Petersberger Klimadialog:Vorbild Australien: Drei Stunden kostenloser Strom am Tag?
von Elisa Miebach
Australien sorgt als Co-Gastgeber der Klimakonferenz für Schlagzeilen. Doch die Welt ist weit ab vom Klima-Kurs. Können 40 Länder gemeinsam vorangehen?
Gesandte aus über 30 Staaten treffen sich beim Petersberger Klimadialog in Berlin und diskutieren über Klimaschutz. Bundesumweltminister Schneider sieht darin trotz vieler Krisen auch Chancen.
21.04.2026 | 0:16 minDrei Stunden kostenloser Strom pro Tag, das soll bald für Haushalte in Australien gelten. Das Land hat die Solarkraft so stark ausgebaut, dass jetzt vor allem mittags Strom im Überfluss da ist.
Australien hatte Deutschland schon vor acht Jahren von Platz eins der größten Dach-Photovoltaik-Fläche pro Einwohner verdrängt und zusätzlich auch riesige Solarparks außerhalb der Städte gebaut. Noch kommt ein großer Teil der Energie auch dort aus der Kohlekraft, aber 25 Prozent des Stroms erzeugt die Sonne, Tendenz steigend.
Australischer Minister appelliert: Nicht zögern
Der australische Klima- und Energieminister ruft auf dem Petersberger Klimadialog in Berlin auf:
Jetzt ist nicht die Zeit zu zögern, sondern mit Ehrgeiz voranzugehen.
Chris Bowen, australischer Minister für Klimawandel und Energie
Die aktuelle Energiepolitik der Bundesregierung ignoriert nach Ansicht von Wissenschaftlern die Vorgaben des Klimaschutzgesetzes und verschiebt wirksamen Klimaschutz in eine unbestimmte Zukunft.
17.03.2026 | 10:13 minDie Erneuerbaren Energien sind auf dem Vormarsch und trotzdem ist die Welt bei den Klimazielen weit ab vom Kurs. Der australische Minister macht sich beim Treffen von rund 40 Ländern auf dem Petersberger Klimadialog in Berlin stark für die Erneuerbaren Energien. Aufgrund eines Raffineriebrands in Australien ist er online zugeschaltet.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte den ersten Petersberger Klimadialog 2010 nach der gescheiterten Klimakonferenz von Kopenhagen ins Leben gerufen. Ort des ersten Treffens war der namensgebende Bonner Petersberg. Danach trafen sich jährlich die rund 40 Länder in Berlin. Ziel ist es, die UN-Klimakonferenzen in einem informelleren Rahmen vorzubereiten.
COP-Gastgeber: Australien und die Türkei
Australien richtet in diesem Jahr die Klimakonferenz mit aus. Doch es sind Zeiten, in denen sich die Welt auf weniges einigen kann. Auch nicht auf einen alleinigen Gastgeber.
So ist Australien Co-Veranstalter, zusammen mit der Türkei, wo die Klimakonferenz stattfindet. Die Türkei stellt auch den Präsidenten der sogenannten Conference of the Parties (COP). Dieser hat in Berlin seinen ersten öffentlichen Auftritt.
Aus einem Sondervermögen des Bundes für Infrastruktur fließen 100 Milliarden Euro an Länder und Kommunen. Die Klimabeiräte der Länder mahnen, damit Städte fit für den Klimawandel zu machen.
19.02.2026 | 2:42 minDie Klimaziele Australiens werden von NGOs immer noch als nicht ausreichend bewertet, die der Türkei als kritisch ungenügend. Die Türkei ist damit in einer Kategorie mit den USA und Russland, doch in Berlin schlägt der neue COP-Präsident zumindest ehrgeizigere Töne an.
Die aktuelle Energiekrise habe gezeigt, dass fossile Energien keine Energiesicherheit bringen werden. Auch dem Multilateralismus gehe es gerade nicht besonders gut, aber gerade deshalb sei die COP nach wie vor der beste Ort, alle an einen Tisch zu bringen, sagt er in Berlin.
Der türkische Umweltminister spricht auch über die spürbaren Folgen der Klimakrise, Dürren kosten 300 Milliarden Dollar im Jahr und der steigende Meeresspiegel führe zu einer Küstenerosion von 30 Prozent im Mittelmeer.
Klimaschutz nur noch Sache des Umweltministers?
Auch in Deutschland ist das Thema Klimaschutz in der Regierungsagenda nach unten gerutscht. In den vergangenen Jahren richtete das Außenministerium den Petersberger Klimadialog aus. In der jetzigen Regierung liegt das Thema Klimaschutz wieder allein beim Umweltministerium. Bundesumweltminister Carsten Schneider betont:
Die zentrale Erkenntnis ist: Wir müssen unabhängiger werden von teurem und unsicherem Öl und Gas. Die große Mehrheit der Menschheit verbindet der Wunsch, nicht länger Opfer der Entwicklungen an der Straße von Hormus zu sein.
Carsten Schneider, Bundesumweltminister (SPD)
Während die Öl-Preise aktuell immer weiter nach oben klettern, sind die Preise für Solarpaneele und Windräder in den vergangenen Jahren immer weiter gefallen. Auch deshalb forcieren einige Länder, darunter etwa Indien, nun noch stärker den Ausbau der Erneuerbaren. Die schwierige aktuelle Lage biete daher auch eine Chance für klimapolitische Fortschritte, so der Minister. Der Petersberger Klimadialog könnte neuen Schwung geben.
Hohe Erwartungen an Friedrich Merz
Am zweiten Tag der Konferenz möchte Kanzler Friedrich Merz am Mittwoch Impulse setzen. Es wird erst das zweite Mal nach der Klimakonferenz im vergangenen Jahr in Brasilien sein, dass er vor vielen hochrangigen internationalen Vertretern konkret zur internationalen Klimapolitik und zur Rolle Deutschlands spricht.
Grafik, Photovoltaik, Erdgas, Braunkohle
Quelle: ZDF-Infografik"Von Bundeskanzler Friedrich Merz erwarten wir klare Signale", sagt der langjährige Beobachter der Klimakonferenzen Christoph Bals von der Klima-Organisation Germanwatch. Merz habe bei der Klimakonferenz in Brasilien angekündigt, dass Deutschland ein verlässlicher Partner bleibe. "Er muss nun national wie international zeigen, dass Deutschland bei der Klimapolitik Kurs hält und seiner Verantwortung gerecht wird", so Bals.
Vor wenigen Jahren war das Thema "Klima“ noch allgegenwärtig. Vernachlässigt Schwarz-Rot das Thema? Mirko Drotschmann blickt auf die Klimapolitik der Bundesregierung.
12.03.2026 | 8:33 minKonferenz in Kolumbien: Allianz für Klima-Initiative
Beobachter hoffen, dass der Petersberger Dialog diese Dynamik aufnimmt und Allianzen verfestigt - auch mit Blick auf eine ganz neue internationale Klima-Initiative. In der kommenden Woche treffen sich mehr als 40 Länder in Kolumbien, um ein gemeinsames Abkommen für den Ausstieg aus den fossilen Energien vorzubereiten.
Dieser Ausstieg wurde auf der vergangenen Klimakonferenz heiß diskutiert. An der Blockade einiger weniger Länder scheiterte aber eine Verankerung im Abschlusstext. Die neue Konferenz im kolumbianischen Santa Marta ist der Versuch, am Einstimmigkeits-Prinzip der Klimakonferenz vorbei gemeinsam voranzugehen. Vorbereitet werden soll das neue Momentum auch in Berlin beim Petersberger Klimadialog.
Elisa Miebach ist Redakteurin der ZDF-Umweltredaktion
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