch nachgewiesen worden. Die Virusinfektion kann laut Robert-Koch-Institut (RKI) häufig ohne Symptome verlaufen, aber auch beispielsweise Fieber oder Nierenfunktionsstörungen auslösen.
Die WHO geht bei Ebola davon aus, dass eine Fledermausart die Quelle des Erregers für das Ebolavirus bilden könnte. Die weitere Übertragung entsteht von Mensch zu Mensch durch direkten Kontakt mit Ebola-Infizierten und deren Körperflüssigkeiten.
Laut RKI würden je nach Stadium verschiedene Symptome auftreten, etwa von Gliederschmerzen bis Krämpfen und Atemnot. Für die Spezies Zaire-Ebolavirus gebe es zugelassene Impfstoffe.
Zu den Coronaviren gehören unterschiedliche Krankheitserreger. Eine Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem Jahr 2025 geht davon aus, Fledermäuse oder ein anderer Zwischenwirt seien der wahrscheinliche Ursprung für die Übertragung von SARS-CoV-2 auf den Menschen gewesen. Der Bericht merkt an, dass nicht abschließend geklärt sei, woher das Coronavirus kommt und behält sich vor bei neuer Quellenlage neu zu bewerten.
Laut RKI kann eine Infektion mit SARS-CoV-2 sehr unterschiedlich verlaufen. Häufige Symptome seien Schnupfen, Husten, Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen. Gegen die Krankheit gebe es zugelassene Impfstoffe.
Steigt das Risiko, dass sich neue Zoonosen entwickeln?
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass etwa drei Viertel der bei Menschen neu entdeckten Infektionen der vergangenen Jahrzehnte durch zoonotische Erreger entstanden sind.
In Zentralafrika gibt es einen Ebola-Ausbruch. Die gefährliche Virusinfektion löst hohes Fieber und Blutungen aus. Fakten und Daten zu bisherigen Ausbrüchen.
21.05.2026 | 1:00 minIn den letzten Jahren habe sich das Risiko für Zoonosen deutlich erhöht, erklärt die Leiterin des Instituts für Evolutionäre Ökologie und Naturschutzgenomik an der Universität Ulm, Simone Sommer.
Das liegt daran, dass der Mensch immer stärker in die letzten Wildtierrefugien vordringt und die Kontaktwahrscheinlichkeit viel höher geworden ist.
Simone Sommer, Leiterin des Instituts für Evolutionäre Ökologie und Naturschutzgenomik an der Universität Ulm
Übertragungen werden dort begünstigt, wo Menschen engen Kontakt zu Tieren haben. Oft fungieren Wildtiere als Quelle von Erregern, während die Übertragung auf den Menschen etwa über Zwischenwirte, Nutztiere, Lebensmittel oder Vektoren erfolgt. Vektoren sind Lebewesen, die Krankheitserreger von einem kranken Tier auf ein anderes Tier oder auf den Menschen übertragen.
Zudem können Nutztierbestände als Verstärker wirken, da viele empfängliche Tiere auf engem Raum gehalten werden. Auch gestörte Ökosysteme und Lebensmittelketten tragen zur Verbreitung von Erregern bei.
Wie gefährlich ist das Hantavirus und lässt sich die Verbreitung gut eindämmen? Virologe Jonas Schmidt-Chanasit ordnet die Situation ein.
07.05.2026 | 4:09 minWelchen Einfluss hat die Zerstörung von Ökosystemen auf die Ausbreitung von Zoonosen?
Das Eindringen der Menschen in Naturräume führt häufig zu einer Störung der Artenvielfalt. So haben beispielsweise Abholzung und Rohstoffabbau im tropischen Regenwald zur Folge, dass natürliche Lebensräume zerstört werden und in kleinere, voneinander isolierte Flächen aufgeteilt werden.
Die kleinen Flächen bieten oft nicht genug Nahrung oder Rückzugsorte für die Tiere, was sie in menschliche Siedlungen treibt und dadurch die Zahl der Kontaktpunkte erhöht.
Die Tigermücke ist das tödlichste Tier weltweit. Beim Fraunhofer Institut in Gießen versuchen sie, dem gefährlichen Krankheitsüberträger genetisch beizukommen.
09.07.2024 | 2:50 minWelchen Einfluss hat der Klimawandel auf die Ausbreitung von Zoonosen?
Der Klimawandel und die damit verbundenen steigenden Temperaturen beschleunigen beispielsweise die Ausbreitung von Mücken und Zecken. Sie können Krankheiten überführen, die bislang nur in tropischen Gebieten zu finden waren.
Durch die wärmeren Winter und längeren Sommer können Vektoren sich das ganze Jahr über ansiedeln. Vor allem ist durch die Temperaturerwärmung eine Reproduktion möglich, die in diesem Ausmaß zuvor nicht möglich war, sagt die Biologin Simone Sommer.
Wie können Zoonosen verhindert werden?
In Ökosystemen kann eine hohe Artenvielfalt dazu beitragen, Infektionsketten zu unterbrechen. Größere Abstände zwischen Nutztierhaltung und Wildtierlebensräumen würden Kontakte reduzieren und damit Übertragungsrisiken senken, so der Fachtierarzt für Wildtiere, Sascha Knauf.
Der Erhalt der Biodiversität, der natürlichen Artengemeinschaften ist der beste Schutz für Zoonosen und die Auswirkungen des Klimawandels.
Simone Sommer, Leiterin des Instituts für Evolutionäre Ökologie und Naturschutzgenomik an der Universität Ulm
Zudem arbeiten verschiedene Institutionen mit dem sogenannten "One-Health-Ansatz". Diese Herangehensweise betrachtet die Gesundheit von Menschen, Tieren und Umwelt gemeinsam und betont fachübergreifende Zusammenarbeit zwischen Humanmedizin, Veterinärmedizin und Umweltwissenschaften.
Corona, Aids oder auch die Spanische Grippe haben viele Millionen von Toten gefordert. Weltweit versuchen Forschende, solche Pandemien in Zukunft besser vorherzusagen.
19.09.2024 | 29:47 minKnauf betont, dass der Datenaustausch über die Sektoren Tier, Mensch und Umwelt hinweg wichtig ist, um Infektionsausbrüche effizient einzudämmen.
Wenn wir keine gesunden Nutztiere haben und Ökosysteme einschließlich der Wildtiere nicht im Takt sind, wird es auch schwer sein, die Menschen gesund zu erhalten.
Sascha Knauf, Leiter des Instituts für Internationale Tiergesundheit des Friedrich-Loeffler-Instituts
Das Ziel von One Health besteht darin, Risiken für Zoonosen früh zu erkennen, zu reduzieren und zu kontrollieren.
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