Ohne Zusammenarbeit kein Klimaschutz:Die Macht der internationalen Kooperation
Klimaschutz geht nur global, aber nationale Interessen zu vereinen, bremsen ihn. Aus der Kooperationsforschung gibt es konkrete Vorschläge, wie Zusammenarbeit gelingen kann.
Internationale Vereinbarungen sind beim Klimaschutz schwierig. Positive Anreize wie etwa technologischer Austausch sollen Staaten zu mehr Kooperation bewegen.
14.06.2026 | 1:18 minZDFheute: Weltpolitisch erleben wir gerade das Recht des Stärkeren. Ist Kooperationsbereitschaft ein Gutmenschen-Modell?
Matthias Sutter: Nein, denn Kooperation führt zu mehr Leistungsfähigkeit. Kooperative Menschen haben mehr Erfolg im Arbeitsleben. Unternehmen arbeiten wirtschaftlicher, wenn es ein Klima von Vertrauen und Hilfsbereitschaft gibt.
Der Volkswirt Matthias Sutter ist Direktor am Max-Planck-Institut für Verhaltensökonomik in Bonn und Professor an den Universitäten Köln und Innsbruck. Matthias Sutter beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit Themen wie Kooperation, Vertrauen und Entscheidungsverhalten.
Zuletzt erschien gemeinsam mit Martin Kocher sein Buch "Gemeinsam stark: Kooperation und Vertrauen: Der Schlüssel zum Erfolg in Wirtschaft, Politik und Arbeitsleben".
Denken wir an Corona und die Entwicklung von Impfstoffen. Erst die Kooperation von Pfizer und BioNTech führte dazu, dass schnell ein Impfstoff auf den Markt kommen konnte.
Und selbst für einen eher unkooperativen Menschen wie Donald Trump wäre die Welt besser, wenn er starke Kooperationspartner hätte, beispielsweise bei der Sicherung der Straße von Hormus.
Daten der Weltwetterorganisation zeigen steigende Temperaturen und stark erwärmte Ozeane. Der Bericht warnt vor wachsendem Ungleichgewicht im Klimasystem.
23.03.2026 | 1:32 minWarum Menschen zur Kooperation bereit sind
ZDFheute: Donald Trump ist aber auch ein gutes Beispiel dafür, dass beim Klimaschutz die internationale Kooperation noch schwieriger geworden ist.
Sutter: Klimaschutz wird ja häufig als Einschränkung empfunden, was dann einen Wettbewerbsnachteil bedeutet. Trotzdem kann er gelingen aufgrund einer typischen menschlichen Eigenschaft, wonach die meisten Menschen bedingt kooperieren: Hilfst Du mir beim Klimaschutz, helfe ich auch mit.
Interessanterweise wissen wir sogar aus der Forschung, dass alleine die Erwartung, dass der andere kooperiert, Menschen kooperativer macht.
Der US-Präsident hat die wissenschaftliche Erkenntnis, dass Treibhausgase gesundheitsschädlich sind, für ungültig erklären lassen. Scharfe Kritik kommt von Experten und Opposition.
12.02.2026 | 2:06 minNationale Interessen als Bremse im Klimaschutz
ZDFheute: Trotzdem zeigt sich im globalen Klimaprozess oft die Haltung: Lass mal die anderen machen.
Sutter: Das stimmt leider. Hier zeigt sich deutlich, dass die gesamte Umwelt- und Klimaproblematik ein reines Kooperationsproblem ist. Das heißt aber im Umkehrschluss auch, dass sich aus Sicht der Kooperationsforschung Lösungen finden lassen.
Während Trumps Amerika Klimaschutz aktiv bekämpft und der Green Deal in Europa wankt, werden die Elektrifizierung und die Dekarbonisierung für China zum Exportschlager.
09.11.2025 | 43:16 minDie Idee des "Klimaklubs", die der Nobelpreisträger William D. Nordhaus vorgeschlagen hat, ist nichts anderes als ein Konzept bedingter Kooperation.
Der US-Ökonom William D. Nordhaus hat die Idee des "Klimaklubs" entwickelt. Der "Klimaklub" ist nach seinen Vorstellungen ein Bündnis von Staaten, die sich auf gemeinsame Klimastandards wie einen CO2-Preis verständigen und sich gegenseitig Vorteile gewähren, zum Beispiel durch freieren Handel. Nicht‑Mitglieder sollen durch Zölle oder CO2‑Grenzausgleiche entsprechend sanktioniert werden.
Das Konzept vom "Klimaklub" wurde in Teilen in die politische Praxis überführt. Der informelle Zusammenschluss bedeutender Industrienationen der G7 und weitere Staaten haben sich 2022 zu Kooperation und Dekarbonisierung bekannt, es fehlen in der Abmachung aber die harten Regeln zu mehr Klimaschutz, wie ein verbindlicher CO2-Preis und Strafzölle.
William D. Nordhaus wurde für die Forschung zur Verbindung von Klima und Wirtschaft 2018 mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet.
ZDFheute: Der "Klimaklub", so die Kritik aus der politischen Praxis, kann aber zu wenig gegen Fehlhalten tun.
Sutter: Es ist gerade bei weltweiten Kooperationsproblemen schwierig, Trittbrettfahrer zu sanktionieren, die sich nicht an Vereinbarungen halten.
Es gibt daher den Vorschlag, die Idee des Klimaklubs mit positiven Anreizen zu erweitern, indem etwa innerhalb des Klubs bei der Entwicklung grüner Technologien besser zusammengearbeitet wird, was es attraktiver machen würde, sich an Vereinbarungen zu CO2-Emissionen zu halten.
Bis 2045 will Deutschland klimaneutral werden, doch 2025 gingen die CO2-Emissionen gerade mal um 0,1 Prozent zurück. Es fehle eine klare politische Linie, so der Expertenrat für Klimafragen.
18.05.2026 | 1:50 minCO2-Einsparung global bearbeiten
ZDFheute: Sie sagen, es sei ökonomisch am effizientesten, wenn CO2-Emissionen dort eingespart werden, wo die Kosten am geringsten sind. Das trifft vermutlich oft auf Schwellen- und Entwicklungsländer zu. Soll das heißen: Lass Klimaschutz mal die ärmeren Länder machen?
Sutter: Es ist immer am effizientesten, dort bei der Behebung eines Problems anzusetzen, wo die Mittel den größten Effekt haben. Bei hohen Umweltstandards, wie wir sie in Deutschland haben, kostet die zusätzliche Vermeidung von CO2-Ausstoß sehr viel mehr als an vielen anderen Orten.
Darum wäre es ökonomisch am effizientesten, wenn wir Geld für andere Länder zur Verfügung stellen, um dort mit denselben Beträgen sehr viel mehr CO2 einsparen zu können. Das erfordert aber auch mehr Unterstützung für Schwellen- und Entwicklungsländer, zum Beispiel in Form von Technologietransfer.
Unabhängiger werden von teuren Öl- und Gaspreisen: ein langer und teurer Transformationsprozess. Wie er gelingen kann und wer für die Kosten aufkommt.
08.04.2026 | 3:34 minUnmittelbares Feedback motiviert zu mehr Klimaschutz
ZDFheute: Wie kann man Menschen individuell zu mehr klimafreundlichem Verhalten bewegen?
Sutter: Menschen reagieren am besten auf unmittelbares Feedback. Es gibt Untersuchungen aus Studierendenwohnheimen in Köln und Bonn, wonach der Wasserverbrauch beim Duschen um 20 Prozent zurückgeht, wenn auf einem Smartmeter der laufende Wasserverbrauch angezeigt wird.
Sofortiges Feedback hilft, weil es eines der großen Probleme beim Klimawandel adressiert, nämlich dass wir die Folgen unseres Handelns nicht unmittelbar spüren.
Das Interview führte Eva Schmidt.
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