Hirnhautentzündungen durch Zecken: 2025 könnte Rekordjahr werden

2025 könnte noch Rekordjahr werden:Mehr Zecken durch Klimawandel - mehr FSME-Fälle

|

Die Klimakrise treibt die Zahl der durch Zecken verursachten Hirnhautentzündungen in die Höhe. Welche Risiken es gibt und wie man sich vor einer Infektion schützen kann.

Zecken

Zecken sorgen immer häufiger für Infektionen und Hirnhautentzündungen. Laut dem Robert-Koch-Institut wurden im letzten Jahr 690 Fälle registriert.

17.02.2026 | 0:36 min

Nicht selten sind sie das unliebsame Ende eines Spaziergangs oder von Gartenarbeit: Wenn Zecken sich festgesetzt haben und ihren Stechrüssel durch die Haut bohren, kann das in seltenen Einzelfällen tödliche Folgen haben.

Das Risiko, durch einen Zeckenbiss ernsthaft zu erkranken, steigt in Deutschland nach Überzeugung von Experten. Im vergangenen Jahr könnten Zecken demnach so viele Hirnhautentzündungen verursacht haben wie noch nie seit Beginn der Meldepflicht. Gerhard Dobler vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München sagt zu den Fällen von Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME):

Die Auswertungen laufen noch, aber es ist jetzt schon abzusehen, dass wir die schon sehr hohen Zahlen von 2024 übertroffen haben werden.

Gerhard Dobler, Virologe am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr

Dobler zufolge gibt es keine Region in Deutschland, die FSME-frei ist. Es sei mit weiter steigenden Zahlen zu rechnen, warnte die Parasitologin Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim im Vorfeld des 8. Süddeutschen Zeckenkongresses in Stuttgart.

Zecke

Der Sommer ist da, Zeit für einen ruhigen Tag im Grünen – wären da nicht die lästigen Mücken, Zecken und Co. Welche Tipps gibt es zum Schutz vor Insektenstichen?

10.07.2025 | 2:36 min

Wegen des Klimawandels und milderer Winter sind sie mittlerweile ganzjährig aktiv. Auch die kalten Temperaturen in diesem Jahr schaden den Holzböcken Experten zufolge kaum. Die Risiken und Schutzmöglichkeiten im Überblick:

Wo kommen Zecken vor?

Sie leben in Wäldern, Parks und Gärten auf Pflanzen wie Gräsern, Farnen, Sträuchern oder in losem Laub. Von dort aus gelangen sie zu vorbeilaufenden Tieren oder Menschen und beißen sich an weichen Hautpartien wie Kniekehlen, unter den Armen und am Haaransatz fest.

Mit Hilfe ihres mit Widerhaken versehenen stachelartigen Mundwerkzeugs bohren sie sich in die Haut, um Blut zu saugen. Dabei können allerdings auch Krankheitserreger übertragen werden. Ab etwa fünf Grad werden Zecken aktiv.

Wichtig ist es, Zecken so schnell wie möglich zu entfernen. Denn mit jeder Stunde, die eine mit Borrelien infizierte Zecke länger saugen kann, steigt das Risiko für eine Infektion. So wird man sie los:

  • Die Zecke nahe der Haut am Kopf mit einer Pinzette oder einem speziellen Instrument greifen. Dann langsam und gerade herausziehen.
  • Auf keinen Fall vorher mit Öl oder Cremes beträufeln. Das reizt Zecken und sie setzen mehr Speichel und eventuell Bakterien frei. Das Gleiche gilt für das Zerquetschen der Tiere.
  • Nach dem Entfernen die Stelle des Einstichs desinfizieren.
  • Mögliche Zeckenreste fallen in der Regel nach einiger Zeit von selbst ab. Wenn der Kopf entfernt wurde, besteht durch diese Reste kein Infektionsrisiko mehr.


Die Grafik zeigt, wie man Zecken entfernen sollte - und wie nicht

So sollte man Zecken entfernen.

Quelle: Techniker Krankenkasse; Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung; NABU

Welche Krankheiten können Zecken übertragen?

Zecken können den FSME-Erreger übertragen, der eine Hirnhaut- oder Gehirnentzündung auslösen kann. Insbesondere bei Erwachsenen besteht die Gefahr von Spätfolgen wie Müdigkeit, lange andauernden Kopfschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten sowie neurologischen Ausfällen. Selten kommt es auch zu Todesfällen.

Für 2025 erfasste das Robert-Koch-Institut (RKI) bundesweit bislang bereits 693 gesicherte FSME-Erkrankungen. Hinzu kämen 100 Verdachtsfälle, sagt Virologe Dobler, der auch Deutschlands nationales Konsiliarlabor für FSME leitet. Damit könnte 2025 noch zum Rekordjahr werden. Bislang wurde der höchste Wert mit 704 FSME-Erkrankungen im Jahr 2020 gemessen.

Grafik: Wie sich Borreliose und FSME unterscheiden
Quelle: Boulanger et al.: Ticks and tick-borne diseases, 2019; Zecken.de; Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung; RKI

Am häufigsten durch Zecken übertragen wird jedoch eine andere Krankheit - die von Bakterien verursachte Lyme-Borreliose, die das Nervensystem und die Gelenke schädigen kann. Schätzungen zu Krankheitsfällen schwanken sehr stark zwischen rund 40.000 und 120.000 pro Jahr oder sogar mehr.

Treten binnen vier Wochen grippeähnliche Symptome, Fieber, Lymphknotenschwellungen oder die sogenannte Wanderröte auf, sollte sicherheitshalber ein Arzt aufgesucht werden. Denn sonst drohen Betroffenen noch nach vielen Jahren Spätfolgen wie Lähmungen, Nervenschmerzen oder Gelenkentzündungen.

Wanderröte - Symptom einer Borreliose nach Zeckenbiss

Symptom einer Borreliose nach Zeckenbiss: So kann eine Wanderröte aussehen.

Quelle: AP

Gibt es eine Schutzimpfung?

Gegen FSME schützt längerfristig eine aus drei Einzeldosen bestehende Impfung, die alle drei bis fünf Jahre aufgefrischt werden muss. Von den Erkrankten sind annähernd alle nicht oder unzureichend geimpft. Eine Schutzimpfung gegen Borreliose gibt es dagegen nicht. Früh erkannt, können Mediziner eine Infektion allerdings gut mit Antibiotika behandeln.

ARCHIV - 20.02.2024, Baden-Württemberg, Stuttgart: Unerwünschte Begegnung: Wer viel draußen unterwegs ist, kann den Kontakt mit Zecken nicht immer vermeiden.

Zeckenstiche können in Deutschland Borreliose übertragen – einen Impfstoff gibt es nicht. Die Zahl der Borreliose-Fälle steigt besonders in Bayern immer weiter an.

12.08.2025 | 1:50 min

Wie hoch ist das Risiko einer Erkrankung?

Im vergangenen Jahr stufte das RKI bundesweit rund 183 Stadt- und Landkreise als FSME-Risikogebiete ein. Zu den Regionen, in denen mit einem erhöhten Infektionsrisiko nach Zeckenbissen zu rechnen ist, gehören ganz Bayern und Baden-Württemberg sowie der Süden von Hessen. Dazu kommen weite Teile Sachsens und Thüringens sowie das südöstliche Brandenburg und einzelne Kreise in anderen Bundesländern.

Dem RKI zufolge sind aber selbst in den FSME-Risikogebieten nur wenige Zecken infiziert. Im Mittel tragen 0,1 Prozent bis fünf Prozent der Zecken FSME-Viren in sich. Laut Zecken-Expertin Ute Mackenstedt werden die Erreger binnen zehn Minuten nach dem Zeckenstich übertragen.

FSME-Risikogebiete

ZDFheute Infografik

Ein Klick für den Datenschutz

Für die Darstellung von ZDFheute Infografiken nutzen wir die Software von Datawrapper. Erst wenn Sie hier klicken, werden die Grafiken nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server von Datawrapper übertragen. Über den Datenschutz von Datawrapper können Sie sich auf der Seite des Anbieters informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in den Datenschutzeinstellungen. Ihre Zustimmung können Sie im Bereich „Meine News“ jederzeit widerrufen.

Den Erreger der deutschlandweit vorkommenden Borreliose tragen je nach Region bis zu 30 Prozent der Zecken in sich. Borreliose wird erst übertragen, wenn die Zecke bereits einige Stunden Blut saugt. Außerdem entwickelt nur ein sehr kleiner Teil der Infizierten am Ende auch Krankheitssymptome.

Welche allgemeinen Schutzmöglichkeiten gibt es noch?

Spaziergänger sollten in Wäldern sowie auf Feldern und Wiesen lange Kleidung und feste Schuhe tragen. Über die Hosenbeine gezogene Strümpfe erschweren den Zecken die Suche nach nackter Haut zusätzlich. Nach einem Ausflug sollte die Haut gründlich abgesucht werden, um festgebissene Zecken rechtzeitig zu entdecken und mit einer speziellen Pinzette zu entfernen.

Antizeckenmittel auf Haut und Kleidung sind ebenfalls hilfreich. Dieser Schutz ist aber zeitlich begrenzt.

Icon von whatsapp
Quelle: dpa

Sie wollen auf dem Laufenden bleiben? Dann sind Sie beim ZDFheute-WhatsApp-Channel richtig. Hier erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten auf Ihr Smartphone. Nehmen Sie teil an Umfragen oder lassen Sie sich durch unseren Podcast "Kurze Auszeit" inspirieren. Zur Anmeldung: ZDFheute-WhatsApp-Channel.


Quelle: AFP, dpa
Über das Thema berichtete ZDFheute Xpress am 17.02.2026 um 19:45 Uhr.

Mehr zum Risiko durch Zeckenstiche

  1. Eine Zecke in Nahaufnahme auf der Haut

    Infektion nach Zeckenstich:Borreliose: Wenn Bakterien krank machen

    von Anja Braunwarth
    mit Video4:59

  2. Eine Hyalomma-Zecke krabbelt auf Haut.

    Neue Blutsauger in Deutschland:Wie gefährlich sind invasive Riesen-Zecken?

    von Bianca M. Hugo
    mit Video4:59

  3. Zecken-Warnschild auf einer Wiese
    FAQ

    Vorsicht vor FSME und Borreliose:Wie Sie bei Zecken richtig handeln

    von Nadine Braun und Kevin Schubert
    mit Video4:59

  4. Frau trägt Mückenschutzspray auf dem Unterarm auf.

    Stiftung Warentest hat geprüft:So gut schützen Sprays vor Mücken und Zecken

    von Gereon Helmes
    mit Video5:00